Zertifizierungen von Schulbegleitungen und was davon zu halten ist

Gestern habe ich ja von unseren Erfahrungen mit Schulbegleitungen geschrieben.

Bis wir die jetzige gefunden hat es lange gedauert.
Schließlich ist es ein anspruchsvoller Beruf, den eben nicht jeder „mal eben so“ ausüben kann.

Das Sozial- und Jugendämter Fachkräfte genehmigen und auch bezahlen ist selten.
Eher ist mit einem massiven Sparkurs zu rechnen.
Und das ist auf vielen Ebenen schädlich, wie ich hier bereits erklärt habe.
Manche Ämter freuen sich also, wenn sie wen „zertifiziertes“ bekommen können, der nicht „unglaubliche“ Gehaltsforderungen hat.

Und gerade Eltern, deren Kinder frisch diagnostiziert wurden und dringend Unterstützung durch eine Schubegleitung benötigen sind dann von den Titeln beeindruckt.

Aber wie und wo können solche Zertifikate erworben werden?
Was sind diese Zertifikate schlussendlich wert?
Sagen diese Zertifikate irgendetwas darüber, wie gut die Person sich auf den autistischen Schüler einstellen kann?

Ich habe Google bemüht und nach Zertifizierungen für Schulbegleitungen im Bereich Autismus gesucht.

Und ich bin entsetzt.

Es gibt die ATZ die Weiterbildungen anbieten.
Dann findet man ABA-und/oder AVT-Anbieter die ihr „Wissen“ in wenigen Stunden, oft per Webinar, an zukünftige Schulbegleiter weitergeben.
Und dann habe ich noch „Schulen“ gefunden (deren Hauptangebot die Esoterik ist) die von Entspannungspädagogik über das Auspendeln auch noch irgendetwas undefiniertes zu Autismus anbieten. Ebenfalls gerne per Webinar.

Ein Webinar, was ist das eigentlich?

Ein Webinar oder Web-Seminar ist ein Seminar, das über das World Wide Web gehalten wird.

In vielen Bereichen können solche Online-Vorlesungen gut sein. Vielleicht auch noch, um ein minimales Grundwissen über Autismus zu erhalten.

Aber um ein Zertifikat als Schulbegleitung bzw. Fachkraft für Autismus zu erhalten halte ich es für zumindest fragwürdig.

Es gibt keine Arbeit mit AutistInnen.
Auch gibt es keine Arbeit mit autistischen Schülern.
Es wird ausschließlich theoretisches Wissen erworben.
Wie der Umgang mit autistischen Schülern schlussendlich aussieht, ist an einem solchen „Zertifikat“ nicht zu erkennen.

ErzieherInnen und Lehrkräfte erlernen in Praxismodulen bzw. einem Referendariat, unter Beobachtung von ausgebildeten Kollegen, wie sie mit Kindern und/oder Schülern umzugehen haben. Sie erhalten Rückmeldung über ihre Arbeit mit den Menschen, auf die sie „losgelassen“ werden. Es gibt also ein Mindestmaß an Qualitätskontrolle über die Arbeit mit Menschen. Bei einer Zertifizierung durch ein Webinar findet dies NICHT oder nur SEHR SELTEN statt.

Kommen wir zu Zertifizierungen durch ATZs.
Da wir schon eine Schulbegleitung hatten, die eine solche Zertifizierung berufsbegleitend erworben hat, hatte ich hier einen Einblick ein ATZ betreffend.
Dort fanden die Module (über ein Jahr verteilt) am Wochenende statt und das betreute Kind war ihr Anschauungsobjekt. (Dazu braucht es übrigens die Zustimmung der Eltern!)
Eine Beobachtung ihrer Arbeit vor Ort fand NICHT statt.
Die Ausbilder/Fortbilder verließen sich komplett auf ihre Schilderungen über das Kind (welche selbstverständlich nur subjektiv sein können!) und haben dann mit Praxisbeispielen aus dem Therapiealltag Lösungen angeboten.

Diese Art der Qualifizierung ist besser als bei einem Webinar, allerdings halte ich das „Learning by doing“ durch „Trial and Error“ am Kind/Jugendlichen für sehr fragwürdig. Es fehlt ja an der Supervision vor Ort. Aber immerhin findet zumindest etwas Supervision statt.

Was ich von Zertifizierungen durch ABA- und/oder AVT-Anbieter halte, muss jedem klar sein, der meinen Blog schon länger verfolgt.
Aber da ja hoffentlich immer mal wieder neue Leser dazukommen, hier ein Überblick zu meiner Einstellung zu ABA und/oder AVT.

Was können nun Eltern tun, wenn ihnen eine Schulbegleitung mit Zertifizierung angeboten wird?

Sie sollten nachfragen, WO die Zertifizierung erworben wurde und das Institut googeln. Im Zweifel sollten die Eltern dort anrufen, wenn der Internetauftritt des Institutes nicht eindeutig darstellt, was dort gelehrt wurde.

