Was ein Schulbegleiter tun kann und meines Erachtens tun sollte!

Lösungen suchen und diese in Schule etablieren!

Was tun denn wir Eltern täglich, wenn wir die Hausaufgaben unserer autistischen Kinder begleiten?
Wir suchen Lösungen.

Wir sehen wo was schwierig ist und versuchen eine andere Herangehensweise beim Kind zu etablieren, damit das Kind sich um das Eigentliche – das Lernen – kümmern kann.

Beispiele aus dem Alltag: Weiterlesen „Was ein Schulbegleiter tun kann und meines Erachtens tun sollte!“

Messzahlen – der „Norm“ entsprechend – altersgerecht

Meine Gedanken zu „Normalität“ und „Störung“ sind schwierig in Worte zu fassen.
Als Mutter von vier autistischen Kindern, sehe ich zum einen die Verzögerungen in der Entwicklung von autistischen Kindern. Viele Dinge werden erst sehr viel später realisiert und „eingeplant“ als es bei „norm“alen Kindern der Fall ist.
Die Norm wird im besten Fall ja definiert durch die Mehrheit in der Masse.
Störung hat in soweit als Begriff eine Berechtigung.

Es gibt diverseste Möglichkeiten die Entwicklung nach Lebensalter zu bemessen.
Ob das immer sinnvoll ist, ich denke nein.
Denn es wird nach einem Wert X geschaut, ob dieser „Meilenstein“ bereits erreicht wurde.
Wo aber zB ein Wert massiv überschritten wurde, wird nicht überprüft.

So war die Sprachentwicklung gerade bei meinen Jungs anders, als im allgemeinen zu beobachten ist.

Aktive Sprache, trat erst nach dem dritten Lebensjahr ein. Beide Jungs begannen erst mit 3,5 bzw. 4 Jahren zu sprechen.
Dafür aber, vor allem der Älteste, nicht mit einzelnen Wörtern oder Zweiwortsätzen, sondern direkt mit einer sehr gewählten Ausdrucksweise und zum Teil hochverschachtelten Sätzen.
Er hat bis dahin alles an Worten in sich aufgesogen wie ein Schwamm und gespeichert.
Manchmal hatte ich den Eindruck, dass er einfach keine Notwendigkeit sah, sich verbal äußern zu müssen.
Der Jüngste hingegen entwickelte eine Art eigene Sprache, wobei gleiche „Wortzusammenstellungen“ je nach Betonung etwas anderes ausdrücken konnten.
Aber auch er hatte, als er dann endlich „korrekt“ sprach, einen sehr ausgeprägten Wortschatz.
Die Mädchen hatten ein deutliches Interesse für komplizierte Worte mit mehreren Silben statt sich mit „gewöhnlichen“ zweisilbigen Dingen wie Mama oder Dudu und Papa zu beschäftigen.

Zu den regelhaften Untersuchungen der U7, U7a, und U8 war dies aber weniger von Interesse.
Da gab es keinen Zusatzpunkt für „Entwicklung an Punkt X weit vor dem Alter“, sondern nur die Punkte „nicht altersgerecht entwickelt“.
Oder, was später die Diagnostik zu Autismus erschwerte, ein GoodWill-Kreuzchen für „altersgerecht“, weil der Arzt durchaus sah, dass an anderer Stelle eine deutliche Entwicklung über der Norm vorhanden war.

Ich kann selbstverständlich nur aus meiner Beobachtung mit meinen vier Kindern beschreiben. Ich bitte das nicht zu vergessen.

