Vorfreude und Erwartung

Weihnachten, Silvester und Geburtstage sind Termine im Jahr, die zu Vorfreude und Erwartungen führen.
Oft werden von Menschen außerhalb der Familie Überraschungen geplant.
Das Wissen darum führt zu Stress und der bei unserem Jüngsten fast immer in den Overload.

So wichtig klare Absprachen, Termine und Planungen sind, so sehr versuche ich bei ihm gewisse Dinge so minimal wie möglich zu halten. Überraschungen kann er besser tolerieren, wenn er über deren Vorbereitungen nichts weiß.

Klingt wie ein Widerspruch und ist es im gewissem Maße auch.

Allerdings, wer unseren Jüngsten schon im Taumel von Vorfreude und Erwartungen erlebt und die Auswirkungen des Overloads bei ihm kennt kann es eventuell nachvollziehen.
Leider rutscht er oft, wenn er versucht den Overload zu unterdrücken, in den Shutdown der sich dann in Erbrechen äußert.
Auch ein unterdrückter Overload ist für ihn sehr anstrengend.
Und weil es oft ein Krisen-Ping-Pong auslöst, versuchen wir als Familie so etwas im Vorfeld zu vermeiden.

Was für andere heimelig wirkt, ist für ihn purer Stress.

So ist bereits das Wichteln in der Schule anstrengend.
Ebenso wenn der Stundenplan aufgrund von Weihnachtsvorbereitungen umgeworfen wird (um Überraschungen für die Eltern herzustellen) und im schlimmsten Fall wegen der Erkrankung der Lehrkraft dass dann nicht stattfindet.
Oder die Oma, die Andeutungen über etwaige Geschenke macht.
Wenn nicht klar ist ob wir zum backen kommen oder ob es das gewohnte Weihnachtsessen gibt.

Gewisse Dinge müssen geplant sein. Aber der sogenannte „Zauber der Weihnachtszeit“ ist für ihn zu anstrengend.
Das ist für ihn, trotz einiger Erfahrungswerte, immer noch nicht kalkulierbar.

Die Bloggerin Butterblumenland hatte auch schon dazu geschrieben.

Bei uns ist es weniger das Drumherum sondern mehr die „unkontrollierbaren“ Menschen und sein Wissen um diesen Fakt, dass jegliche Feiern so schwierig machen.

Womit er ganz schlecht umgehen kann ist, wenn viel Gewese um seine Person gemacht wird. Er kann sich solchen Situationen nicht gut entziehen. Vor allem nicht, wenn es seine Oma ist. Da diese oft auf Hilfe angewiesen ist übergeht er seine eigenen Bedürfnisse und unterstützt sie, verbleibt also in der ihn stressenden Situation.

Weihnachtsfeiern an der Grundschule und deren Ablauf kannte er im vierten Schuljahr. Ebenso die Karnevalsveranstaltungen.
Wie es dieses Jahr an der neuen Schule wird, bleibt abzuwarten.
Es sind solche „Kleinigkeiten“, die für ihn sehr fordernd und anstrengend sind. Für ihn ist eine Klassenarbeit (die wir hier zu Hause schon seit langer Zeit auf „ein Arbeitsblatt über das man sich nicht aufregen muss“ reduziert haben) einfacher wie irgendeine Feier im Klassen- oder Schulverband.

Er freut sich so sehr auf solche Aktionen, nimmt alle Vorfreude und Erwartungen von Mitschülern und Lehrkräften wahr und schwingt mit. Er schwingt so sehr, dass er erste Warnsignale seines Körpers nicht wahrnimmt/wahrnehmen kann.

Also greifen wir von zu Hause an einigen Stellen regulierend ein. Um das Stressniveau auf einem erträglichen Maß zu halten.
Und irgendwann versteht eventuell sein Umfeld außerhalb der Kernfamilie, dass wir ihm den Spaß durchaus gönnen, irgendwann…

Ein Gedanke zu „Vorfreude und Erwartung“

  1. Ich sehe da überhaupt keinen Widerspruch darin, daß Überraschungen besser zu ertragen sind, wenn man nicht schon die Vorbereitungen dazu mitbekommt. Ich kenne das ähnlich aus meinem Alltagsleben, wenn ich zum Beispiel zu Terminen fahren:

    (Fall 1) Ich bin überzeugt, daß ich gut vorbereitet bin, daß ich mich auskenne, daß ich genau weiß, worum es geht. Entspannt fahre ich zum Termin. Dort angekommen, stellt sich heraus, daß es um einen ganz anderen Sachverhalt geht als ich angenommen hatte. Darauf bin ich überhaupt nicht vorbereitet, ich kenne mich damit nicht aus, und ich muß mir erst mal erklären lassen, worum es überhaupt geht. Das ist dann erst mal ziemlich erschreckend, aber irgendwie klappt doch alles halbwegs, am Ende fahre ich zwar mit großer Erschöpfung nach Hause, aber es hat doch irgendwie funktioniert.

    (Fall 2) Ich bin schon vorher der Meinung, daß ich ganz schlecht vorbereitet bin, mich gar nicht auskenne, und eigentlich auch gar nicht weiß, worum es genau geht. Während der Fahrt rattert es die ganze Zeit in meinem Kopf, ich überdenke diverse Dinge und stelle immer wieder fest, daß ich gar keine Ahnung habe. Der Termin hat noch gar nicht angefangen und ich bin schon schweißgebadet. Irgendwie klappt doch alles halbwegs, es hat doch irgendwie funktioniert, aber ich bin nachher völlig fix und fertig.

    Dabei ist in beiden Fällen die Situation vor Ort dieselbe. Nur bin ich einmal bei der Hinfahrt ganz entspannt und das andere Mal nicht. Es ist insgesamt wesentlich angenehmer, zu Anfang noch nicht zu wissen, daß eine Überraschung auf mich zukommt. Ich bin mittlerweile gelassener geworden, aber das dauert seine Jahre.

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