Corona, ist nun für AutistInnen alles einfacher?

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass ja.

Aber reell betrachtet, NEIN.

Weil, jede/e AutistIn lebt ein anderes Leben.

Oh Wunder.

Ja, es gibt Dinge die nun leichter sind.
Das Händeschütteln fällt weg, manche schriftlichen Kommunikationswege beginnen sich fester zu etablieren, es herrscht in einigen Bereichen nun mehr Ruhe und der tägliche Spießroutenlauf der sozialen Kommunikation ist auf ein Minimum reduziert.

Aber es fallen auch viele Strukturen und Routinen weg.
Bei einigen gibt es Probleme bzgl. Nahrungsmitteln die nun kaum oder nur in kleinen Mengen zu bekommen sind und die Umstellung auf andere, erreichbare Nahrungsmitteln ist problematisch. Weiterlesen „Corona, ist nun für AutistInnen alles einfacher?“

Wertschätzung der Menschen aus sozialen Berufen – was nach meiner Erfahrung damit gemeint ist


bzw was die ewige Forderung danach nach meinem Empfinden ausdrückt.

Wertschätzung, das Schlagwort schlechthin, mit dem die Stimme des Gegenübers abgewertet wird.
Mit der ewigen Forderung Menschen mehr wertschätzen zu sollen wird sachliche Kritik an einer ausgeführten Arbeit direkt auf die persönliche Ebene gezogen.
Menschen in sozialen Berufen sehen Kritik an ihrer Arbeit / einzelnen Taten sofort als Kritik an ihrer Person.

Warum das so ist?
Ich kann es mir nicht erklären.

Gehen Sozialpädagogen, Lehrkräfte, Erzieher, Heilerziehungspfleger und andere eigentlich grundsätzlich davon aus, dass nur sie wissen wie man zum Beispiel ein autistisches Kind erzieht und fördert?

Denken diese wirklich, dass durch eine abgeschlossene Ausbildung / ein abgeschlossenes Studium, was oft nur in kleinen Teilen Autismus behandelt, sie genau wüssten was autistische Kinder benötigen und was ihnen hilft?

Bei mir ist so oft der Eindruck entstanden, dass man uns Eltern behinderter Kinder, vor allem autistischer Kinder, erstmal unseren Platz zeigen und uns die Welt erklären müsste.

Wir werden mit Eltern, die ihre Kinder verwahrlosen lassen und sie zT sogar misshandeln auf eine Stufe gestellt.

Gerade Jugendämter haben ein enormes Problem damit, Familien die Eingliederungshilfe (SGB VIII §35a) beantragen NICHT nach den Maßstäben von Hilfe zur Erziehung (SGB VIII §27) gleichzusetzen und danach abzuurteilen.

Autismus wird zum Erziehungsproblem deklariert.
Viele Maßnahmen zielen darauf ab, das Kind von außen zu erziehen und zu formen.
Eltern bekommen eine SPFH (Sozialpädagogische Familienhilfe) aufgedrückt um organisierter mit dem autistischen Kind umzugehen.

Auch Therapeuten wollen gerne systemisch die Eltern auf Kurs bringen.
Aber selten wirklich so, dass der Umgang mit dem Kind erleichtert wird und mehr auf die Bedürfnisse des Kindes geachtet wird, sondern mehr in die Richtung, dass mehr auf das Außen gehört werden muss.

Gerne wird Eltern auch unterstellt, dass sie Gesetze falsch lesen würden und dementsprechend falsche Erwartungen an das Hilfesystem haben.

Uns wird unterstellt, dass wir die Belastung der Helfenden weder kennen noch sehen würden.

Nur, als Gegenpol dürfen wir die familiäre Belastung nicht erwähnen.
Tun wir es unvorsichtigerweise doch, dann wird sofort wieder darüber nachgedacht was WIR falsch machen.

Von uns wird Dankbarkeit und Kooperationsbereitschaft eingefordert

Wertschätzung ist nach meinem Empfinden nur eine weitere Vokabel um uns Eltern zu gängeln.

Wertschätzung ist verbunden mit Respekt, Wohlwollen und drückt sich aus in Zugewandtheit, Interesse, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit. „Er erfreute sich allgemein hoher Wertschätzung“ meint umgangssprachlich: Er ist geachtet/respektiert.

Da steht übrigens nichts davon, dass man die Arbeit einer wertgeschätzten Person nicht kritisieren dürfe.

