ABA, es gibt „Ratgeber“ in Buchform III, die Elternperspektive Kapitel 2

„Kinder erfolgreich aufzuziehen …….“

alleine der Einstieg in das Kapitel fällt mir sehr schwer. Was bitte ist erfolgreich. Wer definiert erfolgreich. Welche Kriterien müssen dafür erfüllt sein……

ich les dann mal weiter und schau, was in dem 2. Kapitel noch so auf mich wartet. Hier und hier hatte ich ja schon etwas zu dem Buch gesagt, dessen Titel ist „Eltern als Therapeuten von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen, Selbstständigkeit fördern mit Applied Behaviour Analysis“.

„………wir ziehen unsere Kinder also groß, in dem wir Methoden einsetzen, die auf dem gesunden Menschenverstand………..
…….statt uns auf eine formale Ausbildung oder Anleitung zu verlassen“

Ich möchte explizit erwähnen, dass diese Kapitel von H. Johnston, B. Hanna, L. McKay und M O’Cahan verfasst wurde. Alles Eltern, die ABA im Alltag aus Elternsicht schildern.

„……..kompliziertere Aspekte bzgl der Entwicklung …….. brauchen wir etwas Verlässlicherleres als den bloßen guten Willen“

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Kurze Frage meinerseits, Eltern autistischer Kinder benötigen eine formale Ausbildung?

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„……. das Leben der Menschen in den Bereichen zu fördern, die aus Sicht der Betroffenen oder ihrer Sorgeberechtigten wichtig sind,……“

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nur dass die Betroffenen im Alter zwischen 2 und 5 Jahre (und auch später) niemand fragt, welche Bereiche ihnen wichtig wären. Also bleiben die Sorgeberechtigten bzw. später die Betreuer die, die die Bereiche festlegen.

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In Unterkapitel 2.1 „Was versteht man unter ABA“ wird die Geschichte von ABA nur kurz gestreift.

ABA = applied behaviour analysis
wörtlich übersetzt = angwandte Verhaltens-Analyse

Übersetzung durch die Eltern = praktisch (harte Arbeit) <->applied, etwas verstehen wollen <-> Analyse, tun <-> Behaviour

„…….kann Verhalten beobachtet werden ………….. gibt es manche Verhaltensweisen, die nicht direkt beobachtet werden können ……….. diese ereignen sich (…Gefühle … Gedanken …) … im Inneren der Person……..
auch solche Verhaltensweisen können anaysiert und – falls nötig – verändert werden ………“

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Ich bin sprachlos. Gedanken und Gefühle können analysiert und verändert werden

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Unterkapitel 2.2 „Wie sieht die Behaviour Analysis Autismus“

Es beginnt damit, wie (zum Teil sehr unsensibel) diese Eltern von Ärzten über Autismus aufgeklärt wurden.

„……Der Begriff >Autismus< als solcher aber erkläre nicht. Er sollte eher als eine Art Etikett angesehen werden, sozusagen als eine umfassende Bezeichnung, die angebe, wie sich mein Kind wahrscheinlich verhalten werde……….“

Es fallen die Worte Verhaltensexzesse und Verhaltensdefizite.

„….. bestimmte Aspekte seines Verhaltens ….. die ich gerne reduzieren würde …… selbststimmulierendes Verhalten ………….
Andererseits Verhaltensweisen ………. häufiger, stärker und konsistenter gesehen hätte ……. Einsetzen der Sprache zur Kommunikation….“

Unterkapitel 2.3 „Was sind die Ziele der Behaviour Analysis“

Der Unterschied zwischen Psychologie und ABA wird angerissen.

„…… Im Gegensatz dazu hat ABA Verfahren entwickelt, die genau darauf ausgerichtet sind, individuelle Unterschiede im Verhalten zu messen. ………“

“ …… maßgeschneiderte Behandlungsprogramme ……..“

“ ……. wenn Verhalten sich ändern soll (d. h. Therapie stattfindet) ……. „

„…. zentraler Bestandteil ….. passende Lernumgebung …….
Akzeptanz des jeweiligen Individuums ……
Akzeptanz darf nicht verwechselt werden mit einem Verzicht darauf, weiterzukommen und auszuloten, wozu ein Individuum in der Lage ist …….“

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Das autistische Kind wird auf ein Individuum reduziert.

