Wenn die Diagnose Autismus neu ist …

dann ist man als Elter froh um jede Information.

Leider landet man bei der Suche auch oft auf Seiten, die sehr harmlos wirken, aber die bedenkliche Tipps für Eltern von autistischen Kindern geben.

Hier mal ein Beispiel.

Wichtig zu beachten, was man als Neuling im Bereich Autismus leider nicht wissen kann, dass alle Tipps auf Ideen von BCBAs beruhen. Also ausgebildeten Anwendern von ABA. Jene also, die autistische Kinder am liebsten über die gesamte wache Zeit „therapieren“ möchten.

Und dann wird auf der Seite auf Organisationen verwiesen, die sich in der Vergangenheit als schädlich für AutistInnen erwiesen haben. Auch werden Bücher beworben, die a) nur in englischen Ausgaben zu erhalten sind und b) wieder von BCBAs geschrieben wurden.

Ich möchte die Tipps der verlinkten Seite gerne mal der Reihe nach durchgehen, die auf der verlinkten Seite gegeben werden.

Hören Sie mit Absicht zu.

Mal ehrlich, gibt es Eltern, denen man das extra sagen muss, dass sie ihren Kindern gut zuhören müssen.

Sprechen Sie mit Erwachsenen, die mit Autismus leben.

Es muss heißen
sprechen sie mit erwachsenen AutistInnen

Kommunizieren Sie mit den Lehrern Ihres Kindes und bieten Sie Informationen an, die Sie in Ihren Erziehungsmomenten…

Lehrkräfte und auch andere Menschen sollen NICHT in erster Linie erziehen.

Wer Schule schon mit dieser Prämisse denkt, der unterschlägt, dass Schule Bildung vermitteln soll.
Die Teilhabe an Bildung MUSS im Vordergrund stehen.

Hilfreiche Ideen bzgl. Lernerfolgen mit Lehrkräften und anderen Menschen zu besprechen ist allerdings wirklich hilfreich. Besonders wenn es darum geht, Nachteilsausgleiche zu installieren.

Finden Sie Wege, um ein Belohnungssystem zu implementieren.

Nein.
Tokensysteme dienen nur dazu, Kinder zum funktionieren zu bewegen, aber nicht dazu Lernerfolge zu erzielen.
Wer nicht begründen kann, warum Dinge wichtig sind und nicht herausfinden will, warum Dinge nicht klappen oder es zu Störverhalten aka Overloads, Meltdowns oder gar Shutdowns kommt, der möchte bitte mal seine Einstellung zum autistischen Kind und Kindern allgemein überprüfen.

Suchen Sie nach Beispielen für erfolgreiche Menschen mit Autismus.

Rolemodels sind wichtig, in erster Linie für das autistische Kind.
Kein Elter hat etwas davon, wenn es sich an einzelnen Stars oder Postmortem „diagnostizierten“ Persönlichkeiten orientiert.
Euer Kind ist auch wertvoll, wenn es kein Einstein ist.

Zu der Empfehlung, sich mit Literatur zu beschäftigen …
sucht nach Blogs erwachsener AutistInnen.
Und nach deren anderweitigen Veröffentlichungen.
Besucht deren Workshops.

Lassen Sie Ihr Kind mehr über erfolgreiche Menschen wie erfahren …

Autistische Kinder profitieren davon, dass sie Vielfalt erleben.
Das sie geliebt werden, so wie sie sind.
Unerreichbare Vorbilder helfen nicht.

Finden Sie etwas, das Ihrem Kind gefällt und nutzen Sie es, um sich mit ihm zu verbinden.

Selbstverständlich ist es wichtig, über die Interessen des Kindes Bescheid zu wissen UND darüber mit ihm ins Gespräch zu kommen.
Kommunikation ist übrigens sehr vielfältig.
Nicht alleine verbale Sprache ist Kommunikation.
Bietet unterschiedliche Möglichkeiten, wie zB auch Gebärdensprache oder einen Talker.
Auch verbale AutistInnen tun sich oft leichter, auch mit den eigenen Eltern schriftlich zu kommunizieren.

TIPP
versucht wertfrei zuzuhören und wertfrei zu antworten.
Das erleichtert vieles.

Haben Sie keine Angst, den Komfort Ihres Kindes zu testen…

Was hier wohl unter Komfort zu verstehen ist, sind ENTLASTENDE Dinge wie zB Kopfhörer oder das vermeiden von Supermärkten zur Stoßzeit und ähnliches.
Es wird suggeriert, dass es sich um eine Komfortzone handeln würde, die man durchbrechen muss.

Das. Ist. Falsch.

Bietet Euren autistischen Kindern Möglichkeiten, sich vor zu vielen Reizen zu schützen.
Reizfilterschwäche lässt sich nicht wegtrainieren.