Was man aus gutem Grund nicht unterschätzen darf, wie die Umstände und Abläufe innerhalb einer Familiensystematik sich gestalten, wenn man über Auffälligkeiten beim Kind nachdenkt.
Wenn bereits ältere Kinder im Haus sind, und man diverseste Kontrolluntersuchungen bereits mit den Geschwisterkindern absolviert hat, wird der Blick der Eltern durchaus schärfer als beim ersten Kind.
Was aber auch richtig ist, mit einem autistischen Kind als Erstgeborenen hat man im Zweifel nicht ganz so viele Termine zu absolvieren, die den Tagesablauf stören, es ist einfach mehr Zeit vorhanden sich „mehr“ zu kümmern. Das Kümmern ist konzentrierter.
Entsprechend kann es für ein jüngeres autistisches Geschwister anstrengender sein, als für das erstgeborene Kind, weil einiges eher „nebenher“ passiert.

Nochmal zurück zur Sprachentwicklung, bei meinen Kindern hat zum Beispiel das laufen lernen sehr früh eingesetzt und auch die Zähne kamen sehr früh. Dementsprechend gehe ich davon aus, dass meine Kinder sehr viel zu verarbeiten und zu ritualisieren hatten. Unser Jüngster lief beispielsweise mit 9 Monaten schon relativ sicher durch die Wohnung, der Älteste mit 11 Monaten.  Es fühlt sich immer noch so an, dass sie „keine Zeit“ hatten, sich zeitgleich intensiv mit anderen Dingen zu beschäftigen.

Die soziale Komponente von Sprache und Verhaltensweisen sind meines Erachstens viel schwieriger messbar wie zB motorische Fähigkeiten (Feinmotorik: zeichnen zwischen zwei Linien, Grobmotorik: auf einer Linie laufen, auf einem Bein springen). Kann man hier den Zehenspitzengang zB sehr gut und schnell sehen, oder auch Koordinierungsprobleme beim Abschreiten einer Linie oder beim Zeichnen, so ist man bei der sozialen Komponente stark auf die Beschreibung der Eltern angewiesen.
Je früher eine Fremdeinschätzung vorliegt, die über einen längeren Zeitraum erfolgt (zB Tagesmutter oder ErzieherInnen in einer Kita/einem Kiga) fallen einige Dinge schneller auf.

Allerdings wird dann leider auch vieles überinterpretiert und es gibt weniger Vertrauensvorschuss, wenn bereits ganz früh zu viel gemessen wird.

Ein gutes Auge aufs Kind zu haben ist wichtig, auch von Außen.
Das Kind muss in seiner Gesamtheit gesehen werden.

Ich finde die Erwartungshaltung, dass alle Kinder zu gleichen Zeitpunkten alles gemäß Raster der Normwerte erfüllen, schon sehr seltsam.

Trockenwerden ist so ein Beispiel.
Es gab in meiner Kindheit so ne Art Wettbewerb, wer sein Kind früher trocken bekam.
Eine Bekannte meiner Mutter erklärte frei heraus, dass sie ihren Sohn damals Ende der 60er Jahre am Tischbein angebunden hatte und erst runter durfte, wenn er sein Geschäft erledigt hatte – mit 18 Monaten.

Da damals die meisten die Wäsche noch mit der Hand wuschen und Wegwerfwindeln noch ein teurer Luxus und schon gar nicht mit dem vergleichen was es heute gibt, ist das Ansinnen das Kind früh trocken zu bekommen in Ansätzen verständlich.
Aber wirklich nur in Ansätzen.

Wie man hier nachlesen kann gibt es immer noch die Idee, dass Kinder schon mit 16,5~18 Monaten trocken werden könnten.
Gott sei dank gibt es auch andere Seiten wie diese hier.

Das Wichtigste, was dort zu lesen ist

Das Trocken- und Sauberwerden lässt sich nicht erzwingen: Kinder werden in ganz unterschiedlichem Alter trocken und sauber.

Auch die Altersangaben liegen dankenswerter Weise zwischen drei bis sechs Jahren.

Trotzdem ist die Frage nach dem Trockenwerden in der Diagnostik zu Autismus immer da.

Und auch das Umfeld interessiert sich sehr dafür.