Eltern sollten auch nachfragen, wie viel Kontakt zu AutistInnen (Kinder, Jugendliche und Erwachsenen) bestanden hat.

Weiter sollten Eltern sich dafür interessieren, welche Literatur zu Autismus gelesen wurde.
Ob es Supervision während der Qualifizierungsmaßnahme gab (falls direkt mit AutistInnen gearbeitet wurde) und wie diese aussah.

Liebe Eltern, ihr habt ein Wunsch- und Wahlrecht wer mit Eurem autistischen Kind / Jugendlichen arbeiten soll.
Informiert Euch und nutzt dieses Recht.

Schulbegleiter verbringen einen erheblichen Teil des Tages mit Eurem Kind.
Lasst nicht „irgendwen“ mit einer nicht überprüften Qualifizierung/Zertifizierung mit Eurem Kind arbeiten.
Ich weiß, aus eigener Erfahrung, dass man nach jedem Strohhalm greift, wenn da endlich jemand bereit ist als Schulbegleitung zu arbeiten, schließlich ist oft die Beschulung davon abhängig das es eine Schulbegleitung gibt. Aber manche Schulbegleitung richtet leider mehr Schaden an, als das sie nutzt.

 

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Unsere Erfahrungen mit Schulbegleitern

Mitte April sind es acht Jahre, dass das erste unserer vier Kinder die Diagnose Autismus erhalten hat.

Im Oktober 2011 startete dann unsere Zusammenarbeit mit
„der“ Schulbegleitung.
„Der“ in Anführungszeichen, da wir in diesen Jahren schon sehr viele Kräfte erlebt haben / erleben mussten.

Manche stellten nach einigen Tagen fest, dass der Job nicht für sie geeignet war oder sie/er nicht mit meinem Kind und/oder mein Kind nicht mit ihr/ihm zurecht kam.

Andere waren so überzeugt von sich und arbeiteten komplett am Kind vorbei. Leider erzeugten sie bei Lehrkräften eine Erwartungshaltung mit ihren Anforderungen an meine Kinder.
Diese Erwartungshaltung konnten meine Kinder nur leider nicht erfüllen.

Dann gab es jene, die lieber mit den Lehrkräften arbeiteten und sich in der gesamten Klasse einbrachten. Ob sie sich dadurch den Traum, selber Lehrkraft sein zu können, erfüllen wollten – ehrlich ich weiß es nicht.
Allerdings waren sie dann nicht für mein jeweiliges Kind greifbar wenn es Hilfe benötigte.
Die Begründung, mit der sie mir ihre „Arbeit“ verkaufen wollten hörte sich im ersten Moment gut an „ihr Kind soll ja keine Sonderrrolle in der Klasse einnehmen“.
Das sie damit allerdings mein Kind vernachlässigten, dass bekamen sie nicht mit.

Und dann gibt es diese Lichtblicke.
Menschen, die sich bei AutistInnen über Autismus informiert haben.
Die zwar die gängigen Ratgeber gelesen haben aber erstmal schauen was der zu betreuende Schüler tut und wo er Hilfen und Unterstützung benötigt.
Die sich auf den aktuell zu betreuenden Schüler einlassen und zu allererst Beziehungsarbeit zum / mit dem autistischen Schüler leisten.
Vertrauen von Seiten des Schülers zur Schulbegleitung ist einer der Grundbausteine für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Und ja das ist es in allererster Linie, eine Zusammenarbeit zwischen autistischem Schüler und Schulbegleitung.

Das autistische Schüler MUSS wissen, dass seine Fragen zu egal was NICHT  als „nicht so wichtig“ deklariert werden. Und wenn er Probleme mit Aufgabenstellungen hat braucht er die Gewissheit, dass die Schulbegleitung die Geduld aufbringt hier nochmal hinzuschauen und die Aufgabe aufzudröseln.
Es ist dem autistischen Schüler nämlich in keinster Weise geholfen wenn die Schulbegleitung genervt mit Sätzen wie z.B. „das haben wir doch schon hundertmal besprochen“ reagiert.
Und sollte die Aufgabe missverständlich formuliert sein, MUSS die Schulbegleitung sich mit der Lehrkraft auseinandersetzen, damit diese die Aufgabe präzisiert.
Falls der autistische Schüler (wie mein Jüngster es dann oft tut) dann immer noch festhängt, weil er einfach nicht versteht warum die Aufgabe nicht direkt konkret gestellt wurde, dann ist es die Schulbegleitung die der Lehrkraft vermitteln muss, warum arbeiten gerade nicht möglich ist. Sie muss den autistischen Schüler an diesem Punkt aktiv entlasten und den Druck aus der Situation nehmen.

