Du hast ja hochfunktionale Autisten als Kinder, Du kannst ja gar nicht mitreden….

Ich weiß gar nicht, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe.

Nur; wie kommen jene darauf, dass es hier locker „fluffig“ und einfach wäre?

Ich komme einfach nicht dahinter.
Ich spreche mich klar gegen ABA aus. Weil ich weiß, dass es meine Kinder nicht weitergebracht hätte, als das, was sie heute aus eigenem Antrieb erreicht haben.

  • Keiner weiß, wann der aktive Spracherwerb meiner Kinder einsetzte.
  • Keiner weiß, wie schwierig das Sauberwerden der Kinder war und wie lange es dauerte.
  • Keiner weiß, ob meine Kinder von Anfang an alles gegessen haben, oder eher eingeschränkt bzw. stark selektiv.
  • Keiner weiß, wie viele Jahre ich mich nach dem ausgerichtet habe, wie die Kinder überhaupt in den Schlaf finden konnten.
  • Keiner weiß, ob und wie ich unsere Wohnung sichern musste, damit die Kinder weder durch das Fenster noch durch die Wohnungstür verschwinden konnten.
  • Keiner weiß, ob wir dadurch unseren Freundeskreis verloren haben oder eben nicht.
  • Und so weiter, und so fort……….

Es fragt ja keiner.

Ebenso fragt uns keiner, welche Kämpfe wir mit Behörden durchgestanden haben, die alle Erfolge durch das zusammenstreichen der Hilfen gefährdet haben.

Es fragt auch keiner, wie viele Stunden wir mit HPG’s zugebracht haben.
Es fragt auch keiner, wie das Leben mit VIER autistischen Kindern ist.

Es wird einfach pauschal unterstellt

„mit hochfunktionellen Autisten ist das alles viel einfacher“.

NEIN, ist es NICHT.

Ein Overload ist ein Overload.

Ein Shutdown ist ein Shutdown.

Ein Meltdown ist ein Meltdown.

Und Autismus ist Autismus!

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15 Kommentare zu „Du hast ja hochfunktionale Autisten als Kinder, Du kannst ja gar nicht mitreden….“

  1. Ich habe größten Respekt, was Sie mit vier autistischen Kindern leisten. Ich habe eines und komme schon an meine Grenzen – hauptsächlich im Behördenkrieg, den ich tatsächlich als furchtbar belastend empfinde, vor allem, weil unser Sohn gerade durch die Schule/Lehrer schon sehr viel Leid erfahren musste. Dies als Eltern mit anzusehen und das Gefühl zu haben, gegen Windmühlen zu kämpfen, ist für mich kaum auszuhalten. Und meist hatte es seinen Ursprung darin, dass er überschätzt und überfordert wurde, da er auf den ersten Blick so „normal“ wirkt.

    Viele Grüße
    joola

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  2. Durch Facebook-Bekanntschaften bin ich erst kürzlich auf „ABA“ gestoßen und wie sehr Eltern das verteidigen, weil die Kinder dann „funktionieren“.

    Wenn ich mir aber die „Therapie“ angucke, die von den Kindern von klein auf bereits Dinge verlangt, die ein Erwachsener nicht bringen kann oder will:

    -5 Tage die Woche eine 8 Stunden Therapie.

    – Belohnungen vor die Nase halten und erst austeilen, wenn das Kind „compliance“ zeigt.

    – bei einem Overload oder meltdown mit Gewalt das Kind in die Arme nehmen und Kontakt *UND* weitere Sensationen in einem bereits überladenen System erzeugen, bis das Kind schlichtweg zu erschöpft ist, um sich noch wehren zu können:

    ABA ist ein Pflaster, das auf Autismus aufgeklebt wird. Die Kinder zählen NULL. Alles, was zählt, sind glückliche Eltern. Die Kinder sind bei der Therapie das Tool zum Geldverdienen.

    Und es ist wirklich so, dass die Krankenkassen das hier anfangen, zu finanzieren?

