soziales Spiel – Rollenspiel – Spiel allgemein

Wenn man die Fragebögen zu Autismus in die Hand gedrückt bekommt, dann wird oft abgefragt, ob das Kind Rollenspiele spielt.

Typisch zu nennen wäre nun Vater-Mutter-Kind.
Ein So-Tun-Als-Ob Spiel also.

Das Spiel ist variationsreich. Bietet es doch die Möglichkeit, die Welt der Erwachsenen nachzuahmen.

Das Spiel kann auch alleine gespielt werden.

Wenn die Puppenmutter/der Puppenvater also ihren Plüschtieren und/oder Puppen Rollen zuordnet und das Kind die Puppen/Tiere lebendig werden lässt.

Ja, meine Kinder haben dieses Spiel gespielt.
Aber es hatte eine andere Qualität, als bei nichtautistischen Kindern.

Wie hier beschrieben, haben die Kinder eine Situation arrangiert, einen Zeitraum abgewartet, neu arrangiert, gewartet, neu arrangiert und vielleicht noch aufgeräumt.

Gesprochen wurde da eventuell noch, was Kinder in der Schule gesprochen haben.
Aber es wurden keine Situationen erdacht, sondern nur wiederholt, was woanders geschah.

Von Außen betrachtet sah es nun für die Fragebögen so aus, dass es soziales Spiel gab.

Gerade bei den Mädchen führte es in der Anfangszeit der Diagnostik dazu, dass über diesen Punkt definiert wurde, dass sie nicht autistisch sein könnten.

Die Qualität des Spiels

  • schlüpft das Kind in die Rolle von jemand anderes
  • ersinnt es sich seine Rolle vollkommen frei

oder

  • spult das Kind nur ein Programm ab und hat keine oder kaum Variationen im Spiel

Auffälliger waren da schon die Spiele im Kindergarten.

Ein Kind ist im Pferdegeschirr, ein anderes Kind hält die Zügel und galoppiert zusammen mit dem ersten Kind über den Hof.
Ich habe zum Beispiel meine Mädchen nie im Geschirr gesehen.
Das obligatorische Wiehern war wohl nicht ihrs.
ABER, von außen sah es aus wie gewöhnliches soziales Spiel.

Oder im Sandkasten, „Kuchen backen“ und dann so tun, als ob man es isst. Sie haben das ganz anders gemacht als andere Kinder. Sie haben nur mit Förmchen Gebilde erschaffen aber jemanden das als Kuchen unterzuschieben, kam ihnen nicht in den Sinn.
Ich musste allerdings diesbezüglich auch keine Angst haben, dass sie wirklich Sand aßen.
Sie waren dabei, haben agiert, aber nicht zusammen mit den anderen gespielt.
Es war ein nebenher.

Trotz und alledem hatten meine Kinder aber auch Gegenstände, Puppen oder Plüschtiere, denen sie besonderen Wert zugemessen haben.
Allerdings spielten sie eher weniger mit ihnen.
Bei dem Spiel Vater-Mutter-Kind zum Beispiel waren sie ausgeklammert.
Sie durften eine beobachtende Position einnehmen.

Auch das Spiel mit Bausteinen war wenig variationsreich.
Eine einmal gewählte Form wurde zigfach wiederholt.

Unser Ältester zB hatte nie dieses aufreihen von Gegenständen gezeigt.
Aber seine Gebäude waren farblich immer gleich aufgebaut und hatten immer dieselbe Form.

Im Gegensatz dazu steht unser Jüngster.
Er hat klassisch Dinge aufgereiht und konnte nicht ertragen, wenn wer seine Ordnung zerstört hat.
Ansonsten liebt er das heillose Chaos und hat viele Dinge zerstört um hinter die Funktion eines Spielzeugs zu kommen.
Am interessantesten waren allerdings Geräte, die Geräusche erzeugen.
So geräuschempfindlich er auch ist, umso lauter ist sein Spiel.

Andere mitspielen zu lassen fällt ihm hingegen sehr schwer.
Ebenso innerhalb einer Gruppe zu spielen.
Vor allem wenn „unvorhersehbar“ und vor allem „unangekündigt“ die Regeln verändert werden. Er bekommt diese Ankündigungen kaum bzw. nicht mit.
Das geht seinen Geschwistern nicht besser. Die soziale Kommunikationsweisen anderer fallen ihnen unheimlich schwer.

Ja, meine Kinder haben auch Rollenspiele gespielt.
Aber es gab immer einen festen Rahmen, von dem nicht abgewichen wurde.
Wie ein Drehbuch, dass strikt befolgt werden musste.
In Rollenspielen mit anderen Kindern führte aber genau dies dazu, dass die anderen nicht oder nur selten mit ihnen spielen wollten.

Es braucht im Rahmen der Diagnostik hier schon einen sehr erfahrenen Fragesteller um den Unterschied im sozialen Spiel heraus zu arbeiten.
Denn die Qualität des sozialen Spieles meiner Kinder ist eine gänzlich andere als bei nichtautistischen Kindern, die ich in all den Jahren so hab spielen sehen.

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3 Kommentare zu „soziales Spiel – Rollenspiel – Spiel allgemein“

  1. Ich hab auch Rollenspiele gespielt, aber wie auch in anderen Bereichen des Umgangs mit anderen, habe ich sie (versucht) zu dominieren. Die anderen wurden angewiesen, was sie zu tun hatten. Damit hatte ich die Situation unter Kontrolle und es gab keine Überraschungen.

    Gefällt 2 Personen

  2. Hallo ihr Lieben, ich hoffe, dass das hier jemand liest und evtl. eine Idee hat: Meine Tochter spielt sehr Rollenspiele schon seit sie ca. 2 ist und zwar meist alleine. Sie versucht andere zu kontaktieren, aber sie müssen in die Rolle schlüpfen und das tun, was sie als angebracht erachtet (z. B. Prinz muss Prinzessin an den Händen nehmen zum Tanzen und aus dem Schlaf wachküssen). Sie kommt so mit anderen nicht ins Spiel, weil sie alles vorgeben will. Wenn jemand abweicht schreit sie oder korrigiert. Da sie sprachlich sehr weit ist und auch Leute schon spiegeln konnte (genau nachmachen und einschätzen, was es bedeutet und dann z. B. sagen „Nein, du darfst mich aber nicht schimpfen weil…“), wurde das in der Kita als fast Vorschul-artiges Rollenspiel beschrieben. Ich merke aber selbst, dass es nicht sehr flexibel ist und kreativ, aber nicht offen im sozialen. Wenn sie mit Puppen spielt, auch immer die gleichen Szenarien und dann lange Zeit die gleiche Situation (wie die Puppen tanzen zusammen ohne Text durch die Luft. Kommentar: „Sie verlieben sich“).

    Ist das sowas ähnliches wie beschrieben? Kennt ihr jemand, der ein solch erfahrener Experte / Expertin ist? Wir wohnen Raum Oberbayern. Danke!!

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