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Unterkapitel 2.4 „Warum nutze ich ABA für mein Kind?“

„…… auch habe ich mehr Kontrolle ….
In der Vergangenheit war Jack derjenige, der in vielen Situationen die Kontrolle hatte ……..“

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Das Einnehmen von Blickkontakt und spontane Kommunikation sowie soziale Interaktion wird als selbstverständliche Verhaltensweise vorausgesetzt und (wenn nicht vorhanden) als therapeutisches Ziel angesehen.

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Unterkapitel 2.5 „Wie wende ich die Behaviour Analysis an?“

Verhalten definieren

„Identifikation des Zielverhaltens (target behaviour)“

es wird also von den betreuenden Personen festgelegt, wie das Verhalten nach der Anwendung von ABA auszusehen hat.

Verhalten messen

es wird in einer Tabelle (zu Anfang der Intervention) über ca. 10 Tage in die ABC-Tabelle eingetragen, wann welches Verhalten in welcher Intensität auftritt.

Daten aufzeichnen

jedwede Aktion, Reaktion bzw. Verhalten wird festgehalten mit dem

ABC-Modell

A = antecedent / vorangehende Bedingung
B = behaviour / Verhalten
C = consequence / Konsequenz

es wird auch three-term contingency (funktionale Bedingungsanalyse) genannt. Diese Liste wird übrigens auch genutzt, um den Erfolg der Intervention zu dokumentieren. Sie wird zum ständigen Begleiter.

Das ausschlagebendste Intrument scheint (nach Lektüre des Buches) die nachfolgende Bedingung / Konsequenz (C) zu sein.
Der Begriff Verstärker fällt hier zum ersten Mal.

Art der Verstärkung

Als Positive Verstärkung werden

  • Lob
  • Umarmungen
  • und ähnliches

genannt.

Negative Verstärker

  • Dinge auslassen / weglassen die das Kind nicht gerne mag.

Das Weglassen wird als Vermeidungslernen (avoidance learning / escape learning) bezeichnet.

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Was hier allerdings als Verhalten, dass Eltern unabsichtlich negativ verstärken, vorgestellt wird, hat NICHTS mit Autismus zu tun.

Auch wird immer wieder von Wutanfällen gesprochen.

Kein Wort von Überforderung, von Overload, von Shutdown oder gar Meltdown.

Nein, immer wieder Wutanfälle.

Man geht also quasi davon aus, dass das Kind jedwedes Verhalten jederzeit steuern könnte.

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“ ………. Um die Verstärkung so effektiv wie möglich einzusetzen, muss sie genau terminiert sein ………..“

Es soll genau darauf geachtet werden, dass nur DAS Verhalten (Beispiel aus dem Buch) „Sprechen“ verstärkt wird „erwünschtes Verhalten“, was man erreichen wollte. Aber nicht das „ungewünschte Verhalten“ (Händeflattern = Selbststimmulation)

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Dass das Kind z. B. das selbststimmulierende Verhalten des Händeflatterns auslässt, wird als Zuwachs an Kompetenz erklärt.

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Typen von Verstärkern

Da wird in primäre und sekundäre Verstärker unterschieden.

Ein primärer Verstärker wird mit Süßigkeit oder einem geliebten Getränk beschrieben.
Sekundäre Verstärker sind lt. Buch abstrakter, wie zB. Lob, Aufmerksamkeit,  Umarmungen etc.
Diese würden durch Einsatz der primären Verstärker wirksamer und könnten diese später ablösen.

Beispiele von Verstärkern

Diese sind abhängig vom Kind.
Empfohlen wird, essbare Verstärker nur in Maßen einzusetzen und verstärkt soziale Verstärker zu nutzen.

