Arbeitsanweisungen und Absprachen am Beispiel Schule

Die meisten Autisten/autistischen Schüler haben Probleme mit unklaren Arbeitsanweisungen. Oder damit, wenn Absprachen mitten im Arbeitsprozess abgeändert werden. Ohne, für den Autisten, erkennbaren Grund.

Nehmen wir mal das Beispiel Aufsätze schreiben.

Unser Jüngster hat zur Zeit noch arge Probleme damit. Zum Teil auch, weil Nacherzählungen bzw. das Fortführen von Geschichten an seiner Schule nicht solch einen hohen Stellenwert haben.

Es fehlt ihm die feste Systematik, das Grundgerüst an dem er sich „entlang hangeln“ kann. Das Erkennen, dass seine Geschichte es wert ist, aufgeschrieben zu werden. Der Arbeitsauftrag „schreib eine Geschichte darüber, was in der letzten Woche passiert ist“ ist diffus. Es sind so viele Gedanken in seinem Kopf, dass er einzelne Gedanken schlecht greifen kann. Das erzeugt eine Art von Chaos, dass er keine Ordnung in seine Gedanken bekommt. Innerhalb des „kurzen“ Settings einer Schulstunde sich ein Thema überlegen und daraus dann einen Aufsatz formen, fällt ihm schwer. Auch wenn er einen Erlebnisbericht aus dem Schulalltag schreiben soll. Weil vor lauter Eindrücken/Ideen er dann nicht mehr in der Lage ist, ein spezielles Ereignis auszuwählen.

Also gab ich ihm den Tipp, sich frühzeitig Stichpunkte (und mit diesem Wort kann er wesentlich besser umgehen als mit Mindmap oder ähnlichen Ausdrücken!) aufzuschreiben. Denn es gibt eine feste Schulstunde zum Geschichtenschreiben. Damit er dann in der eigentlichen Stunde auch wirklich produktiv arbeiten kann. Er zeigen kann, dass er Geschichten schreiben kann. (Leider gab es zwischendurch schon mal das Vorurteil zu hören „ob Autisten überhaupt in der Lage seien, Aufsätze zu schreiben“.) Durch diese Art des Trainings wird eine Routine erarbeitet, die dann auf vielfältige Weise eingesetzt werden kann. Training beeinhaltet aber, dass dazu mehrere Arbeitsaufträge erfolgreich absolviert werden, bevor man die nächste Stufe „erklimmt“. Dass sich das Wissen über das eigene Können verfestigt und die Routine Sicherheit bringt. Danach ist eine Erweiterung machbar. Nicht aber mitten im Schreibfluss. Eine Überarbeitung einer Geschichte ist möglich. Auch ein Wechsel der Perspektivebene. Aber bitte nicht alles auf einmal. Und nicht, wenn man lange Zeit dies nicht mit den Schülern trainiert hat. Dazu muss der Arbeitsauftrag auch klar und deutlich formuliert sein.

Womit wir bei der größten Schwierigkeit überhaupt sind.

Feste und klare Arbeitsaufträge.

Mitten im Schreibfluss den Arbeitsauftrag verändern, erzeugt neues Chaos.

Und Chaos, bzw. ein gestörter Denkprozess, führt dazu, dass der neue Arbeitsauftrag nicht umgesetzt und der alte nicht beendet werden kann. Einen fertigen Aufsatz überarbeiten ist möglich. Aber dazu benötigt es wieder feste Arbeitsaufträge.

Es erfordert eventuell ein Umdenken in der Arbeit mit autistischen Schülern, sich klar auszudrücken und einen genau definierten Arbeitsauftrag zu geben. Dafür wird man in der Regel aber mit einem guten Ergebnis belohnt. Und der autistische Schüler hat ein Erfolgserlebnis.

Es lohnt sich für beide Seiten.

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