Eine gute Schulbegleitung nimmt sich auch die Zeit und schaut, warum eine Aufgabe in eine Überforderung führt oder warum diese nicht bearbeitet wird / bearbeitet werden kann.
Sie findet es entweder selber heraus oder geht in das Gespräch mit dem Schüler. Falls dies nicht möglich ist, sucht sie den Kontakt zu den Eltern oder gibt zumindest den Hinweis dass eine spezielle Aufgabe zu Arbeitsverweigerung geführt hat und lässt diese forschen.
Rückmeldungen des Schülers übersetzt die Schulbegleitung an die Lehrkräfte, damit diese dem autischen Schüler adäquat helfen können. Und die Schulbegleitung wirbt bei den Lehrkräften für Verständnis für die Fragen des autistischen Schülers.

Besondere Probleme werden in Zusammenarbeit mit dem Elternhaus und den Lehrkräften angegangen.

Auch fungiert die Schulbegleitung als Übersetzer in Situationen wo die soziale Kommunikation sich als Hürde zeigt und die Signale der Mitschüler oder der Lehrkraft vom autistischen Schüler nicht, nicht in Gänze oder gar falsch verstanden wurden. Und selbstverständlich auch im umgekehrten Fall, dass der autistische Schüler nicht verstanden wird.

Zur Zeit haben wir eine solch engagierte Person mit der unser Jüngster gut harmoniert.
Sie gibt ihm Raum sich zu entwickeln.
Die Sicherheit, die sie ihm bietet führt dazu, dass er seine Probleme wesentlich klarer benennen kann.

Allerdings kämpft sie auch mit den Schatten der Vergangenheit, ebenso wie die Lehrkräfte.
Die Schulbegleitung, die wir Anfang des Schuljahres hatten, hat die Arbeit von vier Jahren fast zu Nichte gemacht.
Unser Sohn überprüft nun jede Aussage aller Personen auf Wortlaute und Anforderungen, die diese Frau gesagt und/oder gestellt hat.
Menschen, die sich ähnlicher Formulierungen bedienen, haben bei ihm „ausgeschissen“ und erreichen ihn nur sehr schlecht bzw. führen deren Anforderungen fast augenblicklich in den Overload.

Es ist nun leider auch Aufgabe unserer jetzigen Schulbegleitung, dies den Lehrkräften zu erklären.
Das wird ein hartes Stück Arbeit werden, denn es kamen bereits jetzt solche Sprüche wie z.B. „er muss das doch trennen können“ oder „er hatte schon genug Zeit uns kennenzulernen“.
Wie tief die erzeugte Verunsicherung bei ihm ist können die Lehrkräfte anscheinend überhaupt nicht begreifen.

Kooperationsbereitschaft

Dieses Wort begegnet Eltern behinderter Kinder immer wieder.

Kooperation

Kooperation (lateinisch: cooperatio ‚Zusammenwirkung‘, ‚Mitwirkung‘) ist das zweckgerichtete Zusammenwirken von Handlungen zweier oder mehrerer Lebewesen, Personen oder Systeme, in Arbeitsteilung, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen

Genauso oft wird unterstellt, dass Eltern behinderter Kinder nicht bereit wären, kooperationsbereit zu sein.

Anders jedenfalls kann ich es mir nicht erklären, warum praktisch jede Stelle die Bereitschaft zur Kooperation so übermäßig betont.
Vor allem, wenn wir auf einen Missstand hinweisen und um Abhilfe bitten.

Wir bekommen zu hören, dass wir doch erst einmal

  • alle Seiten betrachten sollen
  • die Intention der Gegenseite bedenken möchten
  • unser Kind nicht in Watte packen sollen
  • das Kind auch mal fernab der Behinderung sehen sollen
  • Vertrauen haben mögen
  • kooperationsbereit sein sollen

Es wird unterstellt, dass wir Eltern dies alles nicht betrachtet hätten und vollkommen unrealistisch eine Situation einschätzen würden. Das wir zu viel vom Gegenüber erwarten und nicht an einer Zusammenarbeit interessiert wären.

Das ich als Mutter nicht zu 100% objektiv bin bzw. sein kann liegt in der Natur der Sache. Aber ich unterstelle eben diesen Fakt auch Lehrkräften und anderen beteiligten Personen.

Nach etlichen Entwicklungsgesprächen, Förderplanbesprechungen und dutzenden von Hilfeplangesprächen (mit vier Kindern generell , mit autistischen Kindern besonders kommt da schon ein erkleckliche Zahl zusammen) habe ich allerdings den Eindruck gewonnen, dass gerade Eltern behinderter Kinder zu allererst eingenordet werden müssen von den Gesprächspartnern.

So habe ich mehr als nur einmal den Satz zu hören bekommen

Achten Sie bitte darauf, ihrem Kind Vertrauen in unsere Arbeit zu vermitteln. Nicht dass das Kind den Eindruck gewinnt, dass sie grundsätzlich anderer Ansicht sind als wir.

Stehe ich als Mutter bzw. wir Eltern behinderter Kinder unter einer Art Generalverdacht?

Ähnlich ergeht es Eltern gemobbter Kinder. Nicht nur deren Kindern wird vermittelt, dass sie alles falsch verstehen. Nein auch den unterstützenden Eltern wird leider allzu oft die Kompetenz über die Wahrnehmung der Sachlage abgesprochen.