Im Buch wird das Beispiel benutzt, dass das Kind gerne auf Gullydeckel tritt. Dies darf es aber nur, wenn es vorher eine Aufgabe im Rahmen des Zielvorhabens erfüllt hat (und dies wird dann in der Liste gemäß ABC-Modell eingetragen).

Auswahl und Festlegung von Verstärkern

„…… Erfassen Sie die verschiedenen Aktivitäten, die Ihr Kind am meisten mag……..“

„………. welches von beiden es bevorzugt nimmt. Dasjenige, dass es genommen hat, sollte besser als Verstärker funktionieren ………“

Regelmäßig soll die Wirksamkeit der Verstärker überprüft werden.

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Das Kind und alles was es mag, steht also unter stetiger Kontrolle. Und die Dinge, die es wirklich gerne mag oder macht, erhält es immer und nur, wenn es vorher funktioniert hat.
Es wird auch geraten, einige Verstärker für einige Zeit aus dem Lebensumfeld des Kindes zu entfernen. Sogar die Zeit des miteinander spielens wird als Verstärker genutzt.

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Verstärkung im Alltag: ein Beispiel

In dem genannten Beispiel wird dem Kind Berechnung quasi unterstellt.

Das Verhalten des Kindes und die (natürliche bzw. gesunde) Reaktion der Eltern (wir machen einen Spaß zu einer kindlichen Aktion bzw. Reaktion) werden klar gegliedert in

  • intermittierende Verstärkung
  • kontinuierliche Verstärkung

Also steht jeglicher Umgang miteinander immer unter Aufsicht. Alles wird genauestens beobachtet und interpretiert und nach dem ABC-Modell bewertet.

Gestaltung eines Lernprogramms (Intervention)

Verhalten, dass erreicht werden soll, wird in kleinste Schritte zerlegt.
Dazu ist oft die Unterstützung durch sogenannte „Prompts“ notwendig.

Ein solcher „Prompt“ kann eine körperliche Berührung sein. Der über die Zeit reduziert werden soll, was man als „fading“ (Ausschleichen) bezeichnet.
Es wird deutlich klar gemacht, dass es wichtig ist, die Fachbegriffe zu erlernen, da diese hilfreich seien.

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Wieder muss ich feststellen, dass das Zusammenleben mit dem autistischen Kind, auf eine mechanische bzw. instrumentelle Art dargestellt bzw. darauf reduziert wird.
Da jedwede Aktion der Eltern mit einem Fachbegriff belegt wird, und alles dokumentiert werden muss, lösen sich meines Erachtens die Eltern innerlich vom Kind.

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Gestaltung der Lernumgebung

Es wird ein Eins-zu-Eins Unterricht („discrete trials“) für den Anfang empfohlen, um die erforderten Verhaltensweisen so oft wie nötig wiederholen zu können.

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Die Empfehlung, dies in einem reizarmen Raum zu machen, kommt aber nicht aus der Überzeugung, damit dem Kind entgegen zu kommen, sondern um für eine ablenkungsfreie Umgebung zu sorgen.
Damit das Kind gar keine andere Möglichkeit hat, als mit dem „Lehrer“ zu arbeiten, weil es sich der Situation nicht entziehen kann.

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Trainingsbeginn

Am Beispiel, dass das definierte Zielverhalten (target behaviour) „Augenkontakt“ min. 2 Sekunden dauern sollte; wird erklärt wie die Eltern die Anweisungen formulieren müssen und ab wann sie diese erweiteren können. Am Anfang (so die Beschreibung im Buch) wurde das Gesicht des Kindes (wenn es die Aufforderung „schau mich an“) nicht befolgt hatte, in die Richtung des Auffordernden gedreht (Prompt). Schaute das Kind dann korrekt, erhielt es einen Verstärker (Lob oder eine Süßigkeit). Über die Dauer der Intervention konnte dann (nach der Beschreibung im Buch) zuerst der Prompt zurückgefahren und später der Verstärker auf Lob beschränkt werden.

Shaping

Dies bedeutet „Verhaltensformung“.

