Das mit der Aufklärung …

und

wem geht es um was …

Ich erlebe in den letzten Tagen vermehrt, dass einige Aufklärende sich selbst als den Mittelpunkt des Universums betrachten und nicht davor zurückschrecken anderen AutistInnen die Diagnose abzusprechen.

Besonders „interessant“ finde ich ja diesen Kommentar, den ich im oben verlinkten Beitrag (den ich gesichert habe, da ja manches einfach so verschwindet) lesen „durfte“.

Hier wird also zurückgeschlossen, dass ein autistisches Kind einfach nur Pech hat, wenn es auf beratungsresistente Lehrkräfte und/oder ErzieherInnen trifft.
Dass diese ja guten Grund hätten, sich so seltsam zu verhalten.

Ich saß erstmal ein Weilchen sprachlos vorm Rechner.

Weil also einige „Fach“leute von Modediagnosen faseln und zB ein Aufklärer diesen Begriff übernimmt und weiterträgt (schließlich hält der Herr auch Vorträge vor Lehrkräften, Autismusbeauftragen und Schulbegleitern) haben AutistInnen einfach mal „Pech“ gehabt.

Sorry, aber das ist KEINE Aufklärung.

Auch der Rückschluss, dass viele psychiatrische Diagnosen erst gestellt werden (müssen) weil unser heutiges System fehlerhaft und menschenfeindlich ist, ist mehr als seltsam.
Ja, das System in dem wir leben und arbeiten ist nicht gesund.
ABER, die heute (spät)diagnostizierten, erwachsenen AutistInnen sind auch OHNE den Druck aus dem System autistisch.

Und jede Diagnosestelle als unqualifiziert darzustellen ist auch mehr als seltsam.

Warum einige „Aufklärer“ sich alleinig als wahrhaftig empfinden, erschließt sich mir nicht.

Warum nicht einfach so über Autismus aufklären?

Mit all den Ausprägungen die es gibt?

Wenn es dann auch noch anderen hilft, weil es AUCH am System rüttelt, warum nicht?

Die Diagnose Autismus wird im übrigen NICHT inflationär vergeben.

Dazu ist die Diagnose viel zu aufwändig und zeitintensiv.
Viele Eltern nehmen eine lange Wartezeit, ewig lange Wege und einiges andere auf sich, um endlich Klarheit für ihr Kind zu bekommen. Erwachsene mit dem Verdacht ebenso. Warum wird die Entwicklung abgewertet, dass die Testverfahren besser geworden sind und viele jetzt endlich erkennen, wer und was sie sind?

Diese Erkenntnis ist immens wichtig.

Das derartig abzuwerten empfinde ich als unredlich.

Ich bin sehr froh, dass ich Aufklärende im Bereich Autismus gefunden habe, die auf die Vielfältigkeit des Spektrums hinweisen.
Die ihre Ausprägung des Autismus nicht für alleinig wahrhaftig halten.
Die Fragen stellen und Anregungen geben.

Ja, das ist nicht immer angenehm.
Aber es gibt keine einfachen Lösungen und keine Blaupausen, aus denen man Handlungskonzepte ableiten kann.

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