Es könnte so einfach sein …………. ein Rant!

Kommunikation ist das A und O. Um diese mit dem autistischen Schüler zu erleichtern, haben wir eine Schulbegleitung.

Ja, ich weiß das Vertretungssituationen nicht gut sind und ja ich weiß ebenfalls, wenn ein Lehrer aufgrund Krankheit ausfällt, vieles nicht so läuft, wie es gewöhnlicher Weise sein soll.

Ich habe für vieles Verständnis. Und mein Kind auch, wenn es denn ein minimal Maß an Zeit eingeräumt bekommt, sich auf veränderte Situationen einzustellen.

Wir haben die Jahreszeit, in der viele Menschen krank werden. So hatten wir letzte Woche das Problem, dass eine Schulbegleitung und eine Lehrkraft erkrankt waren. Und da es unserem Sohn seit Tagen nicht gut ging, blieb er an diesem Tag zu Hause. Es wäre zu viel „des Guten“ gewesen. Es war keine Kraft zur Kompensation mehr vorhanden. Das gerade an diesem Tag die Sitzordnung bei einer anderen Lehrerin umgestellt wurde ist Pech.
So weit – so gut bzw. schlecht.
Die Sitzordnung wurde für exakt eine Stunde bei dieser einen Lehrerin umgestellt. Also ist eine ganze Woche vergangen, bis zum heutigen Tag. Es wäre Zeit genug gewesen, dies der Schulbegleitung mitzuteilen.
Wäre,
tja nun, Konjunktiv – eine Möglichkeit
wurde leider versäumt.
Und da diese Woche wieder eine Lehrkraft fehlt, ist die gesamte Woche von Veränderungen, fehlender Struktur und Routine geprägt.

Und so war es für unser Kind heute „der Tropfen, der das Fass zum überlaufen“ (RW) brachte, als er die Klasse betrat und nicht auf seinen gewohnten Sitzplatz konnte. Zudem wurde es ihm nicht von der Lehrerin gesagt, sondern von einem Mitschüler.

So „durfte“ ich nun mein Kind mitten im Unterricht abholen. Das wäre nicht notwendig gewesen.

Ist Absprachen treffen wirklich so schwierig?
Oder langfristige Planung?

Denn das nächste „Ungemach“ droht schon, eine schöne Veranstaltung, die länger dauert als der gewöhnliche Unterricht, wird 4 Tage vorher angekündigt.
Nur blöd, dass die Schulbegleitung nur für ein Fixum an Stunden genehmigt ist und für Sonderveranstaltungen zusätzliche Stunden extra beantragt werden müssen.
Auch haben die meisten Schulbegleitungen im Nachmittagsbereich weitere Termine, die entweder verlegt werden müssen oder wo eine andere Schulbegleitung eingesetzt werden muss. Es bedarf also der Organisation.Und der Kommunikation, um abzusprechen, wie man Dinge regelt.

Im Zweifel kann mein Kind nicht an dieser Veranstaltung teilnehmen.
Weil es durch die Vertretungssituationen in den letzten 5 Schultagen am Rande seiner Kraft ist und ich durch die heutige (nicht angekündigte) geänderte Sitzordnung, nun hier ein Kind im Overload zu Hause habe.

Ein recht einfach umzusetzender Nachteilsausgleich, liebe Lehrkräfte, ist klare Kommunikation, frühzeitige/langfristige Planung von Veranstaltungen sowie zeitnahe Informationen an die Schulbegleitung über Veränderungen im Tagesablauf bzw. Sitzordnungen.

So kann diese schwierige Situationen abgefangen werden. Die Schulbegleitung kann dem autistischen Kind nicht änderbare Sachverhalte erklären und mit ihm Lösungen erarbeiten. Ihm zur Not Ruhephasen ermöglichen und dadurch Overloads verhindern. Damit wird der Schulbesuch für das autistische Kind weniger stressig.

Dass kann doch nicht so schwer sein.

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Arbeitsanweisungen und Absprachen am Beispiel Schule

Die meisten Autisten/autistischen Schüler haben Probleme mit unklaren Arbeitsanweisungen. Oder damit, wenn Absprachen mitten im Arbeitsprozess abgeändert werden. Ohne, für den Autisten, erkennbaren Grund.

Nehmen wir mal das Beispiel Aufsätze schreiben.

Unser Jüngster hat zur Zeit noch arge Probleme damit. Zum Teil auch, weil Nacherzählungen bzw. das Fortführen von Geschichten an seiner Schule nicht solch einen hohen Stellenwert haben.

Es fehlt ihm die feste Systematik, das Grundgerüst an dem er sich „entlang hangeln“ kann. Das Erkennen, dass seine Geschichte es wert ist, aufgeschrieben zu werden. Der Arbeitsauftrag „schreib eine Geschichte darüber, was in der letzten Woche passiert ist“ ist diffus. Es sind so viele Gedanken in seinem Kopf, dass er einzelne Gedanken schlecht greifen kann. Das erzeugt eine Art von Chaos, dass er keine Ordnung in seine Gedanken bekommt. Innerhalb des „kurzen“ Settings einer Schulstunde sich ein Thema überlegen und daraus dann einen Aufsatz formen, fällt ihm schwer. Auch wenn er einen Erlebnisbericht aus dem Schulalltag schreiben soll. Weil vor lauter Eindrücken/Ideen er dann nicht mehr in der Lage ist, ein spezielles Ereignis auszuwählen.

Also gab ich ihm den Tipp, sich frühzeitig Stichpunkte (und mit diesem Wort kann er wesentlich besser umgehen als mit Mindmap oder ähnlichen Ausdrücken!) aufzuschreiben. Denn es gibt eine feste Schulstunde zum Geschichtenschreiben. Damit er dann in der eigentlichen Stunde auch wirklich produktiv arbeiten kann. Er zeigen kann, dass er Geschichten schreiben kann. (Leider gab es zwischendurch schon mal das Vorurteil zu hören „ob Autisten überhaupt in der Lage seien, Aufsätze zu schreiben“.) Durch diese Art des Trainings wird eine Routine erarbeitet, die dann auf vielfältige Weise eingesetzt werden kann. Training beeinhaltet aber, dass dazu mehrere Arbeitsaufträge erfolgreich absolviert werden, bevor man die nächste Stufe „erklimmt“. Dass sich das Wissen über das eigene Können verfestigt und die Routine Sicherheit bringt. Danach ist eine Erweiterung machbar. Nicht aber mitten im Schreibfluss. Eine Überarbeitung einer Geschichte ist möglich. Auch ein Wechsel der Perspektivebene. Aber bitte nicht alles auf einmal. Und nicht, wenn man lange Zeit dies nicht mit den Schülern trainiert hat. Dazu muss der Arbeitsauftrag auch klar und deutlich formuliert sein.

Womit wir bei der größten Schwierigkeit überhaupt sind.

Feste und klare Arbeitsaufträge.

Mitten im Schreibfluss den Arbeitsauftrag verändern, erzeugt neues Chaos.

Und Chaos, bzw. ein gestörter Denkprozess, führt dazu, dass der neue Arbeitsauftrag nicht umgesetzt und der alte nicht beendet werden kann. Einen fertigen Aufsatz überarbeiten ist möglich. Aber dazu benötigt es wieder feste Arbeitsaufträge.

Es erfordert eventuell ein Umdenken in der Arbeit mit autistischen Schülern, sich klar auszudrücken und einen genau definierten Arbeitsauftrag zu geben. Dafür wird man in der Regel aber mit einem guten Ergebnis belohnt. Und der autistische Schüler hat ein Erfolgserlebnis.

Es lohnt sich für beide Seiten.