Verhaltensformung wird in diesem Absatz mit Erziehung (child rearing) bzw. Unterricht (education) in Verbindung gesetzt bzw. gleichgestellt.

Nur über die kleinschrittige Zerlegung von Aufgaben könne der Autist das Gesamte erfassen lernen.

Löschen von Verhalten

„……. Das Prinzip besteht darin, dass bislang verstärktes Verhalten nicht mehr verstärkt wird …….“

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Auf den ersten Blick und anhand der genannten Beispiele könnte man auf die Idee kommen, dass es sich nur um konsequentes Handeln der Eltern handeln würde.
Allerdings kann unter „zu löschendes Verhalten“ alles fallen. Und nicht nur der Wunsch sich stundenlang auf einem Bahnhof (welches im Buch genannt wird) aufzuhalten.
Da ja die Eltern bzw. der BA (behaviour analyst) die Zielvorgaben treffen.

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Generalisierung

Hier wird die Thematik, einmal erlerntes überall anzuwenden, angesprochen.
Dies wird als naturalistisches Lernen bezeichnet.

2.6 Zusammenfassung

“ ……… Es half uns, alltägliche Ereignisse als Möglichkeiten zu sehen, den zorizont unserer Kinder zu erweitern.“

 

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In diesem Kapitel kamen ausschließlich Eltern zu Wort.

In einem Buch, das 2015 zum ersten Mal in der deutschen Übersetzung vorliegt.

Also gehe ich davon aus, dass ich es (nach Lesart der vielen Verteidiger bzw. Anbieter) mit modernem ABA zu tun habe.

Ein Teil liest sich wie konsequente Erziehung.

Aber ist es das wirklich?

Ein Programm, dass in der Regel auf mindestens 20 Zeitstunden in der Woche, lieber aber 40 Zeitstunden angelegt ist und am allerbesten über die gesamte Wachzeit des Kindes ausgeführt werden soll?

Den Eltern wird suggeriert, dass NUR, wenn sie dies konsequent und immerzu durchführen, das autistische Kind überhaupt eine Chance hat. Das nur darüber z.B. der Besuch einer Regelschule überhaupt in Betracht kommt.

Supervision (wie so oft erklärt) wird in diesem Kapitel nur am Rande erwähnt, wie diese genau aussieht aber nicht erklärt.

Das bedeutet, dass die Eltern ein Manual (ABC-Modell) an die Hand bekommen und jegliches Verhalten des Kindes jederzeit protokollieren. Und anhand dessen Zielvorgaben treffen, die dann umgesetzt werden müssen/sollen.

Alles was das Kind mag, wird auf den Wert als Verstärker hin abschätzend betrachtet und dem Kind nur nach erfolgreicher Absolvierung einer Aufgabe zur Verfügung gestellt (über welchen Zeitraum, steht in diesem Kapitel nicht). Das es ihm meist vorher entzogen wurde kann man nur erahnen, aber was für einen Sinn würde ein jederzeit verfügbarer Verstärker ergeben?

Selbststimmulierendes Verhalten, wie z.B. Händeflattern (nur am Rande erwähnt) wird als nicht zu verstärkendes Verhalten genannt. Hierzu empfehle ich die Lektüre von „Quiet Hands„.

Das autistische Kind hat, auch aufgrund der Zeitintensität, keinerlei Zeit mehr einfach Kind zu sein. Dieses Recht wird durch die Zielvorgaben abgesprochen.
Da es ja jederzeit beobachtet wird und jederzeit und überall auf die Anweisungen hin zu funktionieren hat.

Ist dies nun wirklich noch mit normaler und konsequenter Erziehung gleichzusetzen?

 

Noch eine, für mich sehr entscheinde Frage

wo findet hier der Autismus des Kindes Berücksichtigung?

Ich lese von Verhalten, das identifiziert und verändert bzw. gelöscht werden muss. Aber nirgendwo wird die Perspektive des Kindes eingenommen oder gar erklärt, was dem autistischen Kind gut tut. Warum es Dinge tut. Was für Auswirkungen es für das Kind hat, Dinge zu unterdrücken.

