Corona – Leben mit der Unwägbarkeit …

… für AutistInnen nicht gerade einfach.

Und Unwägbarkeiten haben wir gerade zu Hauf.

Es fängt mit der Internetleitung an, die nicht stabil läuft. Einmaliges runterladen von Dateien, oder hochladen von Ergebnissen funktioniert.
Anders sieht es bei Zoom-Veranstaltungen aus.

Wenn da ein Wackler (und der ist bei alten Überlandleitungen wörtlich zu nehmen – Wind ist sehr ungünstig) in der Leitung ist, fliegt man direkt aus der Veranstaltung raus. Und wenn der Veranstaltende nicht darauf achtet, kommt man so leicht auch nicht wieder rein.

Überhaupt, Zoom-Veranstaltungen.
Wie oft kommt meine Große rein und beschwert sich darüber wie laut und unkoordiniert diese Veranstaltungen sind.
Nettiquette und vor allem zuhören scheint für Einige echt zu viel zu sein.

Weiter geht es mit der Maskenpflicht.

Ich bin ein Befürworter von Masken. Auch wenn derzeit nicht sicher ist, wie sie exakt wirken. Allerdings ist es für meine Kinder nicht gerade einfach, diese zu (er)tragen.

Meine Kleine meinte, vieles ist Kopfsache. Auch die Sache mit der korrekten Atmung, um die Lunge nicht zu belasten.
Nur, Kopfsache heißt auch, dass der Kopf da eben mit der Maske beschäftigt ist und nicht mehr viele Ressourcen für weitere Aktionen wie z. B. Lernen frei bleiben.

Für sie ist es erträglich, die Maske auf dem Weg ins Schulgebäude, auf den Gängen und wieder raus zu tragen.
Im Unterricht oder gar bei Prüfungen allerdings nicht.
Das Gefühl der Maske frisst die Ressourcen für Konzentration und Kompensation auf.

Bei unserem Jüngsten kann ich beobachten, wie er langsam „auseinander bröselt“ wenn er die Maske über einen längeren Zeitraum trägt.
Danach ist arbeiten an Schulaufgaben nicht mehr möglich.

Also muss ich hier genau planen, wann er die Maske trägt und was danach eventuell noch zu erledigen ist.

Und die Anspannung, was am 06. Mai für NRW entschieden wird, ist bei ihm sehr hoch.
Er liest die Ankündigungen der Schule genauestens.
Man kann ihm dabei zusehen, wie die Fassade brüchig wird, die er versucht aufrecht zu erhalten.

Wenn da steht, dass im Schulgebäude Masken verpflichtend sind, dann macht ihm das große Sorgen.

Auch ist nicht sicher, ob die derzeitige Schulbegleitung überhaupt wieder in der Schule arbeiten kann. Schließlich fällt sie in die Risikogruppe.

Ein weiteres Problem dabei ist auch, wie soll Schulbegleitung mit 1,5m Abstand funktionieren?
Spoiler, das geht nicht.
Und auch in kleineren Klassen (halbiert oder gedrittelt) kann die Lehrkraft genauso wie die Schulbegleitung nicht nah genug ran, um etwaige Probleme direkt mit dem Jüngsten zu besprechen.

All das beschäftigt meinen Jüngsten sehr.

Was natürlich direkte Auswirkungen auf das Familienleben hat.

Wie ich hier schon beschrieb, ist es schwierig die Lebensrealitäten aller im Haushalt lebenden AutistInnen übereinander zu bekommen.
Krisen-Ping-Pong ist hier zwar immer Alltag, hat aber jetzt schon eine besondere Qualität.

Denn die Unwägbarkeiten bezüglich der Lockerungen häufen sich derzeit in einem fast unerträglichen Maß.

Und selbstverständlich belastet das auch uns Eltern.

Wir Eltern behinderter Kinder gehören fast immer zu den Unerhörten.

Wer der politischen Entscheider denkt zudem daran, was es für behinderte Kinder bedeutet, aus ihren festen Strukturen gerissen zu werden? Ohne geregelte Abläufe, ohne notwendige Therapien? Sind die in 24/7-Schichten pflegenden Eltern oder gar Alleinerziehenden am Ende ihrer Kräfte, überträgt sich die Erschöpfung und Kraftlosigkeit umgehend auf die Kinder – mit dramatischen Folgen.

Auch, weil wir keine homogene Gruppe sind.
Dadurch werden wir vereinzelt.
Was für den einen wichtig ist, schadet dem Nächsten.

Einzelfalllösungen sind Mangelware.

Aber gerade diese brauchen wir Eltern behinderter Kinder, um unseren Kindern wirklich gerecht werden und auch mal Kraft tanken zu können.

Noch zu Beginn der Corona-Pandemie war eine Welle der Solidarität zu spüren. Es herrschte eine Art gesellschaftliche Aufbruchstimmung, ein soziales Zusammenrücken. Nun, nach einigen Wochen, kehrt sich diese Stimmung mehr und mehr um in eine düstere „Ich zuerst!“-Ellenbogenmentalität, geprägt von Missgunst und Neid auf andere. Es droht eine Spaltung unserer Zivilgesellschaft. Ein Schreckensszenario für uns „Unerhörten“.

Es ist wichtig, dass wir uns Gehör verschaffen.
Und auch in der heterogenen Gruppe der Eltern behinderter Kinder braucht es Solidarität und die Forderung nach Einzelfalllösungen.

Fragt doch bitte, was wir im Einzelnen brauchen, damit es unseren Kindern gut geht und wir nicht zerrieben werden zwischen Behördeninstanzen und allgemeinen Regelungen.

Wir Eltern, als Vertreter unserer Kinder sind da.
Wir erzählen was unsere Kinder benötigen und was uns Familien hilft.
Es gibt viele Blogs, die davon berichten.
Hört uns doch einfach mal zu.

Ein Gedanke zu „Corona – Leben mit der Unwägbarkeit …“

  1. Das mit der instabilen Leitung hatte ich auch schon, ausgerechnet bei einer Online-Andacht. Eine Aussage, ob ich mich mindestens bis September auf bestimmte Bedingungen einstellen kann, wäre mir sehr recht. Also, dass der Status Quo mindestens bis dahin fortbesteht oder gar mehr möglich ist. Habe ehrlich keinen Bock auf eine zweite Welle, die alles an Freiheit von derzeit wieder schluckt.

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