Meine Eltern, die ich wirklich sehr geschätzt habe, habe ich auch kritisiert.
Klare Worte und sachliche Kritik dienen meines Erachtens dazu, Situationen von allen Seiten zu beleuchten um neue Wege FÜR DAS KIND zu finden.

Und bei uns geht es um mein Kind.
Dieses benötigt Unterstützung.
Denn es funktioniert nicht nach Schema F oder Plan a, b oder c.

Es braucht Abwandlungen.
Zielvorgaben müssen auch schon mal über Umwege erreicht werden.

Wege ergeben sich durch gute Zusammenarbeit und Hinweise sowie durch Kritik.

Ansonsten wird dem Kind ein Weg auferlegt, der aus einem riesigen Gebirge wie dem Himalaya besteht und den es ohne Sauerstoffgerät bewältigen soll.
Und wie schwierig eine Himalayabesteigung ist, dürfte jedem klar sein.

Was ein Schulbegleiter tun kann und meines Erachtens tun sollte!

Lösungen suchen und diese in Schule etablieren!

Was tun denn wir Eltern täglich, wenn wir die Hausaufgaben unserer autistischen Kinder begleiten?
Wir suchen Lösungen.

Wir sehen wo was schwierig ist und versuchen eine andere Herangehensweise beim Kind zu etablieren, damit das Kind sich um das Eigentliche – das Lernen – kümmern kann.

Beispiele aus dem Alltag: Weiterlesen „Was ein Schulbegleiter tun kann und meines Erachtens tun sollte!“

Messzahlen – der „Norm“ entsprechend – altersgerecht

Meine Gedanken zu „Normalität“ und „Störung“ sind schwierig in Worte zu fassen.
Als Mutter von vier autistischen Kindern, sehe ich zum einen die Verzögerungen in der Entwicklung von autistischen Kindern. Viele Dinge werden erst sehr viel später realisiert und „eingeplant“ als es bei „norm“alen Kindern der Fall ist.
Die Norm wird im besten Fall ja definiert durch die Mehrheit in der Masse.
Störung hat in soweit als Begriff eine Berechtigung.

Es gibt diverseste Möglichkeiten die Entwicklung nach Lebensalter zu bemessen.
Ob das immer sinnvoll ist, ich denke nein.
Denn es wird nach einem Wert X geschaut, ob dieser „Meilenstein“ bereits erreicht wurde.
Wo aber zB ein Wert massiv überschritten wurde, wird nicht überprüft.

So war die Sprachentwicklung gerade bei meinen Jungs anders, als im allgemeinen zu beobachten ist.

Aktive Sprache, trat erst nach dem dritten Lebensjahr ein. Beide Jungs begannen erst mit 3,5 bzw. 4 Jahren zu sprechen.
Dafür aber, vor allem der Älteste, nicht mit einzelnen Wörtern oder Zweiwortsätzen, sondern direkt mit einer sehr gewählten Ausdrucksweise und zum Teil hochverschachtelten Sätzen.
Er hat bis dahin alles an Worten in sich aufgesogen wie ein Schwamm und gespeichert.
Manchmal hatte ich den Eindruck, dass er einfach keine Notwendigkeit sah, sich verbal äußern zu müssen.
Der Jüngste hingegen entwickelte eine Art eigene Sprache, wobei gleiche „Wortzusammenstellungen“ je nach Betonung etwas anderes ausdrücken konnten.
Aber auch er hatte, als er dann endlich „korrekt“ sprach, einen sehr ausgeprägten Wortschatz.
Die Mädchen hatten ein deutliches Interesse für komplizierte Worte mit mehreren Silben statt sich mit „gewöhnlichen“ zweisilbigen Dingen wie Mama oder Dudu und Papa zu beschäftigen.

Zu den regelhaften Untersuchungen der U7, U7a, und U8 war dies aber weniger von Interesse.
Da gab es keinen Zusatzpunkt für „Entwicklung an Punkt X weit vor dem Alter“, sondern nur die Punkte „nicht altersgerecht entwickelt“.
Oder, was später die Diagnostik zu Autismus erschwerte, ein GoodWill-Kreuzchen für „altersgerecht“, weil der Arzt durchaus sah, dass an anderer Stelle eine deutliche Entwicklung über der Norm vorhanden war.

Ich kann selbstverständlich nur aus meiner Beobachtung mit meinen vier Kindern beschreiben. Ich bitte das nicht zu vergessen.

