Die Stimme eines autistischen (klein) Kindes:

Wir Eltern haben die verdammte Pflicht unseren Kindern sehr gut zuzuhören.

Auch und gerade und besonders.

„Sind so kleine Seelen
offen ganz und frei.
Darf man niemals quälen
gehn kaputt dabei.“

(Bettina Wegener – „Sind so kleine Hände…“)

melli´s kleines nähkästchen

„ Mama ich bin autist , Mama ich bin behindert , egal ob es dir gefällt oder nicht.

Ich bin autist und ich bin behindert , selbst wenn es mir nicht gefällt und ich mich manchmal anstrenge und Dinge tue die mir nicht gut tun , einfach aus dem Grund , weil ich es auch gerne könnte , wie die anderen Kinder !

Mama die anderen Kinder die haben unendlich viele Löffel , so scheint es mir und ich , ich habe weniger und die verteilen sich auch ganz anders !

Na klar als ich geboren wurde , hatte ich soviele Löffel wie jedes Neugeborene hat , aber weißt du Mama , ich bin jetzt schon drei und habe in den wenigen Jahren einige Löffel zerbrechen sehen !

Ich habe schon längst nicht mehr so viele wie andere , du musst gut auf mich und meine Löffel aufpassen , denn…

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Gastbeitrag: „Gesprochene Texte verstehen – die einfachste Sache der Welt(?)“

von Aspergianer

Aus Sicht eines Autisten mit einer auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung.
Es handelt sich um keine wissenschaftliche Abhandlung, nur um eine beschreibende Wahrnehmung und Sichtweise.

Einleitung

Die mündliche Kommunikation ist eine der grossen Errungenschaften der Menschheit. Wir nutzen sie tagtäglich und können mit ihr vieles ausdrücken.

Freude, Schmerz, Wissen, Erfahrungen, Meinungen, Empfindungen, ja sogar Gefühle lassen sich gut mit der gesprochenen Sprache transportieren.
Worte lassen sich so präzise verwenden wie ein Skalpell in der Hand eines Chirurgen, mit ihnen lassen sie präzise Beschreibungen formulieren. Worte können auch künstlerisch eingesetzt werden um so blumige bis poetische Texte zu verfassen, welche auch das Herz zu berühren vermögen.

Die Sprachmelodie transportiert in der gesprochenen Sprache noch Teile der nonverbalen Kommunikation und manchmal werden mit ihr mehr Informationen transportiert als mit der Sprache selbst. Die Mimik und Körpersprache bilden nebst der Sprachmelodie die nonverbalen Teile oder eben Sprache einer Kommunikation ab.

Menschen wachsen mit der Sprache auf, lernen und nutzen sie mit einer
Selbstverständlichkeit wie das Atmen.
Sie erfassen den Sinn der Worte automatisch und ohne gross  nachzudenken, kombinieren automatisch die verbale Sprache mit der nonverbalen Sprache und setzen die verschiedenen Kommunikationsarten automatisch zu einem Gesamtbild zusammen.
Es geschieht einfach.

Die einfachste Sache der Welt?

Für die meisten Menschen schon.
Für manche Menschen jedoch ist die verbale und/oder die nonverbale Kommunikation aus verschiedenen Gründen eine Herausforderung.

Alles Schall und Rauch?

Die Sprache wird mit der ausatmenden Luft in den Stimmbändern, der Stellung von Mundhöhle, Zunge und Zähnen erzeugt und verlässt den Mund als Produkt verschiedener sich überlagernden Schallwellen. Diese Schallwellen sind ein komplexes Konstrukt, welches es vom Empfänger zu entschlüsseln gilt, um den Inhalt verstehen zu können.

