Zu was berechtigt mich der Autismus meiner Kinder?

Ich bin nur eine Mutter, die aus „Zufall“ autistische Kinder hat. Wenn ich dafür kämpfe, dass sie eine gute Schulbildung erhalten und dies nicht durch Ämter torpediert wird, so entspricht dies der Fürsorgepflicht, die sich aus der Elternschaft ergibt.

Aus eben jener Fürsorgepflicht erwächst aber auch die Verantwortung, ihnen das Recht auf Selbstständigkeit nicht abzusprechen. Das sie, wie ganz „norm“ale Kinder einen Beruf erlernen, irgendwann ausziehen und für sich selber verantwortlich sind.

Ich habe mich lange und ausführlich mit Fachliteratur über Autismus auseinandergesetzt. Damit mich „Fach“Leute nicht mehr mit Fachvokabular „matt setzen“ (RW) können.

Viel ausführlicher und länger habe ich mich mit Biografien autistischer Menschen auseinandergesetzt. Auch Erfahrungsberichte von Eltern autistischer Kinder habe ich „verschlungen“. Ob nun in Buchform, in Foren oder auf Blogs. Diese persönlichen Berichte sind mir sehr wichtig.

Durch die Blogs und Foren ermutigt, habe ich es irgendwann sogar gewagt, direkten Kontakt mit den autistischen Autoren aufzunehmen. Und es ist für mich immer noch lehrreich.

Der Kontakt zu anderen Eltern ist mir nach wie vor wichtig. Behördenirrsinn ist auch hier leider immer noch stark präsent und konkrete Hilfen für die Ebene Kinder- und Jugendhilfe bekomme ich am schnellsten hier.

Geht es aber darum, meine Kinder zu verstehen; den Autismus verstehen zu lernen, dann muss ich mich an die Experten für Autismus wenden. Die Autistinnen und Autisten in all ihrer Vielfalt.

Und wenn ich mich für meine Kinder und ihr selbstbestimmtes Leben in der Zukunft stark mache, dann DARF ich erwachsene Autistinnen und Autisten UNTERSTÜTZEN. Denn diese bereiten mit der Selbstvertretung von heute den Boden für die Selbstvertretung von morgen. Und wenn meine Kinder willens sind, sich hier zu engagieren; dann können und müssen sie für sich selber sprechen.

Eltern, die dies nicht akzeptieren und sich darüber hinwegsetzen, blenden vollständig aus, was Elternschaft beeinhaltet. Das die Kinder groß werden und wir Eltern nicht ewig leben.

Einen sehr lesenswerten Beitrag über Selbstvertretung hat Marlies Hübner geschrieben.

Ich schäme mich fremd wenn ich lese das es Eltern gibt; die Autisten und Autistinnen die als Selbstvertreter den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt haben; den Autismus absprechen.
Die fachärztliche Diagnosen in Zweifel ziehen. Einfach so, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Liebe Miteltern, die ihr Euch zu so etwas hinreißen lasst; wie werdet ihr reagieren, wenn dies in 10, 15 oder 20 Jahren euren Kinder geschieht? Wenn irgendwelche Menschen, die eure Kinder nicht kennen sie derart angreifen?

Denkt doch bitte erst nach, bevor ihr Autistinnen und Autisten abfällig behandelt oder gar ferndiagnostiziert. Das, was einige betreiben ist KEINE sachliche Kritik, sondern nur beharren auf ihrer Idee/Standpunkt.

Ihr setzt Euch angeblich für Inklusion ein – aber exkludiert jene, die ihr inkludieren wollt. Einfach weil ihr Euch nicht mit deren Gedanken auseinandersetzen wollt.
Oder gilt Inklusion nur für euer eigenes Kind?

Liebe Eltern……

es ist anstrengend, Kinder zu haben. Es ist weit anstrengender, ein behindertes Kind zu haben. Als Eltern (egal in welcher Konstellation!) möchte man es gut machen.

Gestern habe ich davon geschrieben, wie wichtig es ist erwachsene Menschen mit Behinderung zu unterstützen. Und die Bloggerin Butterblumenland tat es auch.

Nun habe ich das Gefühl, dass es Eltern gibt, die diese Blogbeiträge auf sich beziehen und sich angegriffen fühlen. Und ich frage mich, warum?

Ich als Mutter bin nicht fehlerlos. Ich lerne jeden einzelnen Tag dazu. Verweigere ich mich dem Lernen, bleibe ich stehen. Zum Lernen gehört zwingend dazu (in der Eltern/Kind-Beziehung) dass ich meine Kinder los lasse. Ihnen neue Freiräume ermögliche. Das heißt auf der anderen Seite, dass ich mich zurückziehen muss.

Und das geht allen Eltern so. Das ist der natürliche Weg.