Was man aus gutem Grund nicht unterschätzen darf, wie die Umstände und Abläufe innerhalb einer Familiensystematik sich gestalten, wenn man über Auffälligkeiten beim Kind nachdenkt.
Wenn bereits ältere Kinder im Haus sind, und man diverseste Kontrolluntersuchungen bereits mit den Geschwisterkindern absolviert hat, wird der Blick der Eltern durchaus schärfer als beim ersten Kind.
Was aber auch richtig ist, mit einem autistischen Kind als Erstgeborenen hat man im Zweifel nicht ganz so viele Termine zu absolvieren, die den Tagesablauf stören, es ist einfach mehr Zeit vorhanden sich „mehr“ zu kümmern. Das Kümmern ist konzentrierter.
Entsprechend kann es für ein jüngeres autistisches Geschwister anstrengender sein, als für das erstgeborene Kind, weil einiges eher „nebenher“ passiert.

Nochmal zurück zur Sprachentwicklung, bei meinen Kindern hat zum Beispiel das laufen lernen sehr früh eingesetzt und auch die Zähne kamen sehr früh. Dementsprechend gehe ich davon aus, dass meine Kinder sehr viel zu verarbeiten und zu ritualisieren hatten. Unser Jüngster lief beispielsweise mit 9 Monaten schon relativ sicher durch die Wohnung, der Älteste mit 11 Monaten.  Es fühlt sich immer noch so an, dass sie „keine Zeit“ hatten, sich zeitgleich intensiv mit anderen Dingen zu beschäftigen.

Die soziale Komponente von Sprache und Verhaltensweisen sind meines Erachstens viel schwieriger messbar wie zB motorische Fähigkeiten (Feinmotorik: zeichnen zwischen zwei Linien, Grobmotorik: auf einer Linie laufen, auf einem Bein springen). Kann man hier den Zehenspitzengang zB sehr gut und schnell sehen, oder auch Koordinierungsprobleme beim Abschreiten einer Linie oder beim Zeichnen, so ist man bei der sozialen Komponente stark auf die Beschreibung der Eltern angewiesen.
Je früher eine Fremdeinschätzung vorliegt, die über einen längeren Zeitraum erfolgt (zB Tagesmutter oder ErzieherInnen in einer Kita/einem Kiga) fallen einige Dinge schneller auf.

Allerdings wird dann leider auch vieles überinterpretiert und es gibt weniger Vertrauensvorschuss, wenn bereits ganz früh zu viel gemessen wird.

Ein gutes Auge aufs Kind zu haben ist wichtig, auch von Außen.
Das Kind muss in seiner Gesamtheit gesehen werden.

Ich finde die Erwartungshaltung, dass alle Kinder zu gleichen Zeitpunkten alles gemäß Raster der Normwerte erfüllen, schon sehr seltsam.

Trockenwerden ist so ein Beispiel.
Es gab in meiner Kindheit so ne Art Wettbewerb, wer sein Kind früher trocken bekam.
Eine Bekannte meiner Mutter erklärte frei heraus, dass sie ihren Sohn damals Ende der 60er Jahre am Tischbein angebunden hatte und erst runter durfte, wenn er sein Geschäft erledigt hatte – mit 18 Monaten.

Da damals die meisten die Wäsche noch mit der Hand wuschen und Wegwerfwindeln noch ein teurer Luxus und schon gar nicht mit dem vergleichen was es heute gibt, ist das Ansinnen das Kind früh trocken zu bekommen in Ansätzen verständlich.
Aber wirklich nur in Ansätzen.

Wie man hier nachlesen kann gibt es immer noch die Idee, dass Kinder schon mit 16,5~18 Monaten trocken werden könnten.
Gott sei dank gibt es auch andere Seiten wie diese hier.

Das Wichtigste, was dort zu lesen ist

Das Trocken- und Sauberwerden lässt sich nicht erzwingen: Kinder werden in ganz unterschiedlichem Alter trocken und sauber.

Auch die Altersangaben liegen dankenswerter Weise zwischen drei bis sechs Jahren.

Trotzdem ist die Frage nach dem Trockenwerden in der Diagnostik zu Autismus immer da.

Und auch das Umfeld interessiert sich sehr dafür.

Dementsprechend sind auch heute noch viele Eltern extrem bemüht, dass dies kein auffälliger Punkt in der Entwicklung ist.

Bei einem autistischen Kind kann allerdings zu viel Druck in die Richtung alle Bemühungen an dem Punkt ins Gegenteil umschlagen lassen.

Was ich wichtig finde liebe Eltern,

  • schreibt Euch Entwicklungsschritte auf um zu sehen was Euer Kind schon alles tut und macht

und gebt Euren Kindern Raum für die Entwicklung.