Wo bleibt der Aspekt, dass man es NICHT mit einem renitenten, zu Wutausbrüchen neigenden Kind sondern mit einem Autisten, einer Autistin zu tun hat und viele Verhaltensweisen Gründe haben bzw. funktionaler Natur sind?

ABA, es gibt „Ratgeber“ in Buchform ………… II

Dann werde ich mich mal weiter mit diesem Buch (Kapitel 1.6 – 1.11) auseinandersetzen. Hier habe ich mich mit Kapitel 1.1 – 1.5 auseinandergesetzt.

Unter „Rechtsprechung und Verwaltungshandeln“ finden sich einige Tipps für diejenigen, die ABA über die Eingliederungshilfe durchsetzen wollen. Herr Röttgers bedauert allerdings, dass weder Autismus Deutschland noch einige Kostenträger sich eindeutig auf seine Seite schlagen. Er verweist erneut darauf, dass diese sich der evidenzbasierten Wissenschaftlichkeit verweigern würden.

Unter „Autismus im Jugend- und Erwachsenenalter“ widmet er sich denjenigen Autistinnen und Autisten, die nicht in den Genuss einer Förderung nach ABA gekommen sind.
Für jene empfiehlt er, dass in den Betreuungs- bzw. Heimeinrichtungen das Personal in „lernpsychologischen“ Wissen geschult werden; damit dort dann sich die Autonomie der Bewohner und die Betreuungsqualität verbessere. Dadurch könnten auch Fixierung und Sedierung oder die Nutzung von Auszeiträumen reduziert werden.

Was nichts anderes bedeutet, das ABA auf Lebenszeit angewendet werden sollte.

Dem gegenüber stellt er die Gruppe von Autistinnen und Autisten

„…(mit evidenzbasierter Förderung immer größer werdenden) Gruppe von Menschen mit ASS …“

die selbstständig leben.

Er verweist darauf, dass für diese Personengruppe weitergehende Hilfen über die Krankenkassen erreichbar wären. Zu ungenau wird allerdings dargestellt, welche Hilfen und Unterstützungen es im Gesamten gibt.

Kommen wir nun zum Kapitel „Autismus und Schulwahl“. Herr Röttgers verweist korrekt auf einige Problemfelder, unter anderem, dass Inklusion in Deutschland noch lange nicht einheitlich umgesetzt wird.
Er erwähnt die Möglichkeit des Schulbegleiters

„… Bei der Auswahl dieser Schulbegleiter muss man allerdings Geschick und Glück haben: Im Idealfall handelt es sich um eine langfristige Begleitung durch eine Person, die Erfahrungen mit lernpsychologisch fundierten Interventionen für ASS hat …“

Kurz wird ein Einblick in die Schullandschaft gewagt. Wobei die Förderschulen hervorgehoben werden.

Nun zum Kapitel „Nachteilsausgleich“. Es nimmt allerdings kaum Raum ein und ist zudem recht unvollständig.

Einige gute Ideen finden sich im Abschnitt „Autismus und Arbeitsmarkt“. Zurecht verweist Herr Röttgers darauf, dass hier in Deutschland noch viel zu tun ist. Etwas Verwunderung möchte ich darüber zum Ausdruck bringen, dass er nur Specialisterne erwähnt und Auticon außen vor lässt.

Die nun folgende Auflistung der in Deutschland vorhandenen Angebote zu ABA und AVT nimmt großen Raum ein. Wieder liegt der Fokus darauf, (hier am Beispiel Simple Steps einer Online-Lernplattform zur Behandlung von Autismus)

„… von PEAT entwickelt, um Eltern zu Experten für Autismus und für fundierte Interventionsstrategien auszubilden …“

Eltern zu schulen, therapeutisch auf ihre Kinder einzuwirken. Es wird erneut nachhaltig bedauert, dass es kaum ABA Angebote in den Autismus-Therapie-Zentren (ATZ) gäbe. Und wenn es solche Angebote gäbe, diese zu niederfrequent eingesetzt werden.

