Schulbegleitung unter „Kostenvorbehalt“

Im Oktober 2016 hatte ich schon einen Beitrag zur bevorstehenden „großen Lösung im Bereich der Eingliederungshilfe SGB VIII §35a“ geschrieben.

Viele Eltern haben jetzt schon große Probleme für ihr Kind eine Schulbegleitung überhaupt genehmigt zu bekommen.
Andere kämpfen mit einer viel zu geringen Stundenanzahl, die auch noch schnellstmöglich gekürzt werden soll.
Die nächsten erhalten Hausfrauen ohne jegliche Vorbildung (oder einer fragwürdigen Weiterbildung im Bereich ABA) im Bereich Erziehung oder Pädagogik.
Am wenigsten sinnvoll ist der Einsatz von FsJlern oder BuFDis. Und dies nicht, weil die Personen sich nicht einsetzen würden, sondern weil ihnen noch ganz viele Erfahrungswerte und meist auch Durchsetzungsvermögen (ob nun bei dem zu begleitenden Kind oder gegenüber Lehrkräften) fehlt.

Es ist also immer ein großer Kampf, eine gute Schulbegleitung, die ihren Beruf ernst nimmt und über ausreichende Qualifikation verfügt, zu bekommen.

Leider ist es mittlerweile fast „üblich“ geworden, dass Eltern klagen müssen. Wer Urteile und Argumentationshilfen benötigt sollte hier reinschauen.

Bei dem Kampf um eine gute Schulbegleitung gibt es mehrere Parteien, die entweder gegeneinander arbeiten oder Hand in Hand.

Eine gute und vor allem recht unparteiische Möglichkeit, Eltern im Behördenirrsinn zu unterstützen findet sich auch hier. Das persönliche Budget kann oftmals die letzte Möglichkeit sein (welche man leider auch oft gerichtlich erstreiten muss!) einen Schulbegleiter zu „installieren“.

Denn es kommen von den unterschiedlichsten Jugendämtern „Argumentationen“ bei denen mir persönlich übel wird:

  • mehr wie 15 Stunden bewilligen wir eh nicht
  • Schulbegleitung genehmigen wir nur für 2 Jahre
  • eine Fachkraft benötigen wir nicht – es geht ja nur um Aufsicht
  • eine Schulbegleitung ist übertriebener Luxus, dann muss das Kind halt auf die Förderschule
  • das Kind muss erst in die Klinik, um es fit zu machen
  • ist die Diagnose überhaupt korrekt
  • kann man da nicht was mit Medikamenten machen
  • aber die Pausenzeiten müssen wir rausrechnen, da braucht das Kind keine Unterstützung
  • usw. usf. (wer noch andere „nette“ Dinge gehört hat, bitte in die Kommentare!)

Diese Argumente sind nicht haltbar und im Rahmen der Eingliederungshilfe zur Teilhabe gemäß der UN-BRK unrechtmäßig.

Anbieter, die Schulbegleitungen anbieten sind in einer sehr unerquicklichen Position. Denn diese bekommen von Jugendämtern oft gesagt

„entweder sie handeln in unserem Sinne oder sie bekommen den Auftrag nicht“.

Das diese auch und vor allem selbstverständlich wirtschaftlich handeln müssen, muss uns Eltern klar sein. Und unter diesem Gesichtspunkt kann ich die Anbieter verstehen (da sie ja auch eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Arbeitnehmern haben) wenn sie in HPGs nicht allzu offensiv nach vorne gehen.

Das ist sehr schade, aber verständlich. Denn ohne Aufträge können sie noch nicht mal ein Minimum an Qualität anbieten.

Das heißt also, dass wir Eltern hier fachlich „aufrüsten“ müssen um die Rechte unserer Kinder zu vertreten.

Dieser Mehrfrontenkrieg (Nachteilsausgleich, Therapie, Schulbegleitung, Schulwegsbegleitung, Schwerbehindertenausweis, Pflegestufe usw. usf.) ist sehr entnervend, anstregend und belastend. Die Kraft, die wir da lassen fehlt uns in Bezug auf unsere Kinder.

Wir müssen da aber durch und wir müssen uns gegenseitig stützen und unterstützen.