Nur weil etwas später kommt und ihr es noch nicht sehen könnte,  heißt das nicht dass es niemals kommen wird oder nur unter hohem therapeutischen Einsatz.

Gastbeitrag: Vom „Anderssein“ und den anderen, die anders sind

von „Das autistische Chamäleon“
(ich wurde gebeten hier keinen Link zu setzen, um die Anonymität zu sichern)

Ich bin Autist. Dies äußert sich bei mir, neben unzähligen anderen Dingen, gelegentlich auch in Form einer „naiven Offenherzigkeit“ gegenüber Menschen, die ich mag (oder zumindest schätze). Es ist Teil meiner Persönlichkeit und meiner Behinderung zugleich; und nichts, wofür ich mich schämen SOLLTE. Denn es gehört zu der Art, wie ich (selektiv!) kommuniziere: offen, fragend, aufrichtig – gelegentlich auch besorgt – und dabei doch stets um den richtigen „Takt“ bemüht. Aber leider empfinden manche Menschen als anstrengend (oder gar störend), was sie in Wahrheit als höchste „Auszeichnung“ betrachten sollten, die ihnen von mir zuteil werden kann: mein echtes Interesse an ihnen als Mensch.

Doch dass dies leider nur die Allerwenigsten verstehen, ist mir überdeutlich bewusst. Denn ich habe es im Laufe der letzten 38 Jahre auf die harte Tour lernen müssen. Tatsächlich wurde und wird es mir immer wieder „an den Kopf geworfen“ (Redewendung), so lange ich zurückdenken kann. Und doch kommt es für mich jedes einzelne Mal wieder aus dem Nichts, wie ein Hammer. Weiterlesen „Gastbeitrag: Vom „Anderssein“ und den anderen, die anders sind“

Was Mobbing anrichtet und wie schwerwiegend die Folgen sind

Das hier wird keine wissenschaftliche Abhandlung. Wie auch, ich bin ja nur die Mutter von vier autistischen Kindern.

Mobbing begleitet mich seit dem ich klein war.
Nun bin ich aber in einer Generation groß geworden, als wehren noch nicht verpönt war.
Also nicht so verpönt, dass wehren pathologisiert wurde, sobald Erwachsene davon Wind bekamen.
Im besten Fall wurde die Situation des Mobbings betrachtet und es gab ne Ansage in Richtung der Mobber, im nicht so guten Fall wurde über das wehren hinweg gesehen.
So gesehen hatte ich wohl Glück und bin nur hart geworden, damit äußere Verletzungen mich nicht mehr sichtbar treffen.
Zynismus und direkte Antwort schützen.
Es ist aber ein Trugschluss, dass dies eine gute Erscheinung wäre.
Denn es bedeutet auch, dass man immer auf der Hut ist.
Das dies besonders gesund wäre, kann ich nun nicht behaupten.

Aufgrund dieser Erfahrungen war ich natürlich besonders alarmiert, als sich Mobbing im Kleinen bei unserem Ältesten sich bereits im Kindergarten zeigte. Dort war man leider nicht besonders empfänglich für den Gedanken, dass dort bereits Kleinkinder erlerntes Verhalten aus dem Elternhaus so auslebten.
Es wurde halbherzig dagegen agiert, aber es tat sich wenigstens etwas.

Auch in der Grundschule hatte er immer wieder damit zu tun, dass MitschülerInnen sich an seinen Eigenarten „störten“ und dies nutzten ihn anzugreifen.
Aber auch hier schritt die Lehrkraft ein. Zwar bezog sie nie die anderen Eltern mit ein um auch von dort auf die Kinder einzuwirken, aber sie tat etwas.
Später erfuhr ich allerdings, dass sie sich schon despektierlich mit anderen Eltern über unseren Sohn unterhielt, schließlich verhielte er sich komisch.
Wie hätte sie denn da auch Einfluss nehmen können. Forcierte sie doch so, dass die Eltern (die meisten machen so was ja am Abendbrottisch vor den Kindern) sich über den komischen Mitschüler unterhielten.
Und glaubt mir, ein Ausdruck zu einem Eindruck, dem nicht widersprochen wird setzt sich schnell in Kinderhirnen fest und überträgt sich dann auf den Pausenhof.

Mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule wurde es schnell unerträglich.