Zum besseren Verständnis, das Bremer Elterntraining (BET) geht von

hoch intensive Intervention (30-40 Std./Woche) einsetzen

aus. In einem Artikel zum BET aus 2012 sagte Ragna Cordes

„Das Kind soll das gelernte autistische Verhalten abtrainieren und neues Verhalten erlernen“

MIA ist ähnlich zeitintensiv. Beide Projekte finden sich in der Aufzählung.

Erstaunlich finde ich, dass im letzten Unterkapitel „…was können Sie als Eltern eines autistischen Kindes in Deutschland tun?“ aufgefordert wird

„Werden Sie zu Experten für Ihr Kind, werden Sie zu Experten für eine fundierte Autismusförderung“.

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Nun, es ist korrekt, dass Eltern die Experten für ihre Kinder sind. Auch richtig ist, dass Eltern viele hilfreiche Tipps an Lehrer und Lehrerinnen sowie betreuende Personen geben können.
Dem Rest dieser Aussage kann ich mich beim besten Willen nicht anschließen.
Es ist nicht die Aufgabe von Eltern, ihre Kinder zu therapieren.

Auch empfinde ich es als nicht zielführend, dass das autistische Kind praktisch überall und jederzeit mit ABA „behandelt“ werden soll. Und dies nicht nur in der Frühintervention, wie oft betont; sondern fortlaufend (siehe den Verweis auf Schulbegleitungen und Heimeinrichtungen).

Was ich im ersten Kapitel wirklich vermisse; es werden keinerlei Entlastungsmöglichkeiten für das autistische Kind genannt.

ABA, es gibt „Ratgeber“ in Buchform …. I

also hab ich mir eines dieser Exemplare gekauft.
Weil mir ja immer mal wieder vorgeworfen wird, dass ich mich nicht korrekt informiere.
Ich habe dieses Buch schon seit einiger Zeit hier und mehrfach darin gelesen.
Vor allem, weil es von einem glühenden Verfechter dieser „Therapie“ bzw. „Lerntheorie“ übersetzt wurde. Es ist sehr anstrengend, dieses Buch zu lesen. Und lässt mich an der grundsätzlichen Einstellung der Autoren gegenüber Menschen, hier im speziellen gegenüber Autisten und Autistinnen, zweifeln.

Aber erst einmal einige grundsätzliche Dinge, die man vorab wissen muss, wenn man sich mit ABA und der zugrunde liegenden Denkweise beschäftigen möchte.

Zu den Anfängen gehört John B. Watson der, von Iwan Petrowitsch Pawlow inspiriert, 1919 Experimente mit einem 8 Monate alten Kleinkind durchführte.
Heute wären solche Experimente strafbar!
B.F. Skinner erarbeitete die „operante Konditionierung„. Er übertrug seine durch Tierversuche gewonnenen Erkenntnisse und entwickelte die Verbal Behaviour. Welche von Noam Chomsky stark kritisiert wurde.
Ole Ivar Lovaas entwickelte dann die Applied Behaviour Analysis. Dies wird in diesem Artikel beschrieben.
Die Verfechter von ABA möchten diese gerne den Naturwissenschaften zuordnen.

Hier hatte ich schon einige Gedanken zu der Thematik veröffentlicht.

Nun zurück zu besagtem Buch/Ratgeber.
Der Titel: „Eltern als Therapeuten von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen“ Selbstständigkeit fördern mit Applied Behaviour Analysis.

Alleine dieser Titel widerspricht meiner Vorstellung von Elternschaft.
Ich habe vier Kinder, vier autistische Kinder!
Ich bin Mutter, nicht Therapeutin!
Der Titel hingegen suggeriert, dass Eltern autistischer Kinder mehr sein müssen.

Im Geleitwort wird ein Artikel der Belfast Telegraph benannt, wonach ein Junge namens Colin (Diagnose Asperger Syndrom) mit behavioralen (lernpsychologisch fundierte, verhaltenstherapeutische) Methoden therapiert wurde. Den Artikel selber habe ich leider nicht gefunden, verweise aber gerne auf diese Seite, wo er ebenfalls erwähnt wird.