Ziehen Sie in Erwägung, Ihrem Kind die Teilnahme an einer kognitiven Therapie zu ermöglichen.

Hier ist NICHT KVT gemeint.

Es geht eindeutig um ABA, Applied Behaviour Analysis, die mit den unterschiedlichsten Bezeichnungen in Deutschland beworben wird.

Hier gibt es viele Informationen und weiterführende Links zum Thema ABA.

Im Text erkennbar wird ABA durch die empfohlenen Autoren, die in der Mehrzahl BCBAs sind.

…Viele Kinder mit Autismus lernen nicht, indem sie andere Menschen beobachten…

Falsch!

Selbstverständlich beobachten autistische Kinder ihre Umwelt sehr genau.
Und sie kopieren auch Verhalten.
Weiter spiegeln sie ihre Umwelt.

Wer das nicht weiß oder nicht wahrhaben will, möge viel Raum zwischen sich und autistische Kinder bringen. Denn seine Annahmen führen zu schädlichen Einschätzungen und falschen Therapieempfehlungen.

Bringen Sie Ihren Kindern Selbstvertrauen durch narrative Psychologie bei.

Eltern sollen also mit Erzählungen Überzeugungsarbeit beim autistischen Kind leisten.
Nicht, in dem sie sagen „versuch es – ich steh Dir bei“.
Sondern, in dem sie sagen „Sport ist klasse – stell Dich nicht so an“.

Das ist das Gegenteil von hilfreich.
Denn es nimmt das autistische Kind nicht ernst.

Zutrauen in eigene Fähigkeiten kann nicht darüber entstehen, dass man ständig über die Empfindungen des Kindes hinweg geht.

Erklärt lieber und seid bei der gefühlt tausendsten Frage nach Hilfe immer noch da.

Seid geduldig.

Wenn ihr mehr wissen wollt, was autisitschen Kindern hilft, sprecht mit erwachsenen AutistInnen.
Sie können Euch Anhaltspunkte geben, wie vieles besser gelingen kann.

Was ein Schulbegleiter tun kann und meines Erachtens tun sollte!

Lösungen suchen und diese in Schule etablieren!

Was tun denn wir Eltern täglich, wenn wir die Hausaufgaben unserer autistischen Kinder begleiten?
Wir suchen Lösungen.

Wir sehen wo was schwierig ist und versuchen eine andere Herangehensweise beim Kind zu etablieren, damit das Kind sich um das Eigentliche – das Lernen – kümmern kann.

Beispiele aus dem Alltag: Weiterlesen „Was ein Schulbegleiter tun kann und meines Erachtens tun sollte!“

Ein Tag ohne Schulbegleitung

Gestern Morgen bekam ich früh die Nachricht, dass unsere Schulbegleitung erkrankt war.

Das kann passieren und ist menschlich.
Selbstverständlich ist in einem solchen Fall, dass die Schulbegleitung sich auskurieren muss.
Das diskutier ich nicht.
Keinem ist damit gedient, wenn jemand krank zur Arbeit geht.

So kurzfristig eine Vertretung zu bekommen ist ein Ding der Unmöglichkeit.
Niemand hat heutzutage Personal als Springer rumsitzen.

So obliegt es also mir als Mutter, mir Gedanken zu machen, Weiterlesen „Ein Tag ohne Schulbegleitung“

Die Goldwaage

„Leg(t) doch nicht jedes Wort auf die Goldwaage“

Diese Redewendung hören AutistInnen und Eltern autistischer Kinder fast täglich.

Die Annahme/Feststellung, dass bei AutistInnen die soziale Kommunikation gestört sei gehört zu den Diagnosekriterien bei Autismus. Ebenso wird davon ausgegangen, dass Kommunikation aufgrund von wortwörtlichem Verstehen insgesamt leidet.
Meines Erachtens wird dabei nicht beachtet, dass nur aus der Sichtweise von NichtautistInnen auf die Kommunikation geschaut wird.
Das Vier-Seiten-Model von Friedemann Schulz von Thun findet nur einseitig Beachtung.

Es wird unterstellt, dass AutistInnen dies nicht beherrschen würden, Weiterlesen „Die Goldwaage“

Wenn jedes Wort zu viel ist

Im letzten Post habe ich über Die Grenze der Kompensationsfähigkeit geschrieben.

Über dieses Zu Viel an (An)Forderung durch Außenstehende. Diese Außenstehende war in unserem Fall die Schulbegleitung.

Zwei Wochen Ferien haben lange nicht ausgereicht, die Unruhe bei unserem Jüngsten zu beseitigen. Alleine die Namensnennung der alten Schulbegleitung reicht zur Zeit aus, dass unser Jüngster Weiterlesen „Wenn jedes Wort zu viel ist“