Morde an Behinderten … und dann?

Am Mittwoch den 28. April 2021 wurden vier Menschen mit Behinderung in Potsdam ermordet und ein Mensch mit Behinderung wurde schwerstens verletzt.

Diese Morde und Verletzungen geschahen in einer Einrichtung für MmB.
Das Oberlinhaus besteht bereits seit 150 Jahren.
Die Tatverdächtige ist eine Mitarbeiterin, die bereits seit 32 Jahren im Oberlinhaus arbeitete.

Nun gab es einiges an Berichterstattung zu dem Thema.

Aber das wenigste beschäftigte sich mit den ermordeten und verletzten Menschen.

Und um diese Menschen geht es doch dem Grunde nach, oder nicht?

Martina W.
Geboren 1990
Ermordet in ihrem Bett im Oberlinhaus am 28.4.2021

Christian S.
Geboren 1985
Ermordet in seinem Bett im Oberlinhaus am 28.4 2021

Lucille H.
Geboren 1978
Ermordet in ihrem Bett im Oberlinhaus am 28.4 2021

Andreas K.
Geboren 1964
Ermordet in seinem Bett im Oberlinhaus am 28.4 2021
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Die Gretchenfrage …

was definiert Aktivismus und warum tut man etwas?

Gerade habe ich einen alten Blogpost von Butterblumenland gelesen, an den mich immer wieder hochkochende Diskussionen erinnern.

Aber mein Aktivismus bedeutet auch, dass ich es auf meine Art mache. Jedem anderen steht es frei, meine deutlichen Worte und auch mal emotionalen Äußerungen doof zu finden. Man kann mich kritisieren dafür, was ich sage und wie ich es sage. Ich lese diese Kritik bzw. höre sie mir an. Ist sie berechtigt, werde ich meine Fehler korrigieren und mich gegebenenfalls auch entschuldigen. Ich bin zu kontroversen Diskussionen bereit. Im Gegenzug erwarte ich diese Bereitschaft auch von anderen. Man muss auch nicht am Ende einer Meinung sein. Aber ich werde mir nicht den Mund verbieten lassen oder mir vorschreiben lassen, wen ich wie zu kritisieren habe.

vor ziemlich genau 11 Jahren habe ich die Diagnose für meinen Ältesten erhalten.

Und ich suchte mir die Finger wund nach Informationen.
Das war mal gar nicht so einfach, aber ich fand sie.
Und ich fand Unterstützung.

Diese Unterstützung war in der Hauptsache sachorientiert.

Und das war verdammt wichtig.

Raus aus der rein emotionalen Betrachtung und der Verzweiflung, hin zu dem was möglich ist, handlungsfähig werden.

Sachliche Aufklärung, welch Erholung, mal keine Vorwürfe und vor allem den Fokus darauf richten was machbar ist und wo zB Behörden nicht einfach was fordern oder gar beschließen dürfen.

Wir hatten bis dahin schon einiges er- und durchlebt.
Und nicht wenige Dinge wären vermeidbar gewesen, wenn ich damals schon mehr Wissen gehabt hätte.

Mit den Jahren lernte ich viel von AutistInnen und von Eltern autistischer Kinder, über Therapien, Beschulungsformen, weiteren Möglichkeiten, zu Gesetzen und noch einiges mehr.

Und da ich noch nie ein besonders leiser Mensch war und auch nicht der Typ bin der viel und gerne jammert, suchte ich mir pragmatische Wege mein Wissen weiter zu geben.

Einer dieser Wege war Twitter, der andere dieser Blog.

Und ja, Corona hat im letzten Jahr nicht viel Raum für diesen Blog gelassen, da Beschulung in der Distanz mit dem Jüngsten auch bedeutet, dass ich seit Monaten die Schulbegleitung ersetze und ihn zum Lernen motiviere sowie die Übersetzungsarbeit übernehme. Die „Sekretariatsarbeiten“ zählen da fast nicht.

Nun lernt man über die Jahre, wie gesagt es sind mittlerweile 11 Jahre, viele Menschen kennen.
Lange nicht mit allen ist man immer einig.
Warum sollte das auch der Fall sein.
Ständig und überall wird ja von Vielfalt gesprochen.

Nun gibt es aber Menschen, die meinen man müsste Dinge kanalisieren und dürfte innerhalb einer „Gruppe“ (die keiner klar definiert – aber über die ständig irgendwelche Menschen eine Meinung haben) keinerlei Kritik mehr äußern.
Oder nur ganz verschämt und leise, am besten nicht öffentlich.

Das ist mir seit 2015 nun schon einige Male untergekommen.

Und ich verstehe es nicht.

Ich bin ein Mensch, ich mache Fehler.
Ich möchte darauf hingewiesen werden, wenn ich einen begehe.
Damit ich den Fehler korrigieren kann.

Oder meinen Beweggrund erklären kann, warum ich denke dass etwas kein Fehler ist.