Gibt es da ein Naturgesetz, dass hier Anwendung findet und dass nur Außenstehenden erklärt wurde? Entschuldigt bitte meinen Sarkasmus, aber es fällt mir schwer an diesem Punkt die Contenance zu wahren.

Ich vermisse bei solchen Gesprächen die Augenhöhe.

Ich vermisse das Entgegenkommen, dass von mir eingefordert wird.

Stattdessen habe ich den Eindruck, dass ich mich erstmal beweisen muss. Das ich es überhaupt Wert bin, dass man mit mir in einen Dialog treten kann.

Wenn ich an die ersten Monate nach der Diagnose unseres Ältesten zurückdenke, wie Fachleute mich mit Fachvokabular „erschlagen“ haben und mir den Eindruck vermittelten dass ich absolut keine Ahnung darüber habe was mit meinem Kind los ist, bekomme ich immer noch Schweißausbrüche.

Nach siebeneinhalb Jahren kenne ich deren Vokabular und deren Gesprächsführungstechniken auswendig. Denn quasi jede neue Person, die uns beraten möchte, nutzt dieselben Wege und Worte.

Durch all diese Gespräche habe ich gelernt, sehr vorsichtig zu sein.
Zuviel Emotionalität ist nicht förderlich für solche Gespräche, denn sie wird einem zu oft als Nachteil ausgelegt.
Zuviel Distanziertheit wird als Desinteresse oder Kälte gewertet.
Hier immer die richtige Balance zu finden ist schwer. Denn es geht immer um meine Kinder, deren Rechte ich nach Außen vertrete und vertreten muss.

Nur sehr selten erlebe ich diese glücklichen Momente, wo die Wahrnehmung von/über Geschehnissen meines Kindes und mir einfach ernst genommen werden.

Ich hätte da mal eine Bitte an jene die solche Gespräche führen:

  • geben Sie uns Eltern doch erstmal einen Vertrauensvorschuss
  • gehen Sie doch bitte zu allererst davon aus, dass wir mit Ihnen zusammenarbeiten wollen
  • das wir zusammen mit Ihnen das Beste für das Kind erreichen wollen
  • das wir NICHT grundsätzlich Ihnen in Ihre Arbeit reinpfuschen wollen sondern gerade bei unseren behinderten Kindern nach Lösungswegen suchen und diese eben nicht im Schema F zu finden sind
  • das wir kooperationsbereit sind

Und nehmen Sie uns so ernst, wie Sie ernst genommen werden wollen.

Wenn jedes Wort zu viel ist

Im letzten Post habe ich über Die Grenze der Kompensationsfähigkeit geschrieben.

Über dieses Zu Viel an (An)Forderung durch Außenstehende. Diese Außenstehende war in unserem Fall die Schulbegleitung.

Zwei Wochen Ferien haben lange nicht ausgereicht, die Unruhe bei unserem Jüngsten zu beseitigen. Alleine die Namensnennung der alten Schulbegleitung reicht zur Zeit aus, dass unser Jüngster in eine Abwehrhaltung geht und alle negativen Gefühle wieder hochkommen.

Und dann ist jedes Wort, jede Ansprache für unseren Jüngsten zu Viel.

Es reicht aus, dass ein Mitschüler ihn auf einen Fehler hinweist um ihn in den Overload zu treiben.
Oder die Lehrkraft, die ihn auffordert an einer Aufgabe weiter zu arbeiten.

Die neue Schulbegleitung hat zur Zeit einen verdammt kniffligen Job. Das Aufgabenspektrum liegt im Moment bei

  • ihn und seine Eigenheiten kennenlernen
  • ihm den Freiraum ermöglichen, denn er gerade benötigt
  • sich sein Vertrauen erarbeiten
  • bei den Lehrkräften um Verstehen werben
  • ihn irgendwie bei der Stange halten (RW) ohne ihn zu überfordern
  • mit ihm Vereinbarungen treffen wie er zurückmelden kann, dass grad nichts mehr geht
  • die Mitschüler und das Zusammenspiel / kommunikative Miss(T)verständnisse mit/zu unserem Sohn erkennen lernen

Im Moment kann jedes Wort zu viel sein.

Diese Situation ist auch für die Lehrkräfte schwierig.

Aber am schwersten ist es eindeutig für unseren Sohn.

Denn ein Overload ist belastend. Bei unserem Jüngsten erzeugt es zusätzlich zur reinen Überlastung Kopf- und Bauchschmerzen.

Was ich allerdings richtig gut finde, dass ich endlich Beschreibungen bekomme, was einer Flucht aus dem Klassenzimmer vorausgegangen ist. Nur dadurch kann ich mit unserem Jüngsten sprechen, Situationen genauer beleuchten und dann der Schulbegleitung zurückmelden was aus seiner Sicht passiert ist.
So kann in Ruhe und mit Reflektion ganz langsam an diesen einzelnen Situationen gearbeitet werden.
Nur so kann eine (Er)Klärung für unseren Jüngsten stattfinden.