Dementsprechend sind auch heute noch viele Eltern extrem bemüht, dass dies kein auffälliger Punkt in der Entwicklung ist.

Bei einem autistischen Kind kann allerdings zu viel Druck in die Richtung alle Bemühungen an dem Punkt ins Gegenteil umschlagen lassen.

Was ich wichtig finde liebe Eltern,

  • schreibt Euch Entwicklungsschritte auf um zu sehen was Euer Kind schon alles tut und macht

und gebt Euren Kindern Raum für die Entwicklung.

Nur weil etwas später kommt und ihr es noch nicht sehen könnte,  heißt das nicht dass es niemals kommen wird oder nur unter hohem therapeutischen Einsatz.

Gastbeitrag: Vom „Anderssein“ und den anderen, die anders sind

von „Das autistische Chamäleon“
(ich wurde gebeten hier keinen Link zu setzen, um die Anonymität zu sichern)

Ich bin Autist. Dies äußert sich bei mir, neben unzähligen anderen Dingen, gelegentlich auch in Form einer „naiven Offenherzigkeit“ gegenüber Menschen, die ich mag (oder zumindest schätze). Es ist Teil meiner Persönlichkeit und meiner Behinderung zugleich; und nichts, wofür ich mich schämen SOLLTE. Denn es gehört zu der Art, wie ich (selektiv!) kommuniziere: offen, fragend, aufrichtig – gelegentlich auch besorgt – und dabei doch stets um den richtigen „Takt“ bemüht. Aber leider empfinden manche Menschen als anstrengend (oder gar störend), was sie in Wahrheit als höchste „Auszeichnung“ betrachten sollten, die ihnen von mir zuteil werden kann: mein echtes Interesse an ihnen als Mensch.

Doch dass dies leider nur die Allerwenigsten verstehen, ist mir überdeutlich bewusst. Denn ich habe es im Laufe der letzten 38 Jahre auf die harte Tour lernen müssen. Tatsächlich wurde und wird es mir immer wieder „an den Kopf geworfen“ (Redewendung), so lange ich zurückdenken kann. Und doch kommt es für mich jedes einzelne Mal wieder aus dem Nichts, wie ein Hammer. Weiterlesen „Gastbeitrag: Vom „Anderssein“ und den anderen, die anders sind“

Was Mobbing anrichtet und wie schwerwiegend die Folgen sind

Das hier wird keine wissenschaftliche Abhandlung. Wie auch, ich bin ja nur die Mutter von vier autistischen Kindern.

Mobbing begleitet mich seit dem ich klein war.
Nun bin ich aber in einer Generation groß geworden, als wehren noch nicht verpönt war.
Also nicht so verpönt, dass wehren pathologisiert wurde, sobald Erwachsene davon Wind bekamen.
Im besten Fall wurde die Situation des Mobbings betrachtet und es gab ne Ansage in Richtung der Mobber, im nicht so guten Fall wurde über das wehren hinweg gesehen.
So gesehen hatte ich wohl Glück und bin nur hart geworden, damit äußere Verletzungen mich nicht mehr sichtbar treffen.
Zynismus und direkte Antwort schützen.
Es ist aber ein Trugschluss, dass dies eine gute Erscheinung wäre.
Denn es bedeutet auch, dass man immer auf der Hut ist.
Das dies besonders gesund wäre, kann ich nun nicht behaupten.

Aufgrund dieser Erfahrungen war ich natürlich besonders alarmiert, als sich Mobbing im Kleinen bei unserem Ältesten sich bereits im Kindergarten zeigte. Dort war man leider nicht besonders empfänglich für den Gedanken, dass dort bereits Kleinkinder erlerntes Verhalten aus dem Elternhaus so auslebten.
Es wurde halbherzig dagegen agiert, aber es tat sich wenigstens etwas.