Ich bin auch kein Schönwetteraktivist, der nur nette Themen bespricht.

Dafür gibt es viel zu viel Bullshit über Autismus zu lesen.

Auch bin ich kein Claqueur.

Ist es denn wirklich so schwierig Kritik auszuhalten?

Das gilt übrigens allgemein wie auch auf AktivistInnen zu Autismus und Inklusion bezogen.

Ich frage mich dann immer wieder, WAS wollt ihr denn WIE erreichen wenn ihr auf einmal beginnt halbgare Dinge gut zu heißen oder Euch nicht mehr klar positioniert.
Denkt irgendwer, dass sich dadurch Veränderung anbahnen lässt?

Mit dieser Haltung Anderer hat mein Ältester vor Jahren seinen Schulplatz verloren. Man hat uns Eltern damals die Handlungsgrundlage entzogen.
Sowas passiert mir exakt einmal und nicht wieder.

Glaubt mir, damit kommt man nirgendwohin, verändert nichts und die, die sich eingerichtet haben, behalten ihre Plätze.

Aktivist sein heißt nicht, Everybodies Darling zu sein, es schließt sich aus.

Berichterstattung über Studien und Behandlungswahn, die Neverendingstory

Und da sind sie wieder, die faszinierten Menschen mit Null Ahnung zu Autismus die über laufende Studien und Behandlungswahn der Autismusforscher berichten.

Sie übernehmen die Aussagen zu fehlender Empathie der „Experten“ für Autismus ohne diese auch nur im Ansatz zu hinterfragen oder gar verschiedene AutistInnen zu fragen, was sie von diesem Klischee halten.
Dabei gibt es dazu valide Aussagen von AutistInnen zum Double-Empathy-Problem.

Ich habe schon mehrfach darüber geschrieben, wie sich Empathie bei meinen Kindern zeigt. Sei es die Frage was diese Empathie nun ist oder wie sich der Krisen-Ping-Pong hier auswirkt. Auch dasfotobus hat in Erlebenswelten schon darüber berichtet wie stark abhängig das mit der Empathie von gleichwertigen Erfahrungen und Ähnlichkeiten im Erleben ist.

Daraus schließe ich nun für mich, dass es Menschen offenbar schwerfällt, sich in andere Erlebenswelten einzufühlen oder einzudenken.

Autismusforscher sind sehr davon überzeugt, dass das Erleben der Welt bei AutistInnen nicht korrekt ist und dieses Erleben an die „Norm“bevölkerung angeglichen werden muss.
Dadurch würden dann AutistInnen dazu befähigt das Erleben von NichtautistInnen gleichwertig bewerten und damit „norm“typisch reagieren zu können. Weiterlesen „Berichterstattung über Studien und Behandlungswahn, die Neverendingstory“

Studien zu Autismus III, heute zu „prosozialem Verhalten“

Ich habe heute morgen eine Mitteilung über eine anlaufende Studie (Archivlink, da die Erfahrung zeigt, dass solche Mitteilungen bei zu viel Gegenwind verschwinden) zu Autismus gelesen und bin…, erzürnt ist das falsche Wort.
Passendere Worte fallen mir zwar ein, gehören hier aber nicht hin.

Zur Begriffsklärung finde ich des Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik interessant.

Prosoziales Verhalten ist ein positives, konstruktives, hilfsbereites Verhalten und das Gegenteil von antisozialem Verhalten. Allerdings spielen die Erwartungen darüber, ob sich jemand sozial verhält, für die zwischenmenschlichen Beziehungen eine große Rolle, denn Menschen passen ihr eigenes Verhalten an, je nachdem, ob sie von anderen Hilfe erwarten oder nicht. (Stangl, 2020).

Verwendete Literatur
Stangl, W. (2020). Stichwort: ‚prosoziales Verhalten‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/4226/prosoziales-verhalten/ (2020-09-03)

Es wird also AutistInnen bzw. autistischen Kindern unterstellt, dass sie lernen müssen, sich sozial zu verhalten.
Was im Umkehrschluss bedeutet, dass unterstellt wird, dass AutistInnen bzw. autistische Kinder sich erstmal antisozial verhalten würden, weil dies ihrer Natur entsprechen würde.

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Wahrnehmung, die …

… ist immer subjektiv.

So,
und genau hier könnte der Blogpost enden.

Aber leider …

nun ja, für autistische SchülerInnen und das sie umgebende nichtautistische Umfeld scheinen wohl andere Regeln zu gelten.
Vor allem was die Bewertung der jeweiligen Wahrnehmung betrifft. Selbiges kann man übrigens auch bei SchülerInnen mit ADHS beobachten.

Im System Schule bewegen sich viele Menschen.

Lehrkräfte, weitere Angestellte innerhalb der Schule, SchülerInnen und zum Teil auch Schulbegleiter. Weiterlesen „Wahrnehmung, die …“