  • warum hat Schüler X Dir das gesagt
  • warum hat Lehrkraft Y Dich dazu aufgefordert
  • warum ist ein Kaugummiverbot sinnvoll
  • wie kannst Du Dir besser Hilfe organisieren um in eine Gruppe zu kommen
  • du darfst jederzeit fragen, wenn Du eine Aufgabe (zB aufgrund eines einzelnen unverständlichen Wortes) nicht oder anders verstehst

Gut ist, dass die neue Schulbegleitung ihm Raum gibt. Wenn er die Kapuze seines Pullis anlässt und er fast darunter verschwindet, dann darf er das. Er wird nicht gedrängelt.
Die Rückmeldung, dass er ganz langsam und vor allem selbstständig ohne Anforderung wieder darunter hervorkommt und dann auch wieder ansprechbar ist (signalisiert durch seine Nachfragen, sein in Kontakt treten mit der Schulbegleitung) tut gut.
Auch das sie da ist, wenn er in die Auszeit geht aber nicht auf ihn einredet sondern abwartet und er sich ganz langsam ihr wieder nähert.
Sein abtasten und ausprobieren ist keine Provokation. Es ist der vorsichtige Versuch zu verstehen wie diese neue Person tickt.

Aber es ist noch ein langer Weg für unseren Sohn. Acht Wochen abzuwarten waren fast zu lang.

Noch mehr Kooperationsbereitschaft, noch längeres Zuwarten wäre hochgradig schädlich für unseren Sohn gewesen.

Vertrauensbasis

Mal wieder haben wir Wechsel erlebt.

Das Ende der Grundschule und der Übertritt in die weiterführende Schule stand an. Zu diesem Zeitpunkt hat dann noch unsere alte Schulbegleitung eine Veränderung für sich selbst beschlossen und unseren „Fall“ verlassen. So wurden die Sommerferien für uns nicht zu Erholungsphase, denn wie ein Damoklesschwert schwebte über uns die Unsicherheit, wie es denn weitergehen wird. Auch die Therapeutin ist noch nicht lange in unserem Fall tätig und immer wieder kommt es zu kommunikativen Miss(T)verständnissen. Und die Logopädiepraxis, bei der wir 5 Jahre lang waren hat geschlossen.

So hatten wir bereits in den Ferien mit Krisen-Ping-Pong zu kämpfen, da auch bei den anderen Kindern erhebliche Veränderungen anstanden. Dieses hat sich in den ersten Schulwochen erheblich verstärkt, weil Routinen und Strukturen einfach noch nicht vorhanden sind.

Nun läuft das neue Schuljahr schulisch gesehen recht gut. Die Umstellung war zwar ein ziemlicher Kulturschock, aber es geht. Um diesen Kulturschock mal zu verdeutlichen, vier Jahre lang war es in der Grundschule Alltag quasi alles selbst zu erlernen. Der jahrgangsübergreifende Unterricht Klasse 1 – 4 gibt das so vor. Alle Arbeit mussten sich die Schüler selber zuteilen. Jetzt gibt es stattdessen mindestens 80% Frontalunterricht und klar zugeteilte Hausaufgaben. Die Umgewöhnung ist noch nicht abgeschlossen. Das System Frontalunterricht kommt ihm aber sehr entgegen.
Was größere Schwierigkeiten hervorbringt ist die Arbeit mit der neuen Schulbegleitung.
Es ist nicht ihr erstes autistisches Kind das sie begleitet. Man könnte dies nun als Vorteil betrachten. Es muss aber nicht zwangsläufig von Vorteil sein.
Wenn jemand Erfahrungen mit einem oder mehreren autistischen Kindern ungefiltert und ohne Reflektion auf das nächste autistische Kind überträgt ist das mehr als schwierig.
Kinder, auch autistische Kinder, kann man nicht nach Schablonen einordnen. Jedes Kind ist eine eigene Persönlichkeit.

Ich plädiere ja schon seit Jahren dafür, dass jeder, der mit autistischen Kindern arbeitet, jedes einzelne Kind erstmal konkret kennenlernt und sich dafür selber mehr als nur drei Tage Zeit nimmt. Dass AutistInnen, seien es nun Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, insgesamt mehr Zeit brauchen Vertrauen aufzubauen habe ich hier schon mal beschrieben, gerade wenn es schon häufig zu Wechseln kam.

Ich sehe die Arbeit einer Schulbegleitung als unheimlich wichtig an, wie ich mir diese nach über sechs Jahren vorstelle, habe ich hier schon mal zusammengefasst.

Das entscheidendste ist

Eine Schulbegleitung ist der Schutz / Übersetzer / Helfer des Kindes und nicht der verlängerte Arm der Lehrkräfte!

Was ich von einer Schulbegleitung nicht will, habe ich hier angemerkt.