Wir dürfen auch nicht Bestrebungen hinnehmen, dass uns Schulbegleitungen „serviert“ werden (sollen) die „Fortbildungen“ im Bereich ABA gemacht haben. Und dies den Jugendämtern als effektive Methode offeriert wird, kostengünstig das Problem schnell abzuhandeln.

Denn ABA ist weder eine reine Frühförderung noch ist sie kostensenkend. Ganz davon ab, dass ich ABA als schädlich für AutistInnen bzw. autistische Kinder halte.

Es muss mehr Aufmerksamkeit auf die gesamte Thematik gelenkt werden. Aber nicht, in dem wir unsere eigenen Kinder bloßstellen, sondern in dem wir uns vernetzen und versuchen sachliche Berichterstattung in der Presse zu bekommen.

Ich weiß, dass es unheimlich schwierig ist, Journalisten auf der rein sachlichen Ebene für das komplexe Thema Autismus zu interessieren. Vor allem, wenn weder das Kind noch die Eltern in der „wir leiden so dolle“ – Ecke landen wollen/sollen. Daraus wird nämlich leider schnell, „wir leiden so dolle unter dem Autismus“.

Ich leide nicht unter dem Autismus meiner Kinder!

Ich leide an der Ignoranz von Behörden, „Fach“beratern, schlecht recherchierten Artikeln, und unter Kostenvorbehalten.

Und die Kinder leiden dann folgerichtig unter entnervten Eltern.

Und das haben weder meine Kinder noch irgendein autistisches Kind verdient.

 

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9 Kommentare zu „Schulbegleitung unter „Kostenvorbehalt““

  1. Du hast Recht, diese Rahmenbedingungen sind es, die uns Eltern zu schaffen machen. Aber es regt sich auch ein wenig Widerspruch in mir: ich liebe mein Kind wie es ist, ich unterstütze es gerne. Aber ich finde den Autismus nicht toll. Ich leide auch darunter, dass MEIN Leben dadurch sehr eingeschränkt ist. Ich lebe gezwungenermaßen nach Regeln , die nicht die meinen sind… nur damit der Fahrplan des ‚Kindes‘ nicht durcheinanderkommt. Und das über viele Jahre.
    Die Idealisierung / Verharmlosung der Behinderung bringt uns nicht weiter.

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    1. Ich möchte weder idealisieren oder gar verharmlosen.

      Autismus ist nicht lustig oder gar hipp – aber es ist auch kein Weltuntergang.

      Ich kenne nur den Alltag mit meinen vier Kindern. Manchmal hätte ich es auch gerne einfacher. Aber Ich weiß schlicht nicht, wie sehr es mich in meiner Freiheit einschränken würde, wenn ich „norm“ale Kinder hätte.

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      1. Na ja, ich weiß es schon. Ich könnte meinem Beruf ganz anders nach gegen, mal spontan weg fahren . Oder ins Bad, obwohl de strenge Aufsteh-Rhythmus von Teenie dann variiert werden müsste. Das ist bei normalen kein Ding. Nur do ein paar Beispiele… die Möglichkeiten für Kompromisse wären einfach um vieles größer

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      2. Es ist nunmal eine anerkannte Behinderung.
        Und zielführende Hilfen, die für den autistischen Menschen gut sind und das Umfeld genau an diesem Punkt entlasten können, sind schwer oder gar nicht erhältlich oder man gerät an Personen, die Autismus nicht verstanden haben und dadurch noch mehr Arbeit machen.
        Leider!

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      3. Genau. Was nicht heißt, das es mit verständnisvoller/wohlmeinender / autismusgerechter Umgebung leicht und ohne Einschränkung- verglichen mit den Möglichkeiten, die man als Nicht-Betroffener hat, wäre.
        Darf man es nicht Belastung nennen, wenn man seinen Alltag nach den Einschränkungen eines Anderen ausrichten muss?
        Ich will nicht in die Leidensschiene-aber warum denken wir Eltern immer so verdammt selbstlos und lügen uns selbst in die Tasche?

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      4. Belastung ja – ohne Zweifel
        da bin ich voll bei Dir 🙂

        aber leiden, wie von einigen Medien oder anderen immer betont, dass ich immer durch ein „dunkles Tal des Grauens“ (RW) gehen würde, eben nicht.

        Mir geht es um eine sachliche Betrachtung von Autismus und der schlechten Versorgungslage ohne Leidschiene.

        Gefällt 1 Person

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