Auch in der Grundschule hatte er immer wieder damit zu tun, dass MitschülerInnen sich an seinen Eigenarten „störten“ und dies nutzten ihn anzugreifen.
Aber auch hier schritt die Lehrkraft ein. Zwar bezog sie nie die anderen Eltern mit ein um auch von dort auf die Kinder einzuwirken, aber sie tat etwas.
Später erfuhr ich allerdings, dass sie sich schon despektierlich mit anderen Eltern über unseren Sohn unterhielt, schließlich verhielte er sich komisch.
Wie hätte sie denn da auch Einfluss nehmen können. Forcierte sie doch so, dass die Eltern (die meisten machen so was ja am Abendbrottisch vor den Kindern) sich über den komischen Mitschüler unterhielten.
Und glaubt mir, ein Ausdruck zu einem Eindruck, dem nicht widersprochen wird setzt sich schnell in Kinderhirnen fest und überträgt sich dann auf den Pausenhof.

Mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule wurde es schnell unerträglich.

Zwar hatten wir nur wenige alte Klassenkameraden an der neuen Schule, aber unser Sohn war immer noch „komisch“.
Mobbing war in der 5-zügigen Stufe stark verbreitet, am schlimmsten allerdings in der Klasse des Großen.
Und die Lehrkräfte hatten kein Interesse daran dieses abzustellen.
Bei ihnen herrschte die Meinung vor, dass die Kinder mit Einstieg in die 5. Klasse nun wirklich alt genug wären, ihre „Streitigkeiten“ selber zu lösen.

Sie verweigerten egal wem Hilfe.

Selbst als die Elternratsvertreter für eine Vielzahl von SchülerInnen vorstellig wurden hieß es lapidar „Mobbing gibt es an unserer Schule nicht“.

Das Lehrkräfte nicht immer sehen (wollen) das auch ihr Verhalten zu Mobbing anstiftet ist in diesem Text gut beschrieben.

Jeden Tag werden Myriaden an Schülern vor versammelter Mannschaft beschimpft, kritisiert, lächerlich gemacht, angeschrien, definiert, manipuliert, bloßgestellt, abgewertet, schuldig gesprochen, zum Abschuss freigegeben, kategorisiert, verglichen, abgestempelt, bedroht, ermahnt, bestraft, gezwungen, verängstigt, mit komplett sinnlosen Strafarbeiten zugemüllt, auf „stille Stühle“ gesetzt, in „Trainingsräume“ geschickt und mit einem Lächeln für „vogelfrei“ erklärt. Sie werden gemobbt!

Ab Klasse 6 wurden wir im Gegenteil dazu gedrängelt zu schauen, warum unser Sohn so komisch wäre. Schließlich würde er dadurch ja die MitschülerInnen dazu animieren ihn zu hänseln.
Und er müsse sich ändern, dann würde die Hänselei auch aufhören.

Und so begann vor 11 Jahren mit einer Elternberatungsstelle unser Weg zur Diagnose.

Was wir beim Ältesten währenddessen und danach, auch bei den Geschwistern, immer wieder hatten war Mobbing.
Nur beim Jüngsten hatten wir bisher Glück.

Und Lehrkräfte, die dem Problem hilflos gegenüber standen.

Die einen negierten das Problem.
Andere schoben immer noch das Problem meinen Kindern zu.
Denn ja, das Mobbing sprang auch auf die Geschwister über, denn sie hatten Geschwisterkinder und/oder Freunde, aus der Klasse des Ältesten.
Wieder andere probierten irgendwelche Methoden aus, ohne entsprechende Schulungen gehabt zu haben.

Übrigens, nur als Zwischeninfo, Mobbing löst sich nicht nach einer einmaligen Intervention auf.

Hach ja, wir haben einiges durch.

Die Schäden, die dadurch entstanden sind, tragen meine Kinder ihr lebenlang mit sich.

Hier beschreibt eine Autistin, wie sie Mobbing erlebt hat.