Ich möchte an dieser Stelle besonders darauf hinweisen dass dieses Buch keine Unterschiede bzgl. der Formen/Ausprägung der Autismus Spektrum Störung mehr macht und dementsprechend ABA als „die“ Intervention bei Autismus ansieht.
Da dieses Buch detailreich und ausführlich ist, werde ich mich heute darauf beschränken, mich mit dem ersten Kapitel (1.1 – 1.5) auseinander zu setzen.
In diesem geht es um „den aktuellen Wissensstand und die Versorgungslandschaft bei Autismus-Spektrum-Störungen in Deutschland“.

Dieses Kapitel wurde von Hanns Rüdiger Röttgers und Schide Nedjat geschrieben.
Diese beiden Autoren verweisen auf die Evidenz von ABA.

„…der evidenzbasierten, lernpsychologischen Prinzipien, die der ABA zugrunde liegen, um damit Menschen mit ASS (AutismSpektrumStörungen) die bestmöglichen Chancen zu bieten…“

Zur Evidenz gibt es auf dem Blog realitätsfilter Interessantes zu lesen.

Es folgt eine Begriffsklärung zwischen ABA und AVT (Autismusspezifische Verhaltenstherapie) und es wird erwähnt, dass sich die AVT in Teilen der Methoden von ABA bedient.

Zu Recht weisen sie darauf hin, dass der BCaBA (Board Certified Assistent Behaviour Analyst), der BCBA (Board Certified Behaviour Analyst) und der BCBA-D (Board Certified Behaviour Analyst auf dem Niveau eines Doktorgrades) in Deutschland keine anerkannten Titel sind, weil sie nur Zertifikate einer privaten, ausländischen Fachgesellschaft sind. Dort können sich Interessierte auch den „Professional and Ethical Compliance Code“ ansehen

Nach deutschem Recht können diese in Deutschland nicht als Therapeuten auftreten, wenn sie nicht über weitere heilkundliche und in Deutschland anerkannte Qualifikationen verfügen.
Was wohl mit ein Grund ist, warum es so oft Lerntheorie genannt wird.

Die Darstellung von Autimus und die Gegenüberstellung der althergebrachten Begriffe frühkindlicher Autismus und Asperger-Syndrom ist gut verständlich und hat inhaltlich keine Schwächen.
Auch zu den Ursachen von Autismus (Kühlschrankmutter, Impfungen, Vitamin- bzw. Mikronährstoffmangel) vertreten die Autoren den klaren Standpunkt, dass es sich hierbei um haltlose Theorien handelt. Sie verweisen darauf, das Autismus auf eine neurobiologische Ursache zurückzuführen sei.

Sie verweisen darauf, dass Autisten große Probleme in den Bereichen
Theory of Mind
zentrale Kohärenz
exekutive Funktionen
haben.

Dies erscheint mir gleichermaßen richtig wie auch falsch.

Aleksander Knauerhase hat hierzu bereits 2014 ausführlich geschildert, wie es die Fachwelt wahrnimmt und wie es sich aus der Sicht eines Autisten darstellt.

Schade, dass die Autoren des ersten Kapitels unter anderem solche Aussagen nur als

„…theoretisch und philosophisch von großer Bedeutung und wirken pauschalisierenden Diskrimminierungen entgegen….“

wahrnehmen und zu dem Schluss kommen

„… dass die überwiegende Zahl autistischer Menschen mangels kommunikativer Möglichkeiten diese Theoriediskussion weder mitverfolgen noch von ihr praktisch profitieren können.“

Die Gedanken der Autoren zur Diagnostik sind erfreulich realitätsnah.
Im Kapitel zu „wirksamen und unwirksamen Interventionen“ allerdings finde ich es irritierend, dass die gestützte Kommunikation unter anderem in einem Atemzug mit Delfintherapie und Impfausleitung erwähnt wird. Dies wird meines Erachtens der Thematik in keinster Weise gerecht.