Jetzt wird vielen Eltern mit behinderten Kindern unterstellt (auch mir) das wir Helikoptereltern wären (schrappschrappschrapp).

Und jedesmal, wenn ich einen entsprechenden Artikel lese, werde ich wütend. Weil es immer nur ein kurzer Blick auf unsere Situation ist, der andere dazu verleitet, diese Schlussfolgerung zu treffen. Denn von außen sieht es so aus, als ob wir nicht loslassen könnten. Warum und wieso wird nicht betrachtet.

Ist es diese Wut, die in vielen von uns schwelt, die hier zum Ausdruck kommt, wenn ich sage, dass ich der Selbstvertretung erwachsener Menschen mit Behinderung den Vorrang gebe vor meinem Engagement, meinen Kindern den Weg zu erleichtern?

Ja, wir Eltern haben einen anstrengenden Alltag. Wir sind konfrontiert mit Unverständnis. Damit Anträge zu schreiben, die oft abgelehnt werden. Mit Behördendeutsch und Regularien, die nur ganz selten auf unsere Situation passen. Wir kämpfen jeden einzelnen Tag, den Alltag erträglich zu gestalten. Und wir stoßen an Grenzen. Ich bin es oft so satt und müde und erschöpft.

Aber was ich trotzdem nie verloren habe ist der Glaube, dass es meine Kinder schaffen werden. Dass sie sich ihren Platz in der Welt erobern werden.

Dabei DARF ich sie unterstützen.

Nicht mehr und nicht weniger.

Und trotzdem sind meine Kinder und auch ich eigenständige Menschen mit eigenständigen Entscheidungen. Im allerbesten Fall arbeiten wir zusammen und unterstützen und vertrauen uns.

Meine Wut auf die Gesellschaft, die uns nur unter der Lupe betrachtet und als Kostenfaktor sieht darf, darf mich aber nicht dazu verleiten, jeden, der mal einen kritischen Text schreibt, anzugreifen. Er sollte mich dazu bewegen, nachzudenken.

Behinderung des Kindes, wer ist betroffen?

Nach mehreren Tagen, an denen es auf Twitter hitzige Diskussionen zum Thema Betroffenheit gab, nun mal ein paar Gedanken von meiner Seite.

Ich bin Mutter behinderter Kinder. Und als solche kämpfe ich mit vielen Schwierigkeiten, gerade in dem Bereich, wo es um meine minderjährigen Kinder geht. Denn aufgrund dessen, dass ich erziehungsberechtigt bin, nehme ich hier die Interessen meiner Kinder war.

Die Interessen meiner Kinder! Denn es geht um ihr Leben.

Für meine erwachsenen Kinder gilt:

  • Sie geben den Takt vor
  • Sie sagen was sie wollen
  • Sie bitten um Unterstützung
  • Sie entscheiden, was für sie am besten ist

Jedem nichtbehinderten Menschen steht es vollkommen frei, für sich selber Entscheidungen zu treffen und Fehler zu machen. Warum sollte dies nicht für behinderte Menschen gelten?

Warum immer die defizitäre Sichtweise, dass es jeder besser weiß, was gut ist für behinderte Menschen, als diese selber?

Warum wird Behinderung quasi direkt gleichgesetzt mit Unmündigkeit?

Unterstellt man dies im Umkehrschluss auch allen alten Menschen, die pflegebedürftig werden und im Alten- und Pflegeheim sind? Das sie unmündig sind, nicht mehr geschäftsfähig, einfach so? Nein? Oder doch?

Mal weiter gedacht, ein heute vollkommen fitter Mensch wie zum Beispiel Samuel Koch wird durch einen Unfall zum behinderten Menschen. Dürfen nun nur noch andere Menschen entscheiden, wie er zu leben hat und welcher Arbeit er nachgehen darf?

Würde sich da irgendwer erdreisten, dies zu tun?

Warum denken dann so viele Eltern behinderter Kinder, dass sie es dürfen? Warum unterstützen sie nicht behinderte Menschen, die sich in der Selbstvertretung engagieren, sondern greifen diese noch an? Was für ein Selbstbild haben diese Eltern. Definieren sie sich nur über die Behinderung ihrer Kinder?

Ich versteh das nicht.

Der Mensch, der die Behinderung hat, ist betroffen – niemand sonst.
Ein behinderter Mensch benötigt oft Unterstützung. Aber der Unterstützer wird damit nicht zum betroffenen Menschen!

Die Bedürfnisse, aus dem Leben mit Behinderung resultierend, kann nur der behinderte Mensch definieren. Und die Unterstützer sind gut beraten, da sehr genau hinzuhören.

Unterstützung, so viel wie notwendig und vor allem erwünscht, aber nie bevormundend.