Meine Schulzeit ist viele Jahre her, aber die Auswirkungen sind bis heute geblieben. Bedingt durch meine autistischen Schwierigkeiten hatte ich schon immer wenig Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, aber der letzte Rest davon wurde mir als Jugendliche auch noch aus der Seele gepresst. Es dauerte nur wenige Augenblicke das Selbstwertgefühl zu zerstören, aber viele Jahre um es wieder aufzubauen.

Dem kann ich mich nur anschließen.

Ich sehe bei meinen Kindern, dass die Folgen gravierend sind.

Das Mobbing hat beim Großen ein Trauma und eine immer wieder kehrende Depression „erzeugt“.
Und auch die Geschwister sind da nicht schadlos geblieben.
Es kostet ihn und sie so unglaublich viel Kraft und Nerven.
Jeder dumme Spruch zieht runter. Und reales, neu aufkeimendes Mobbing reißt Wunden auf.

Nun ist die Traumaforschung und vor allem die Therapie von Trauma bei AutistInnen bis jetzt nur ein Randthema.

Ich hoffe sehr, dass die Forschung von Prof. Elbing schnell voran schreitet und sich bald Wissen dazu bildet, wie man Trauma bei AutistInnen behandeln kann.
Denn Autismus macht eine etwaige Therapie nicht einfacher.
Bzw., einfache Lösungen taugen nicht.

Hier muss noch individueller gedacht und gehandelt werden.

Denn es besteht Handlungsbedarf und es braucht gute Therapiestellen.

Und es braucht endlich Akzeptanz dafür, dass Mobbing kein Kavaliersdelikt ist.

Ob nun der gemobbte Autist ist, oder nicht.

Mobbing ist schädlich.

Ich möchte hier unbedingt noch eine wichtiges und gutes Buch zum Thema Mobbing empfehlen.

Francoise Alsaker „Mutig gegen Mobbing“

Das Buch soll Mut machen: denn der Umgang mit Mobbing ist keine Zauberkunst. Wenn man bereit ist, eigene Vorstellungen zu überdenken, Handlungsmuster zu ändern und miteinander über unangenehme Themen zu reden, dann kann mit etwas Mut viel erreicht werden.

Update 03.12.19

Ich möchte hier noch auf zwei lesenswerte Artikel von Patricia Cammarata, besser bekannt als „dasNuf“ hinweisen.

Let’s Talk – Cyber-Mobbing Teil 1

Wann immer sie sich in schulischen Konfliktsituationen an ihre Erzieherinnen gewendet haben, wurden sie mit den Worten „Jetzt sei doch nicht so eine Petze und klär’ das selbst” weggeschickt. Eine unmögliche Ansage, auf die wir als Eltern dringend aufmerksam machen sollten, und zwar im persönlichen Gespräch mit dem/der jeweiligen Erzieher*in bzw. Lehrer*in.

Dem Rat möchte ich mich unbedingt anschließen.

Let’s Talk – Cyber-Mobbing Teil 2

Die meisten Eltern sind natürlich total geschockt, wenn sich herausstellt, dass ihr Kind andere Kinder bedroht, belästigt oder anderweitig unter Druck setzt. Oft ist es ein Reflex von Eltern, vorgebrachte Vorwürfe zurückzuweisen. Darum mein Rat: Zu allererst tief durchatmen, die Gedanken ordnen und vor allem zuhören. Lasst euch so viele Details wie möglich schildern, bevor ihr das Gespräch mit eurem Kind sucht. Sorgt dafür, dass das Mobbing bzw. das sonstige Fehlverhalten umgehend stoppt und sich nicht wiederholt. Das hat höchste Priorität.

Noch etwas liebe Eltern, greift bitte nicht das Elter des gemobbten Kindes an, nur weil ihr Euch nicht vorstellen könnt, dass Euer Kind Täter sein könnte. Und bitte, schon gar nicht vor Eurem Kind oder dem gemobbten Kind.

Mobbing ist schädlich, auch für die Täter.

Es gilt die Situation aufzulösen.