Zwar hatten wir nur wenige alte Klassenkameraden an der neuen Schule, aber unser Sohn war immer noch „komisch“.
Mobbing war in der 5-zügigen Stufe stark verbreitet, am schlimmsten allerdings in der Klasse des Großen.
Und die Lehrkräfte hatten kein Interesse daran dieses abzustellen.
Bei ihnen herrschte die Meinung vor, dass die Kinder mit Einstieg in die 5. Klasse nun wirklich alt genug wären, ihre „Streitigkeiten“ selber zu lösen.

Sie verweigerten egal wem Hilfe.

Selbst als die Elternratsvertreter für eine Vielzahl von SchülerInnen vorstellig wurden hieß es lapidar „Mobbing gibt es an unserer Schule nicht“.

Das Lehrkräfte nicht immer sehen (wollen) das auch ihr Verhalten zu Mobbing anstiftet ist in diesem Text gut beschrieben.

Jeden Tag werden Myriaden an Schülern vor versammelter Mannschaft beschimpft, kritisiert, lächerlich gemacht, angeschrien, definiert, manipuliert, bloßgestellt, abgewertet, schuldig gesprochen, zum Abschuss freigegeben, kategorisiert, verglichen, abgestempelt, bedroht, ermahnt, bestraft, gezwungen, verängstigt, mit komplett sinnlosen Strafarbeiten zugemüllt, auf „stille Stühle“ gesetzt, in „Trainingsräume“ geschickt und mit einem Lächeln für „vogelfrei“ erklärt. Sie werden gemobbt!

Ab Klasse 6 wurden wir im Gegenteil dazu gedrängelt zu schauen, warum unser Sohn so komisch wäre. Schließlich würde er dadurch ja die MitschülerInnen dazu animieren ihn zu hänseln.
Und er müsse sich ändern, dann würde die Hänselei auch aufhören.

Und so begann vor 11 Jahren mit einer Elternberatungsstelle unser Weg zur Diagnose.

Was wir beim Ältesten währenddessen und danach, auch bei den Geschwistern, immer wieder hatten war Mobbing.
Nur beim Jüngsten hatten wir bisher Glück.

Und Lehrkräfte, die dem Problem hilflos gegenüber standen.

Die einen negierten das Problem.
Andere schoben immer noch das Problem meinen Kindern zu.
Denn ja, das Mobbing sprang auch auf die Geschwister über, denn sie hatten Geschwisterkinder und/oder Freunde, aus der Klasse des Ältesten.
Wieder andere probierten irgendwelche Methoden aus, ohne entsprechende Schulungen gehabt zu haben.

Übrigens, nur als Zwischeninfo, Mobbing löst sich nicht nach einer einmaligen Intervention auf.

Hach ja, wir haben einiges durch.

Die Schäden, die dadurch entstanden sind, tragen meine Kinder ihr lebenlang mit sich.

Hier beschreibt eine Autistin, wie sie Mobbing erlebt hat.

Meine Schulzeit ist viele Jahre her, aber die Auswirkungen sind bis heute geblieben. Bedingt durch meine autistischen Schwierigkeiten hatte ich schon immer wenig Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, aber der letzte Rest davon wurde mir als Jugendliche auch noch aus der Seele gepresst. Es dauerte nur wenige Augenblicke das Selbstwertgefühl zu zerstören, aber viele Jahre um es wieder aufzubauen.

Dem kann ich mich nur anschließen.

Ich sehe bei meinen Kindern, dass die Folgen gravierend sind.

Das Mobbing hat beim Großen ein Trauma und eine immer wieder kehrende Depression „erzeugt“.
Und auch die Geschwister sind da nicht schadlos geblieben.
Es kostet ihn und sie so unglaublich viel Kraft und Nerven.
Jeder dumme Spruch zieht runter. Und reales, neu aufkeimendes Mobbing reißt Wunden auf.

Nun ist die Traumaforschung und vor allem die Therapie von Trauma bei AutistInnen bis jetzt nur ein Randthema.

Ich hoffe sehr, dass die Forschung von Prof. Elbing schnell voran schreitet und sich bald Wissen dazu bildet, wie man Trauma bei AutistInnen behandeln kann.
Denn Autismus macht eine etwaige Therapie nicht einfacher.
Bzw., einfache Lösungen taugen nicht.

Hier muss noch individueller gedacht und gehandelt werden.

Denn es besteht Handlungsbedarf und es braucht gute Therapiestellen.

Und es braucht endlich Akzeptanz dafür, dass Mobbing kein Kavaliersdelikt ist.

Ob nun der gemobbte Autist ist, oder nicht.

Mobbing ist schädlich.