    Gefällt 1 Person

    1. Noch nicht, aber das ist der Plan der Befürworter.

      Nicht nur in D sondern auch in der EU. Ebenso die Anerkennung des BCBA als medizinischen Titel der zur Ausübung berechtigt. Wenn man sich genauer anschaut, welche Voraussetzungen zum Erlangen des Titels ausreichen, bzw. wie niedrig diese für den BCaBA sind, macht das wenig Freude.

      Außerdem reichen 30-40 Wochenstunden einigen Anbietern nicht aus, sie propagieren die gesamte Wachzeit. Und jede Person, die mit dem Kind in Kontakt tritt, soll nach den Maßstäben/Richtlinien von ABA agieren.

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      1. Ich bin schon geraume Zeit der Ansicht, dass nicht der Autismus das Problem ist, sondern unser Umgang damit. Und die Umwelt, die wir geschaffen haben.

        Ich bin „im Normalspektrum“ – hab halt „nur“ ADS (ohne hyper) und *ich* komme oft nicht klar, wenn ich in öffentlichen Gebäuden bin, weil das permanente Hintergrundgesumse, das dauergeklingel und -gedudel und eigentlich Geräusche überall, mich wahnsinnig macht.

        ABA arbeitet auch imho nicht MIT dem Kind sondern AM Kind. Und das ist der grundfalsche Ansatz. Derartige Ansätze sind in ALLEN anderen Therapiemaßnahmen bereits verboten worden bzw. wurden fallengelassen. Nur bei Autisten scheint es völlig legitim zu sein, sie dieser „Therapie“ zu unterziehen.

        Wenn man sich dann noch die Äußerungen Lovaats zu Autismus durchliest, wenn man sieht, welch eine tiefgreifende Verachtung er für diese Leute hat (ich konnte das nicht verifizieren, aber ich *meine* gelesen zu haben, dass er sie als menschlichen Müll bezeichnet hat, der mit Therapie in etwas menschenähnliches verwandelt werden kann, bezeichnet hat, aber eine Quelle dafür kann ich wirklich nicht geben), dann weiß man, dass ABA nicht für die Kinder entwickelt wurde, sondern für die Eltern, um ihnen eine Illusion einer Normalität zu geben, die es selbst mit „normalen“ Kindern nicht gibt.

        Und das alleine sollte für verantwortungsvolle Eltern reichen, um mit angelegten Ohren aus der Therapie wegzulaufen.

        Eine Therapie für zweijährige während der gesamten Wachzeit? Das ist unzumutbar und geht wirklich nur, wenns um Autisten geht. 😦

        Gefällt 4 Personen

      2. Das Originalzitat von Lovaas:

        https://listserv.uhd.edu/cgi-bin/wa?A3=ind1210&L=HOBA&E=base64&P=18024538&B=–Apple-Mail%3D_5D1A266F-6B20-4948-8E81-CDE4C7D081B4&T=application%2Fpdf;%20name=%22Lovaas%20Ivar%2074%20interview%20Psychology%20Today.pdf%22&N=Lovaas%20Ivar%2074%20interview%20Psychology%20Today.pdf

        „„You have a person in the physical sense — they have hair, a nose and a mouth — but they are not people in the psychological sense. One way to look at the job of helping autistic kids is to see it as a matter of constructing a person. You have the raw materials, but l you have to build the person.“
        O. Ivar Lovaas“

        Wie Eltern es sehen, wurde in einem „Ratgeber“ veröffentlicht, welchen ich zwecks Recherche gelesen habe.

        https://autismuskeepcalmandcaryon.wordpress.com/2016/12/03/aba-es-gibt-ratgeber-in-buchform-iii-die-elternsperpektive-kapitel-2/

        Und „keine Angst“ ABA soll lt. einigen Anbietern auch bei anderen Störungsbildern, u. a. ADS/ADHS eingesetzt werden.

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  3. Wer immer DAS liest und DENNOCH glaubt, ABA wäre etwas, um Kinder zu „behandeln“ sollte sofort das Sorgerecht verlieren. ABA ist pure Qual.

    Ja, ich weiß, dass ABA bei ADS eingesetzt werden soll. Mir wurde die Therapie mehrfach jetzt vorgeschlagen, einmal vom ehemaligen Hausarzt und einmal vom ehemaligen Therapeuten.

    Keyword „ehemalig“.

    Gefällt 3 Personen

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