Schuldzuweisungen unter Erwachsenen helfen niemandem.
Aber vor allem nicht den gemobbten / mobbenden Kindern und Jugendlichen.

Sie müssen mal Pause machen …

  • Passen Sie bitte auf sich auf.
  • Sie werden noch gebraucht.
  • Wann finden Sie eigentlich Ruhe?

Wie ich heute darauf komme, wo ich den Spruch schon so oft gehört habe?
Ich habe diesen nachdenklichen Text gelesen.

Erst wollte ich dort antworten

Pause?
Gar nicht, bzw wenn ich mir aktiv eine Pause verordnete werde ich schlagartig so müde, dass ich Stunden schlafen würde.

Und genau das geht gar nicht.
Denn sofort klingelt das Telefon, oder die Uhr schreibt irgend etwas vor was unabdingbar genau zu diesem Termin erledigt werden muss.

Ist das gesund?
Nein.
Aber leider sehe ich derzeit keine Chance aus dem ganzen auszubrechen.
Mit meinen vier autistischen Kindern und dem Druck der dadurch von Außen auf uns ausgeübt wird, bleibt gar nichts anderes übrig als perfekter zu funktionieren wie egal wer anders.

Funktioniere ich mal einen Tag lang nicht….

Wenig später habe ich noch eine Mail gelesen, in der erklärt wurde, dass ich meine Sorge äußern würde über etwas unseren Jüngsten betreffend. Weiterlesen „Sie müssen mal Pause machen …“

Die Stimme eines autistischen (klein) Kindes:

Wir Eltern haben die verdammte Pflicht unseren Kindern sehr gut zuzuhören.

Auch und gerade und besonders.

„Sind so kleine Seelen
offen ganz und frei.
Darf man niemals quälen
gehn kaputt dabei.“

(Bettina Wegener – „Sind so kleine Hände…“)

melli´s kleines nähkästchen

„ Mama ich bin autist , Mama ich bin behindert , egal ob es dir gefällt oder nicht.

Ich bin autist und ich bin behindert , selbst wenn es mir nicht gefällt und ich mich manchmal anstrenge und Dinge tue die mir nicht gut tun , einfach aus dem Grund , weil ich es auch gerne könnte , wie die anderen Kinder !

Mama die anderen Kinder die haben unendlich viele Löffel , so scheint es mir und ich , ich habe weniger und die verteilen sich auch ganz anders !

Na klar als ich geboren wurde , hatte ich soviele Löffel wie jedes Neugeborene hat , aber weißt du Mama , ich bin jetzt schon drei und habe in den wenigen Jahren einige Löffel zerbrechen sehen !

Ich habe schon längst nicht mehr so viele wie andere , du musst gut auf mich und meine Löffel aufpassen , denn…

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Gastbeitrag: „Gesprochene Texte verstehen – die einfachste Sache der Welt(?)“

von Aspergianer

Aus Sicht eines Autisten mit einer auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung.
Es handelt sich um keine wissenschaftliche Abhandlung, nur um eine beschreibende Wahrnehmung und Sichtweise.

Einleitung

Die mündliche Kommunikation ist eine der grossen Errungenschaften der Menschheit. Wir nutzen sie tagtäglich und können mit ihr vieles ausdrücken.

Freude, Schmerz, Wissen, Erfahrungen, Meinungen, Empfindungen, ja sogar Gefühle lassen sich gut mit der gesprochenen Sprache transportieren.
Worte lassen sich so präzise verwenden wie ein Skalpell in der Hand eines Chirurgen, mit ihnen lassen sie präzise Beschreibungen formulieren. Worte können auch künstlerisch eingesetzt werden um so blumige bis poetische Texte zu verfassen, welche auch das Herz zu berühren vermögen.

