ABA (ein „bisschen“) eine Hilfe? – Nein

Über Applied Behavior Analysis wurde schon viel geschrieben. Auf einigen Seiten wird der Eindruck erweckt, dass es DIE Therapie schlechthin wäre, mit der man Autisten zu einem normalen Leben führen könnte.

Dies ist eine Meinung, der ich mich noch nie anschließen konnte. Bereits seit einigen Jahren kämpfe ich dagegen an. Und ich bin der festen Überzeugung, dass eine hoch manipulative Therapie wie ABA schlussendlich den Autisten zerbricht.

ABA ist NICHT darauf ausgerichtet, dass es dem Autisten besser geht, sondern zielt darauf ab, dass es das Umfeld leichter hat. Das der Autist lernt, funktionabel bzw. händelbar zu sein.

In diesem Artikel von Marlies Hübner und auf der Seite der Aktion #FragtWarum gibt es vielfältige Links und Fakten sowie Hintergrundwissen für interessierte Leser.

Die Bloggerin Butterblumenland hatte hier schon mal ihre Fragen (denen ich mich anschließe) an die ABA-Befürworter gestellt, aber ernsthafte Antworten hat sie nicht erhalten.

Auch ich habe vor einiger Zeit hier weitergehende Fragen gestellt, welche ebenfalls unbeantwortet blieben.

Für diejenigen, die ABA gerne mal relativieren oder Begriffe vermischen, hier noch etwas lesenswertes zu der Thematik.

Hier gibt es die Übersetzung eines Berichtes einer Ex-Therapeutin.

Nun begegneten mir gestern Fragen bzw. Behauptungen, die ich auf Twitter nicht „mal eben“ beantworten kann, bzw. die nicht einfach so unkommentiert stehen bleiben können.

Die Frage, ob ein „bisschen“ ABA denn nicht hilfreich sein könnte, kann ich nur verneinen. ABA wird niemals nur ein „bisschen“ angewendet. Selbst wenn die Therapeuten nicht stundenlang auf den „Patienten“ (Autisten) einwirken, so müssen es doch die Bezugspersonen (Eltern, Erzieher, Betreuer) dauerhaft ausführen.

Die Behauptung bzw. Begründung, dass es eine Wahlfreiheit und Therapievielfalt geben müsse, die manche ABA Befürworter treffen, ist irreführend.

Wenn es um Wahlfreiheit ginge, müsste man sich an den Bedürfnissen des Autisten orientieren. Aber der Autist hat hier KEINE Wahl. Er wird in das Korsett der „Therapie“ ABA gezwungen.

Der autistische Mensch, der mit ABA „behandelt“ wird, kann sich dem nicht entziehen und er wird auch nicht gefragt. Seine Meinung ist unerheblich. Wird doch jedes Abwehrverhalten als zu therapierendes Ziel betrachtet. Die Analyse des Verhaltens autistischer Menschen beruht bei ABA ausschließlich auf der Außensicht. Es wird nicht geschaut, welche Umstände zu Verhalten führen und welche Funktion es für den autistischen Menschen hat.

ABA widerspricht in Gänze schlicht der UN-Behindertenrechtskonvention und nimmt Autisten die Menschenwürde. Dies hat der Blogger Aleksander Knauerhase hier bereits treffend zusammengefasst.

Es erfüllt mich mit Freude, dass dieses Thema nun endlich auch in der Politik angekommen ist.  Wie Marlies Hübner bereits feststellte, ist es ein erster Schritt.

#noABA

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7 Kommentare zu „ABA (ein „bisschen“) eine Hilfe? – Nein“

  1. Und selbst wenn man ABA nur ein bisschen anwenden könnte – das an den Autisten vermittelte Bild ist nach wie vor: Du bist falsch, du reagierst falsch und du musst dich selbst verleugnen und verbiegen, um überhaupt anerkannt zu werden. Eine hilfreiche Therapie sollte immer enablen, also dem Menschen ermöglichen, für sich selbst Probleme zu definieren und mit dem Patienten einen Weg zu finden, sie selbstbestimmt zu lösen. Bei ABA definiert aber allein der Therapeut und vielleicht noch die Eltern, was sie alles am Autisten stört.

    Schon allein wegen dieses Menschenbildes lehne ich ABA ab („keine Person im psychologischen Sinne“ – Lovaas).

    Gefällt 1 Person

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