Ich möchte hier unbedingt noch eine wichtiges und gutes Buch zum Thema Mobbing empfehlen.

Francoise Alsaker „Mutig gegen Mobbing“

Das Buch soll Mut machen: denn der Umgang mit Mobbing ist keine Zauberkunst. Wenn man bereit ist, eigene Vorstellungen zu überdenken, Handlungsmuster zu ändern und miteinander über unangenehme Themen zu reden, dann kann mit etwas Mut viel erreicht werden.

Update 03.12.19

Ich möchte hier noch auf zwei lesenswerte Artikel von Patricia Cammarata, besser bekannt als „dasNuf“ hinweisen.

Let’s Talk – Cyber-Mobbing Teil 1

Wann immer sie sich in schulischen Konfliktsituationen an ihre Erzieherinnen gewendet haben, wurden sie mit den Worten „Jetzt sei doch nicht so eine Petze und klär’ das selbst” weggeschickt. Eine unmögliche Ansage, auf die wir als Eltern dringend aufmerksam machen sollten, und zwar im persönlichen Gespräch mit dem/der jeweiligen Erzieher*in bzw. Lehrer*in.

Dem Rat möchte ich mich unbedingt anschließen.

Let’s Talk – Cyber-Mobbing Teil 2

Die meisten Eltern sind natürlich total geschockt, wenn sich herausstellt, dass ihr Kind andere Kinder bedroht, belästigt oder anderweitig unter Druck setzt. Oft ist es ein Reflex von Eltern, vorgebrachte Vorwürfe zurückzuweisen. Darum mein Rat: Zu allererst tief durchatmen, die Gedanken ordnen und vor allem zuhören. Lasst euch so viele Details wie möglich schildern, bevor ihr das Gespräch mit eurem Kind sucht. Sorgt dafür, dass das Mobbing bzw. das sonstige Fehlverhalten umgehend stoppt und sich nicht wiederholt. Das hat höchste Priorität.

Noch etwas liebe Eltern, greift bitte nicht das Elter des gemobbten Kindes an, nur weil ihr Euch nicht vorstellen könnt, dass Euer Kind Täter sein könnte. Und bitte, schon gar nicht vor Eurem Kind oder dem gemobbten Kind.

Mobbing ist schädlich, auch für die Täter.

Es gilt die Situation aufzulösen.

Schuldzuweisungen unter Erwachsenen helfen niemandem.
Aber vor allem nicht den gemobbten / mobbenden Kindern und Jugendlichen.

Update 19.12.2019

Noch ein guter Text, der die Probleme im Nachhinein sehr gut erklärt.

Konflikte die man nicht lösen kann – Mobbing

Der Konflikt ist somit nicht auf der Seite des Opfers zu suchen und auch nicht dort zu lösen. Einfach? Jein: Das Opfer muß Schuldzuweisungen an sich ablehnen und Abgrenzung lernen, was aber meist zu spät ist, da diese Grenzen bereits erheblich verletzt wurden. Niemals darf man sagen, die gemobbte Person sei selbst schuld weil a, b, oder c – echte, sachbezogene Konflikte lassen sich unter vernünftigen Erwachsenen anders klären. Mobbing hat jedoch kein Sachbezug!

 

Sie müssen mal Pause machen …

  • Passen Sie bitte auf sich auf.
  • Sie werden noch gebraucht.
  • Wann finden Sie eigentlich Ruhe?

Wie ich heute darauf komme, wo ich den Spruch schon so oft gehört habe?
Ich habe diesen nachdenklichen Text gelesen.

Erst wollte ich dort antworten

Pause?
Gar nicht, bzw wenn ich mir aktiv eine Pause verordnete werde ich schlagartig so müde, dass ich Stunden schlafen würde.

Und genau das geht gar nicht.
Denn sofort klingelt das Telefon, oder die Uhr schreibt irgend etwas vor was unabdingbar genau zu diesem Termin erledigt werden muss.

Ist das gesund?
Nein.
Aber leider sehe ich derzeit keine Chance aus dem ganzen auszubrechen.
Mit meinen vier autistischen Kindern und dem Druck der dadurch von Außen auf uns ausgeübt wird, bleibt gar nichts anderes übrig als perfekter zu funktionieren wie egal wer anders.

Funktioniere ich mal einen Tag lang nicht….

Wenig später habe ich noch eine Mail gelesen, in der erklärt wurde, dass ich meine Sorge äußern würde über etwas unseren Jüngsten betreffend. Weiterlesen „Sie müssen mal Pause machen …“