Die Sprachmelodie transportiert in der gesprochenen Sprache noch Teile der nonverbalen Kommunikation und manchmal werden mit ihr mehr Informationen transportiert als mit der Sprache selbst. Die Mimik und Körpersprache bilden nebst der Sprachmelodie die nonverbalen Teile oder eben Sprache einer Kommunikation ab.

Menschen wachsen mit der Sprache auf, lernen und nutzen sie mit einer
Selbstverständlichkeit wie das Atmen.
Sie erfassen den Sinn der Worte automatisch und ohne gross  nachzudenken, kombinieren automatisch die verbale Sprache mit der nonverbalen Sprache und setzen die verschiedenen Kommunikationsarten automatisch zu einem Gesamtbild zusammen.
Es geschieht einfach.

Die einfachste Sache der Welt?

Für die meisten Menschen schon.
Für manche Menschen jedoch ist die verbale und/oder die nonverbale Kommunikation aus verschiedenen Gründen eine Herausforderung.

Alles Schall und Rauch?

Die Sprache wird mit der ausatmenden Luft in den Stimmbändern, der Stellung von Mundhöhle, Zunge und Zähnen erzeugt und verlässt den Mund als Produkt verschiedener sich überlagernden Schallwellen. Diese Schallwellen sind ein komplexes Konstrukt, welches es vom Empfänger zu entschlüsseln gilt, um den Inhalt verstehen zu können.

Vom Ohr bis zum Bewusstsein

Die Ohrmuschel bildet eine Art Trichter, um eintreffenden Schall einzufangen, zu konzentrieren und dem Trommelfell zuzuführen. Am Trommelfell ist einiges an Hardware in Form von kleinsten Gehörknöchelchen vorhanden, welche die mechanische Bewegung des Trommelfells über die Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel zum Mittelohr leiten. Das Mittelohr ist mit Luft gefüllt leitet die Schallwellen weiter an die knöcherne Hörschnecke, welche im Innern mit einer Flüssigkeit gefüllt ist.
Diese Flüssigkeit regt dünnste Haarsinneszellen an, welche die mechanischen Bewegungen der Flüssigkeit in elektrische Signale übersetzen.
Von dort aus wird es hochkomplex und das würde den Rahmen sprengen, wenn man auf alle Einzelheiten einginge.

Während der Verarbeitung der sich überlagernden Schallwellen trifft unser Gehirn lange, bevor die Schallwellen unser Bewusstsein erreichen Entscheidungen, von denen wir Menschen normalerweise nichts mitbekommen.
Es werden Unterscheidungen der Informationen selbst getroffen. Was sind wichtige Informationen? Was sind unwichtige Informationen? Welche Informationen signalisieren Gefahr und welche Informationen signalisieren eine sichere Umgebung?

Das Gehirn erledigt 24 Stunden nonstop diese wichtige Vorselektion, egal in welcher Situation wir uns auch befinden mögen.
Unwichtig eingestufte Informationen kann das Gehirn verwerfen oder „wegfiltern“ und erst gar nicht in unser Bewusstsein transportieren. Informationen, von denen unser Leben abhängen könnten werden auf einem „Sonderkanal“ ins Bewusstsein transportiert während
der Rest der „normal wichtigen“ Informationen den üblichen Transportweg nehmen.

Schwupps: ein gesprochener Text erscheint in unserem Bewusstsein, wird greif- und begreifbar und wir können darauf reagieren.

Das könnte ein schönes Ende für eine Beschreibung sein

Normalerweise wäre hier die Beschreibung zu Ende. Stimmbänder, Mundhöhle, Schall, Ohrmuschel, Trommelfell, Mittelohr, Hörschnecke, Vorverarbeitung durch das Gehirn, Information kommt im Verstand an.
Das wäre es gewesen, zumindest für die meisten Menschen.

Für manche Menschen ist hier nicht das Ende, sondern hier beginnt für sie erst die eigentliche Beschreibung. Weiterlesen „Gastbeitrag: „Gesprochene Texte verstehen – die einfachste Sache der Welt(?)““