Vom Ohr bis zum Bewusstsein

Die Ohrmuschel bildet eine Art Trichter, um eintreffenden Schall einzufangen, zu konzentrieren und dem Trommelfell zuzuführen. Am Trommelfell ist einiges an Hardware in Form von kleinsten Gehörknöchelchen vorhanden, welche die mechanische Bewegung des Trommelfells über die Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel zum Mittelohr leiten. Das Mittelohr ist mit Luft gefüllt leitet die Schallwellen weiter an die knöcherne Hörschnecke, welche im Innern mit einer Flüssigkeit gefüllt ist.
Diese Flüssigkeit regt dünnste Haarsinneszellen an, welche die mechanischen Bewegungen der Flüssigkeit in elektrische Signale übersetzen.
Von dort aus wird es hochkomplex und das würde den Rahmen sprengen, wenn man auf alle Einzelheiten einginge.

Während der Verarbeitung der sich überlagernden Schallwellen trifft unser Gehirn lange, bevor die Schallwellen unser Bewusstsein erreichen Entscheidungen, von denen wir Menschen normalerweise nichts mitbekommen.
Es werden Unterscheidungen der Informationen selbst getroffen. Was sind wichtige Informationen? Was sind unwichtige Informationen? Welche Informationen signalisieren Gefahr und welche Informationen signalisieren eine sichere Umgebung?

Das Gehirn erledigt 24 Stunden nonstop diese wichtige Vorselektion, egal in welcher Situation wir uns auch befinden mögen.
Unwichtig eingestufte Informationen kann das Gehirn verwerfen oder „wegfiltern“ und erst gar nicht in unser Bewusstsein transportieren. Informationen, von denen unser Leben abhängen könnten werden auf einem „Sonderkanal“ ins Bewusstsein transportiert während
der Rest der „normal wichtigen“ Informationen den üblichen Transportweg nehmen.

Schwupps: ein gesprochener Text erscheint in unserem Bewusstsein, wird greif- und begreifbar und wir können darauf reagieren.

Das könnte ein schönes Ende für eine Beschreibung sein

Normalerweise wäre hier die Beschreibung zu Ende. Stimmbänder, Mundhöhle, Schall, Ohrmuschel, Trommelfell, Mittelohr, Hörschnecke, Vorverarbeitung durch das Gehirn, Information kommt im Verstand an.
Das wäre es gewesen, zumindest für die meisten Menschen.

Für manche Menschen ist hier nicht das Ende, sondern hier beginnt für sie erst die eigentliche Beschreibung. Weiterlesen „Gastbeitrag: „Gesprochene Texte verstehen – die einfachste Sache der Welt(?)““

Schulbegleiter sollen NICHT … Eltern dürfen NICHT … autistische Kinder müssen NICHT … – Tokensysteme sind Mist – ein Rant

 

Wie ich das obige gestern zum ersten Mal gelesen habe, hat mich kalte Wut gepackt.

Eine Schulbegleitung berichtet aus ihrem Arbeitsalltag mit einem autistischen Kind und gibt diese „Erfahrungswerte“ an Menschen weiter, die als Schulbegleiter arbeiten möchten.

Einfach so – mit einem fröhlichen und zufriedenem Smiley garniert.

Meine Wut darüber ist immer noch nicht verraucht und es fällt mir sehr schwer, ruhig darüber zu schreiben, was an diesem „Ratschlag“ alles falsch ist.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich über so etwas aufrege. Es kamen schon öfter solche Fragen wie „Sollte eine Schulbegleitung strafen?“ und anderes was mir die Zornesröte ins Gesicht getrieben hat.

Um es mal ganz platt zu sagen

eine Schulbegleitung soll NICHT

  • strafen
  • erziehen
  • therapieren
  • in das Eltern / Kind – Verhältnis eingreifen

Weiterlesen „Schulbegleiter sollen NICHT … Eltern dürfen NICHT … autistische Kinder müssen NICHT … – Tokensysteme sind Mist – ein Rant“

Für das Hilfesystem stehen wir immer parat … (ein Rant)

  • um uns neue Leute anzusehen
  • HPGs zu führen
  • Anträge zu stellen
  • Widersprüche zu schreiben
  • Telefonate zu führen
  • Kennenlern-Termine für das Kind/den Jugendlichen mit neuen Begleitern zu organisieren
  • usw. usf.

