Wenn Eltern von „Bullerbü“ träumen, weil sie es sich so sehr wünschen …

… und ihre Kinder einfach nicht in diesen Traum passen.

Das beginnt schon im Kleinen, wenn es um den Musikgeschmack oder Vorlieben für Sport geht.
Kinder haben ihren eigenen Kopf und machen die Dinge, die ihnen Spaß machen. Weil es ihre Interessen sind.

Ich möchte nicht wissen, wie oft die Eltern in den Bullerbü-Büchern gedacht haben „och nee, warum können die nicht einfach machen was wir wollen und für richtig erachten.

Ja, Eltern haben ein Bild von Familie im Kopf wenn sie Kinder bekommen. Ein Idealbild davon, wie sie es für sich erträumen. Im besten Fall eine grobe Wunschvorstellung die sich dann mit dem Kind entwickelt. Aber es gibt auch Eltern, die auch nach Jahren der Erfahrung mit ihrem Kind in ihrer Wunschvorstellung hängen bleiben und die sich über alles beschweren, was das Kind so anders macht, als sie es wünschen.

Und ja, dieses Problem gibt es bei vielen Eltern. Die dann auch das Studienfach oder generell den Beruf für das Kind auswählen möchten und ansonsten die Unterstützung versagen.
Weil es nicht ihr Traum, ihr Wunsch ist.
DAS konnte ich im übrigen noch nie verstehen, wie Eltern so handeln können. Denn sie müssen das Leben des Kindes nicht leben.

Wenn jetzt das Kind auch noch eine Behinderung haben wird es oft ganz schwierig. viele fallen in ein tiefes Loch, wenn irgendeine ( ! ) Diagnose gestellt wird. Bei lebensverkürzenden Behinderungen oder Erkrankungen kann ich dass sogar nachvollziehen.

Hierzu gibt es auch einen beeindrucken Blog.
Auf 22Monate schreibt eine Mutter alles nieder, wie sie die 22 Lebensmonate ihres Sohnes erlebt hat. Alle Verzweiflung, alle Sorgen und der gesamte Alltag haben dort Raum.

Seltsamer Weise habe ich dort aber selten was von „Bullerbü“ gelesen.

Besonders häufig begegnet mir dieser Wunsch nach „Bullerbü“ allerdings bei Eltern autistischer Kinder.

Da ist es der Wunsch der ELTERN, dass die Kinder die Kindheit so leben, wie es sich die Eltern vorstellen.
Da wird noch nicht einmal bei der PeerGroup abgeglichen, wie die das so machen, sondern streng das eigene Bild verfolgt.

Sei es, dass sie bei Jungs erwarten dass sie ständig draußen zum Fußballspielen mit anderen Jungs draußen sind oder bei Mädchen dass sie mit ihren Freundinnen sich zum schminken treffen (hallo Rosa HellBlau-Falle) oder das sie sich erträumen, dass die Kinder ihre eigenen unerfüllten Kinderträume ausleben können.

Nur, diese Träume passen nicht zum eigenen Kind.

Die beeindruckenden Texte des Autisten Jim Sinclair „Trauert nicht um uns“

Ja, es gibt eine Tragödie, die mit Autismus einhergeht: nicht das, was wir sind, sondern das, was uns widerfährt.

Sei darüber traurig, wenn du über etwas traurig sein willst. Besser jedoch als traurig darüber zu sein, werde wütend darüber – und dann tu etwas dagegen. Die Tragödie ist nicht, dass wir hier sind, sondern dass eure Welt keinen Platz für uns hat. Wie kann es anders sein, solange unsere eigenen Eltern sich immer noch grämen, dass sie uns auf die Welt gebracht haben?

und „Was es bedeutet anders zu sein“

Ich erinnere mich, wie meine Mutter mich drängte: Sei nett zu ihnen und sie werden deine Freunde werden. Ich wusste nicht, wovon sie redete. Nett sein? Ich hab nichts getan, um sie zu verletzen. Ich habe sie in keiner Weise gestört. Ich hab mich um meine eigenen Angelegenheiten gekümmert. Was wollte sie mehr von mir? Und ich wollte ganz bestimmt nicht, dass sie meine Freunde wurden. Ich mochte Menschen nicht, die mich so behandelten; warum um alles in der Welt sollte ich sie als Freunde haben wollen?

machen deutlich, dass es für AutistInnen in Ordnung ist autistisch zu sein und sowohl Eltern als auch das Umfeld dazulernen müssen und dürfen.

Wir müssen lernen zu akzeptieren, dass unsere autistischen Kinder IHREN EIGENEN Weg gehen wollen und dazu alles Recht der Welt haben.
Sie treffen ihre Entscheidungen aufgrund der Erfahrungen die sie gemacht haben.
Und uns kann nichts schlimmeres passieren, als das unsere Kinder solche Gedanken

Ich habe andere autistische Menschen sagen gehört, dass sie aus folgendem Grund wünschten, sie wären nicht so anders als andere Menschen: Sie wollen nicht schlecht behandelt werden und wissen, dass der Grund für die schlechte Behandlung ist, dass sie anders sind und nicht dazupassen.

formulieren.

Es ist an uns, uns darauf einzulassen das sie autistisch sind. Denn der Autismus geht nicht weg, er ist immer da.
Es ist an uns, dafür zu sorgen dass das Umfeld unsere Kinder nicht ständig überfordert.
Es ist an uns, Räume zu schaffen in denen unsere autistischen Kinder sich wohl fühlen.

Unsere Erwartungshaltung muss sich verändern.

Wenn wir Eltern in unseren Träumen verharren und uns SELBER bemitleiden machen wir es unseren Kindern maximal schwer, denn sie merken sehr genau dass wir es tun.
Wir sind dann ein Teil der Gründe, die unsere Kinder all zu oft in Depressionen treiben.

Unsere Kinder leben jetzt und haben ein Recht darauf IHR Leben zu leben.

Ich möchte gerne noch auf den Text von Butterblumenland „Holland? Italien? Das Recht auf ein nicht-behindertes Kind?“ hinweisen.

Dort wird das Leben mit einem behinderten Kind damit verglichen, dass man eine Reise nach Italien geplant hätte, auf die man sich schon sein ganzes Leben freut und dann plötzlich in Holland landen würde, ohne Möglichkeit zu entkommen oder weiterzureisen. Ich wusste bisher nicht genau, warum ich diesen Vergleich einfach daneben finde, jetzt schon. Holland wird zwar so beschrieben, dass man es irgendwann dort vielleicht doch halbwegs annehmbar findet, aber es wird nie so schön sein wie Italien.

Und auch auf den Text von Aleksander Knauerhase „Autismus: Ein Kammerspiel“.

Eltern fangen an ihre Kinder schützend in den Arm zu nehmen.

And the truth is, I am still winning, and you are scared. And you should be. I am autism. You ignored me. That was a mistake.

Die Wahrheit ist: ich gewinne immer noch und Du bist verängstigt. Und das solltest Du auch sein. Ich bin Autismus. Du hast mich ignoriert. Das war ein Fehler.

 

Der Mann, er ist mittlerweile zu einer stattlichen Größe angewachsen schaut leer in die Runde. Er scheint tatsächlich von der Angst der Anwesenden zu leben. Sich daran zu nähren, zu wachsen und immer bedrohlicher zu werden.

Liebe Eltern, lasst Euch nicht von Angst und Trauer auffressen (RW), nehmt Eure Kinder an und unterstützt sie.

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