„Sollte eine Schulbegleitung strafen…..“ kommt von mir nur ein klares NEIN, dass ist nicht ihre Aufgabe.

Und was ich auch nicht will, dass die Schulbegleitung (anstatt selber zu strafen) die Lehrkraft auf Verfehlungen des Schülers hinweist (die diese nicht selber mitbekommen hat) damit diese straft.

Ich traue nämlich Lehrkräften durchaus zu, selber ihre Schülerschaft im Blick zu haben und ihre Reaktionen selbstständig tätigen zu können. Ich erwarte im Gegenzug von einer Schulbegleitung, dass diese bei Fehlinterpretationen der Lehrkraft sich für das autistische Kind gerade macht und für es eintritt.

Genauso finde ich es nicht gut, ein Kind für etwas zu belohnen, was für es selbstverständlich ist. Wenn ein Kind etwas besonders gut kann und damit im Unterricht glänzt, dann sollte die Belohnung von der Lehrkraft kommen, wenn diese das für notwendig erachtet. Aber nicht von der Schulbegleitung.
Damit wird nämlich das Kind in eine Sonderrolle vor seinen Mitschülern gezwungen, die so nicht sein muss.
Außerdem schwächt es in meinen Augen die Position der Lehrkraft.
Auch empfinde ich die meisten Token-Systeme als nicht zielführend.

Die Arbeit zwischen Schulbegleitung und AutistIn beruht auf etwas entscheidendem – Vertrauen.
Der Aufbau einer Vertrauensbasis ist langwierig und bedarf der Anstrengung beider Parteien.
Die Schulbegleitung ist der erwachsene Part und sollte langfristig überdenken, was ihr Handeln für Folgen beim autistischen Klienten hat.

Kommt es im schulischen Alltag zu Miss(T)verständnissen mit anderen Schülern sollte die Vertrauensbasis in soweit gefestigt sein, dass das autistische Kind sich bei der Schulbegleitung Hilfe holt. Das es weiß, dass diese versuchen wird mit ihm eine sozial schwierige Situation aufzudröseln und zu erklären. Im besten Fall schafft die Schulbegleitung es auch noch, andere Schüler in die Erklärung mit einzubeziehen ohne Schuldzuweisungen zu treffen.

Soziale Kommunikation erlernen AutistInnen wie eine Fremdsprache. Um den Schwierigkeitslevel darzustellen nehmen wir mal Chinesisch als Beispiel. Und dieser Lernprozess dauert sehr lange. Die meisten mir bekannten erwachsenen AutistInnen sagen ganz klar, dass dieser Lernprozess ein Lebenlang anhält.

Wenn nun eine Schulbegleitung von einem Zehnjährigen erwartet, dass dieser Prozess abgeschlossen ist, nur weil dieser schon jahrelang mit (anderen) Schulbegleitungen und Therapeuten diese Thematik bearbeitet, dann ist das nach meinem Empfinden ein stark überzogener Erwartungshorizont. Zumal der Fokus in der ersten Zeit klar auf dem Erlernen des sozialen Spieles lag (also der Akzeptanz anderer Vorstellung, der Änderungsbereitschaft bei Regeln für ein Spiel usw. usf.). Und selbst das klappt noch nicht so pannenfrei, gerade mit neuen Personen, dass man es völlig unbegleitet laufen lassen könnte.

Und wie selbstverständlich kommt immer wieder das Schlagwort Flexibilität auf den Tisch (RW). Es wird erwartet, dass das autistische Kind (in unserem Fall nach vier Wochen) doch schon viel flexibler auf Veränderungen reagieren können muss.
Ein Beispiel:
der Stundenplan ist eine starke Orientierung für den Tagesablauf. Wenn auf diesem eine Vertretung eingetragen ist, dann birgt dies schon Potential für Verunsicherung. Aber das autistische Kind weiß lt. Plan zumindest welcher Lehrer kommt und kennt im Zweifel auch schon die anstehenden Aufgaben. Nun kommt diese Vertretung aber nicht zustande, sondern die eigentliche Lehrkraft ist da und das Kind erwartet, dass jetzt normaler Unterricht stattfindet.
Der Aufgabenpool für den Vertretungsunterricht wurde nun aber großzügig angesetzt und der Rest sollte Hausaufgabe sein. So bittet die Lehrkraft (die die Aufgaben gestellt hat) darum, dass die Kinder Zeit erhalten, an diesem Aufgabenpool zu arbeiten weil es sonst zu viele Aufgaben für eine Hausaufgaben sind.
So weit nachvollziehbar aus Sicht der Lehrkräfte bzw. aus der eines Erwachsenen.
Und jetzt kommt mein Kind,
es fährt sich fest und kommt aus seiner Gedankenschleife nicht mehr raus. Bei ihm ist nur noch klar, der Aufgabenpool ist Hausaufgabe, die eigentliche Lehrkraft ist nun da und es muss gefälligst der eigentliche Unterricht erfolgen.
Daraus den Schluss zu ziehen, dass das Kind nur provozieren will, weil es eben nicht arbeitet, ist meines Erachtens schon sehr gewagt.