Die Bloggerin Butterblumenland schrieb Anfang der Ferien den Beitrag „Für die Schule leben wir“

seht meinen Blogbeitrag als Ergänzung. Weiterlesen „Für das Hilfesystem stehen wir immer parat … (ein Rant)“

Wenn Eltern von „Bullerbü“ träumen, weil sie es sich so sehr wünschen …

… und ihre Kinder einfach nicht in diesen Traum passen.

Das beginnt schon im Kleinen, wenn es um den Musikgeschmack oder Vorlieben für Sport geht.
Kinder haben ihren eigenen Kopf und machen die Dinge, die ihnen Spaß machen. Weil es ihre Interessen sind.

Ich möchte nicht wissen, wie oft die Eltern in den Bullerbü-Büchern gedacht haben „och nee, warum können die nicht einfach machen was wir wollen und für richtig erachten.

Ja, Eltern haben ein Bild von Familie im Kopf wenn sie Kinder bekommen. Ein Idealbild davon, wie sie es für sich erträumen. Im besten Fall eine grobe Wunschvorstellung die sich dann mit dem Kind entwickelt. Aber es gibt auch Eltern, die auch nach Jahren der Erfahrung mit ihrem Kind in ihrer Wunschvorstellung hängen bleiben und die sich über alles beschweren, was das Kind so anders macht, als sie es wünschen.

Weiterlesen „Wenn Eltern von „Bullerbü“ träumen, weil sie es sich so sehr wünschen …“

Therapie bei autistischen Kindern – Erwartungen der Eltern

Ich habe mich ja schon oft gefragt, warum Eltern allen möglichen Unsinn an „Therapien“ in Erwägung ziehen oder gar nutzen um ihren autistischen Kindern zu helfen.

Und ja, dass diese Eltern auch (je nach Therapieformat leider aber erstmal sich selbst) ihren Kindern helfen wollen stelle ich nicht in Abrede.

Über den Behandlungswahn hatte ich ja schon öfter geschrieben.
Und was es da nicht alles für Blödsinn gibt.
Mela Eckenfels hat dazu schon einige sehr interessante Beiträge geschrieben. Unter anderem in „Die hässliche Fratze der Alternativmedizin“ und  in diesem Vortrag „Goldesel“ hat sie die Mechanismen der Anbieter durchleuchtet. Weiterlesen „Therapie bei autistischen Kindern – Erwartungen der Eltern“

Studien zu Autismus und was damit bewirkt werden soll

Im deutschsprachigen Raum laufen derzeit Forschungen zu Autismus, die mich schaudern lassen.

Die beliebtesten Schlagworte in den Forschungsbeschreibungen heißen

Krankheit – Krankheitswert – Kosten/Nutzenrechnung – Ökonomie

Die einen streiten darüber, ob die derzeitigen Diagnosestandards zu weit gefasst sind, andere wollen über die Studien Therapien festschreiben.

Was mir und vielen anderen fehlt sind Studien, die beschreiben was AutistInnen hilft, wie ihr Schulplatz, ihre Ausbildungsstelle und ihr Arbeitsplatz barrierearm gestaltet werden kann und was ihnen hilft produktiv zu sein.

Im Gegenteil, ich finde so etwas.

Die Lebenszeitkosten eines Patienten mit einer Autismus-Spektrum-Störung werden für die USA auf etwa 3,2 Millionen US Dollar (2,3 Millionen Euro) geschätzt, wobei ein Großteil dieser Kosten auf Produktivitätsverlust und Betreuung entfällt.

So etwas habe ich vor etwa fünf Jahren schon einmal gelesen. Weiterlesen „Studien zu Autismus und was damit bewirkt werden soll“