In dem Unterpunkt „Gesundheitlicher Verbraucherschutz im Bereich Autismus“ gehen die Autoren eindringlich darauf ein, dass ABA zur Zeit nicht von Jugendämtern bezahlt würde. Weil diese nicht über „das Wissen um eine wissenschaftliche Wirksamskeitsprüfung“ verfügen würden, da diese (im Gegensatz zu den Sozialämtern) nicht mit den Gesundheitsämtern zusammen arbeiten würden.
Als Begründung wird auf verschiedene Fälle hingewiesen, wo es zu Streitigkeiten mit dem Jugendamt in Münster kam.
Einmal ging es um Schulgebühren um einen Regelschulabschluss zu erreichen (wo die Eltern den Rechtsstreit gewannen). Ein andermal verweisen sie darauf, dass die Kosten für eine Therapie nach MIA nicht gezahlt würde, aber „bedenkenlos“ eine tanz- und spieltherapeutische Maßnahme genehmigt wurde. Auch wird nicht erwähnt, in wie weit Herr Röttgers Einfluss auf die Landesjugendämter Rheinland und Westfalen-Lippe nimmt, in dem er dort ABA anpreist.

Die Autoren versteigen sich sogar so weit, zu sagen, dass

„….Ergo- und Physiotherapie und allgemeine heilpädagogische Förderungen …….. trotz gutem Willens und aufopfernden Bemühens aller Beteiligten nicht dazu beitragen, dem autistischen Menschen tatsächlich in seinen besonderen Bedürfnissen zu kognitiver, kommunikativer und sozialer Entwicklung nützen und dessen Selbstständigkeit fördern….“

sie behaupten, dass es bei unspezifischen Angeboten zu

„……. Verharren in autistischen Stereotypien und eingeschränkten Interessen und Verhaltensweisen……“

kommt.
Sie sprechen von „verpassten Chancen“.
Und erwecken den Eindruck, dass wenn nicht ABA genutzt würde, die Eltern in „Resignation und Fatalismus“ enden würden und dann die Kinder zwangsläufig in Heimen untergebracht werden.

Korrekt stellen die Autoren die Zuordnung dar, bei welcher Diagnose welches Sozialgesetzbuch (SGB) Anwendung findet.
Sie kritisieren, dass es keine bundeseinheitlichen Standards für Therapie bei Autismus gibt und dass die ATZ (AutismusTherapieZentren) in großen Teilen zu unspezifisch und zu niederfrequent sind.
Eins der wenigen ATZ, dass gut wegkommt in der Betrachtung der Autoren, ist das ATZ Köln, was ABA anbietet.

Die im Buch erwähnten Qualitätskriterien bzgl. einer evidenzbasierten Intervention bei ASS lesen sich wie die Bibel der BCBA’s.

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Nun, ich habe Werbung erwartet. Das ABA als die einzig wahre Möglichkeit angepriesen wird, Autismus in den Griff zu bekommen.
Diese Erwartung wurde bis hierhin voll erfüllt.

Ich weiß, dass Herr Röttgers bereits seit langem versucht, ABA als „Die“ Therapieform schlechthin in Deutschland zu etablieren. Auch nachzulesen hier und hier.

Ich empfinde dies als sehr befremdlich, wie vorgegangen wird und jeder, der nicht seiner Meinung ist, bzw. nicht nach seinem Konzept arbeitet/arbeiten möchte, angegangen wird.

Da dies hier nur ein Einstieg in dieses komplexe Buch ist und die einzelnen Kapitel eine Betrachtung verdienen möchte ich hier noch kein abschließendes Wort finden.

Aber ich möchte mein großes Unbehagen zum Ausdruck bringen, welches bereits die ersten Unterkapitel erzeugen.

Vermitteln diese doch schon, dass jeder der ABA nicht ernst nimmt und anwendet bzw. finanziert, die autistischen Kinder quasi verwahrlosen lässt.