Um es noch mal zu verdeutlichen, Flexibilität muss vom Autisten ausgehen.

Es geht um das Zusammenspiel von Anpassung (durch den Autisten / die Autistin) und Verlässlichkeit (der Umgebung) sowie der Akzeptanz, dass es nur von Außen betrachtet leicht fällt. Bei Unterbrechung von Routinen und Durchbrechen von Strukturen ist der Kraftaufwand für die Kompensationsleistung sehr hoch.

Plakativ auf Flexibilität drängen und diese einfordern ist, unter den oben genannten Gesichtspunkten, nicht zielführend und kann (je nach Intensität des Drucks) zu Rückschritten führen.

Ich bin gespannt, ob wir den Druck der Erwartungshaltung in den nächsten Wochen durchbrechen können und unsere Schulbegleitung doch noch lernt sich auf unser Kind einzustellen. Ansonsten warten harte Wochen und Monate auf uns.

Die Sache mit dem Selbstverständnis und der Selbstakzeptanz

Das neue Schuljahr hat begonnen und einen Schulwechsel in die weiterführende Schule samt neuer Schulbegleitung hat unser Jüngster zu verkraften.

In der Vorstellungsrunde, wo alle Kinder sich etwas genauer beschreiben sollten sagte er

und ich habe ehrlicherweise Freudentränen verdrückt.

Er hat sich selber geoutet und das mit einer Selbstverständlichkeit wie ich es so von ihm mit seinen 10 Jahren nicht erwartet habe.

In den Ferien hat er den Schattenspringer 1 von Daniela Schreiter (auf Twitter besser bekannt unter @fuchskind) gelesen, mehrmals hintereinander, viele Fragen gestellt und sich so ganz bewusst mit Autismus allgemein und seiner eigenen Ausprägung direkt auseinandergesetzt.

Autismus ist in unserer Familie immer präsent und wird auch offen angesprochen. Er gehört eben einfach hier dazu, weg diskutiert bekommt man die dadurch entstehenden Probleme nun mal auch nicht. Warum also totschweigen, dann doch lieber offen damit umgehen und sich untereinander unterstützen und Mut machen. Denn jedes meiner vier Kinder hat unterschiedliche Peergroups und damit auch unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Zum Teil haben die Kinder aufgrund des Altersunterschiedes auch verschiedene Lehrmethoden erlebt und aufgrund der eigenen Problematik auch mal ganz andere Ansätze, wie man Aufgaben besser verständlich machen kann.

Heute las ich zufällig noch einen Blogbeitrag „Sichtweise eines Jugendlichen Autisten“

Weniger wird berichtet wie sich Kinder und Jugendliche fühlen, wenn Sie erfahren das Sie Autisten sind. Oftmals kommt die Frage: “ Wie habt ihr es Euren Kindern erklärt?“.

tja, bei unserem Ältesten sickerte die Gewissheit, Autist zu sein, nur ganz langsam durch. Und aufgrunddessen, dass er fast zeitgleich mit der Diagnosestellung krankgeschrieben wurde und sich daran 16 Monate ohne Schule anschlossen, hatte er hart zu kämpfen mit all dem was er über Autismus gesagt bekam oder was Therapeuten von ihm forderten.

Heute, nach 7,5 Jahren geht er offen mit der Thematik um, aber diese Jahre waren für ihn harte Arbeit.

Der Weg zur Diagnose der Mädchen und unseres Jüngsten war hart und lang. Die Mädchen waren 14 und 12 Jahre alt bei Diagnosestellung und der Jüngste 5 Jahre. Aber seit 2010 war es hier immer Thema. Sie sind quasi da reingewachsen.

Die Diagnostik Stelle hat uns noch nie angerufen und nachgefragt wie es ihn geht. Wie war das bei euch? Das wäre auf jeden Fall sehr wichtig, nicht nur Diagnosen zu stellen , sondern in Kontakt zu bleiben.

Wir haben die Diagnose bei einem Kinder- und Jugendpsychiater erhalten und sind immer noch eng mit dieser Praxis verbunden. Auch haben wir die dortigen Psychologen in Anspruch genommen, denn es ist für die Kinder auch wichtig mal ohne Eltern über ihre Probleme sprechen zu können. Ich halte das generell für sehr sinnvoll, wie ich hier mal genauer definiert habe.

Wir als Eltern haben die Aufgabe, unsere Kinder fit zu machen für das Leben „da draußen“. Dazu gehört meines Erachtens auch, dass die Kinder lernen sich selber zu achten und sich selbst zu akzeptieren.

Denn sowie Autismus angeboren ist, so gehört es ein Leben lang zu ihnen.

Sie sollen ihre Schwächen und Bedürfnisse genauso selbstbewusst benennen und um Hilfen oder Unterstützung bitten können, wie sie ihre Stärken hervorheben dürfen sollen.

Auch „unsere“ Kinder werden groß und

lernen, sich selber zu helfen.

