Sehr geehrte JournalistInnen

in den letzten Tagen passiert es wieder gehäuft, dass „Autismus“ oder „autistisches Verhalten“ dafür herhalten muss, um widerlichstes Verhalten von Menschen zu titulieren oder zu „erklären“.

Neu ist diese Erscheinung nicht.
Aber der Lerneffekt scheint unterschiedlich hoch.
In 2013 ( hier und hier ) haben sich Autisten bereits gewehrt und in 2016 ist es immer noch notwendig.
Leider kommt oft die Unterstellung, dass Autisten und Eltern von autistischen Kindern einfach nur „beleidigt“ seien.

Wir sind nicht beleidigt.
Wir wissen um die Folgen.
Der Alltag ist auch ohne Unterstellungen und Vorurteile schwierig, anstrengend und nervenaufreibend genug. Sie befördern mit der Fehlverwendung Mobbing. Und Sie schaden aktiv der Inklusion. Durch die „unbedachte“ Verwendung wird ein Outing wieder ein großes Stück schwieriger, da sich in den Köpfen jener die nicht betroffen sind, Bilder verfestigt haben bzw. verfestigen.

Das journalistische Geschäft ist ein Schwieriges.

Das Leben als Autist, in einer Gesellschaft die Autismus falsch versteht, ist ungleich schwieriger.

Mark Twain sagte

„Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist der gleiche wie zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen.“

Worte haben Gewicht.
Mit Worten kann viel Unheil angerichtet werden.
Mit falschen Zuschreibungen werden Meinungen erschaffen.
Soweit klar, sehr geehrte JournalistInnen?

Übernehmen Sie bitte Verantwortung für die von Ihnen gewählten Worte.

Überlegen Sie vorher, ob das von Ihnen gewählte Attribut im jeweiligen Kontext korrekt ist.

Seien Sie sich im Klaren darüber, dass Sie durch die falsche Verwendung des Wortes Autismus oder der falschen Zuschreibung autistischer Verhaltensweisen gegenüber Personen des öffentlichen Interesses, Autisten weltweit in Misskredit bringen.

Sprache ist vielfältig genug, Adjektive gibt es ausreichend.
Nutzen Sie diese.
Ziehen Sie sich nicht darauf zurück „das hab ich doch so gar nicht gemeint“.

Es ist unerheblich, was sie gemeint haben!

Fakt ist, was beim Konsumenten Ihrer Medien hängenbleibt.
Dafür tragen Sie Verantwortung.

Advertisements