Ich bin heute mit zweien meiner Kinder zu einem wunderschönen Treffen gefahren.
Also eine ungewohnte Situation und ein nicht langfristig angemeldeter Termin.
Die beiden Jüngsten waren etwas angespannt, andererseits aber auch ruhig, weil sie nicht erwarteten, dass es sie direkt betreffen würde. Außerdem waren sie angelockt dadurch, dass sie sich große Skulpturen gefertigt aus Ballons, ansehen konnten.
Das Wetter kam uns zu pass. Es war regnerisch, weshalb insgesamt weniger Menschen unterwegs waren.

Die Figuren begeisterten meine beiden Jüngsten sehr. Das Treffen selber war für meine „Kleine“ nach und nach immer mehr von Interesse und unser Jüngster erfreute sich daran, durch einen nachgestellten kleinen Wasserlauf zu laufen. Er hätte damit stundenlang weitermachen können.

Nach Beendigung des Treffens hatten wir noch eine Wartezeit zu überbrücken, die nach einigem Hin und Her vor einem Tisch endete, wo Kindern gezeigt wurde, wie man Ballonfiguren herstellt.

Unser Jüngster war fasziniert. Er fragte mich, ob wir noch Zeit hätten, dass er mitmachen könne und ob er danach fragen könnte.

Da nicht abzusehen war, ob es noch 5 min. oder länger dauern würde, sagte ich ihm, dass er fragen dürfte. Im Zweifel hätte ich mir was für die Große (auf die wir warteten) einfallen lassen müssen, wenn es klappte.
Er fragte höflich und durfte. Etwas verhalten besah er sich den Tisch und war ob der Möglichkeiten etwas „erschlagen“ aber gab nicht auf.

Er fragte nochmal nach, bekam genauere Informationen und begann zu werkeln. Meine „Kleine“ wollte auch unbedingt, fragte für ihre Verhältnisse forsch nach, und schwupps war auch sie dabei, Ballons eine Form zu geben. Die Ergebnisse finde ich prima.

Als die Große kam, war sie im ersten Moment erstaunt. Müde vom Tag und hungrig ließen wir die Kleinen am Tisch und suchten eine Bäckerei.
Versorgt mit Teilchen zurück zum Tisch mit den Ballons. Die beiden Jüngeren wurschtelten weiter und die Große bekam zum Schluss eine Ballonblume vom Kleinsten, weil sie so lieb und geduldig gewartet hatte.

Ich bin so unglaublich stolz auf meine Kinder.
Sie haben aufeinander Rücksicht genommen
haben höflich gefragt
haben gewartet
haben einen ungewohnten und unangekündigten Termin angenommen und ausgehalten
haben sich mit einem neuen Material auseinandergesetzt
der Zwerg hat das Knallen zerplatzender Ballons ignorieren können
und noch so viel mehr.

Der Tag war schön und anstrengend.

Ich habe gesehen, an welchen kleinen Ecken sie gewachsen sind.

Sie haben sich heute einen Teil ihrer Anforderungen selber gesucht. Und es hat ihnen Spaß gemacht.

Wie die Verarbeitung des heutigen Tages sich in den nächsten Tagen darstellen wird, wir werden sehen.
Aber heute haben meine Kinder einen großen Schritt getan, egal wie klein er von außen betrachtet auch sein mag.

Ich habe Vertrauen in meine Kinder, dass sie sich (egal ! in welch kleinen Schritten) sich Schritt für Schritt ihre Selbstständigkeit erarbeiten. Sie dabei zu begleiten ist mir eine Freude.
Und ob sie nun schon mit vier Jahren dazu in der Lage gewesen wären oder erst mit 10, 15 oder 20 Jahren ist mir herzlich egal.
Meine Kinder geben das Tempo vor.
Wenn sie sich rückversichern wollen und/oder Rückhalt für solche Momente benötigen, dann ist das so.

Vertrauen
Geduld
Zeit
manchmal/oft (je nach Tagesform) die Übersetzung/Erklärung von Verhalten oder unklarer Kommunikation anderer.

Dinge, die man Kindern bis sechs Jahren selbstverständlich zukommen lässt. Ist es wirklich ein Problem, wenn man seinen älteren Kindern eben diese Dinge immer noch gewährt?
Meine Kinder entwickeln sich nicht nach Schema F.
Aber sie schreiten in ihrer Entwicklung voran.
Der „Aufwand“, den es von außen betrachtet benötigt, erscheint mir gerechtfertigt.

Und ja, es wird Zeiten geben, wo sie dies nicht so gut oder gar nicht können, was sie heute gezeigt haben.
Die Gegebenheiten des heutigen Tages sind nicht 1:1 reproduzierbar.
Und trotzdem haben sie heute für sie wichtige Erfahrungen gemacht, auf die sie zurückgreifen können.

Ich erwarte schlicht nicht, dass es morgen wieder so gut läuft. Aber ich weiß, dass sie es können.

Das reicht mir.